Gelesen: „Der Kämpfer im Vatikan“ von Andreas Englisch

Nach dem enttäuschenden Erlebnis mit dem Buch „7 Päpste“ wollte ich noch mal versuchen, der mir sehr fremden Welt der katholischen Kirche näher zu kommen. Das Buch „Der Kämpfer im Vatikan“ von Andreas Englisch überzeugte mich schon beim Durchblättern durch seine  anschaulichen Schilderungen seiner Begegnungen mit den letzten drei Päpsten. Ob auf osteuropäischen Landstraßen mit dem greisen Johannes Paul II. oder in der Mensa mit Franziskus („Er knallt seinen Teller in die Mikrowelle und blickt sich grimmig um“) – immer gibt einem der langjährige Vatikankorrespondent Englisch das Gefühl live dabei zu sein.

Das ganze liest sich dann auch weniger wie ein Sachbuch und mehr wie eine Detektivgeschichte. Wie ein klassischer Ermittler fährt Englisch in Bischoffssitze, Paläste von Adeligen und ferne Dorfkirchen um Fragen zu lösen: Warum und worüber streiten Franziskus und seine Kardinäle? Welches Geheimnis hütet die Vatikanbank?

Dass er dabei Erfahrungen aus 30 Jahren durcheinandermischt macht das Buch etwas sprunghaft und als Leser kann ich mir nicht sicher sein, ob seine Schlussfolgerungen richtig sind oder einfach nur Schüsse ins Blaue – denn in der Welt des Vatikans kann man nie die Leute einfach nach der Wahrheit fragen (da alle irgendwie ‚heilig‘ sind und nur das beste über die Kollegen und die Kirche sagen dürfen) sondern ist auf kluge Deduktionen und gute Verbindungen angewiesen. Der Versuch, dennoch eine stringente Geschichte zu erzählen und die schiere Hartnäckigkeit (manche Interviewpartner ‚belagerte‘ Englisch über Jahre, bis sie mit ihm redeten) sind dem Autor hoch anzurechnen.

Zudem ist das Buch sehr aktuell – Stand Herbst 2015 – wirkt aber oft auch mit heißer Nadel gestrickt. Tippfehler und Wiederholungen gibt es sehr häufig. Vermutlich wollte der Autor fertig werden, bevor Franziskus wieder etwas epochales macht.

Denn dass der aktuelle Papst mit seiner Hinwendung zu den Armen ein völlig neues Kapitel in der Geschichte der Kirche eingeleitet hat, das ist nach diesem Buch klar. Und das macht Hoffnung – auch für Nicht-Katholiken. Denn wenn sich sogar eine so alte und starre Organisation modernisieren und menschlicher werden kann – dann sollten wir anderen das doch auch können!

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