Archiv der Kategorie: Buch

Gelesen: Dan Brown „Das verlorene Symbol“

Nachdem mir „Origin“ (2017) so überraschend gut gefallen hat, habe ich nun noch einen zweiten Langdon-Roman von Dan Brown gelesen: „Das verlorene Symbol“ von 2009.

Als Symbolforscher Robert Langdon kurzfristig für einen Vortrag in die amerikanische Hauptstadt Washington geladen wird, ahnt er noch nicht, dass es eine tödliche Falle ist: Ein irrer Typ hat es auf die Geheimnisse der Freimaurer abgesehen (welche diese Stadt wesentlich prägten und prägen) und braucht Langdon um sie zu entschlüsseln. Und geht dabei buchstäblich über Leichen…

Ich bin froh, dass ich „Origin“ zuerst gelesen habe. Denn wenn ich mit „Lost Symbol“ angefangen hätte, hätte ich vermutlich zu keinem zweiten Dan Brown Buch gegriffen. Kein Zweifel – auch dies ist wieder ein pageturner, bei dem man ständig wissen will, wie es weitergeht und bei dem man en passant etwas über Architektur und seltsame Kunstwerke (wie die Rätsel-Skulputur „Kryptos“ im Hof der CIA) erfährt.

Aber im ganzen läuft hier das Räderwerk wesentlich unrunder als bei „Origin“. Dort waren die wissenschaftlichen und Kunst-beschreibenden Passagen sehr organisch in die Handlung eingewoben. Im „Symbol“ dagegen gibt es tatsächlich Stellen wo es heißt: „Langdon erinnerte sich an eine Vorlesung…“ oder „Catherine erinnerte sich an ein Experiment…“ – und dann wird die eigentliche Geschichte für zehn Seiten unterbrochen, um das zu beschreiben.

Auch der Bösewicht ist nicht so stark. In „Origin“ war es ein gequälter Admiral, dessen Motive und Werdegang sehr nachvollziehbar waren. Hier ist es ein tätowierter Hollywood-Schurke mit Folterkammer und einer supergeheimen Herkunft, die schon zur Hälfte des Buches verraten wird.
Ebenfalls seltsam: Nach dem traumatischen Endkampf und diversen Nahtoderlebnissen sind unsere Helden nicht etwa geschockt, sondern gehen erst mal auf Sightsseeing-Tour durch Washington und diskutieren über Bibel-Übersetzungen. Ein großes Geheimnis zum Schluss gibt es auch nicht, statt dessen geht die Sonne über dem Obelisken der „National Mall im Herzen der Nation“ auf. Ein Ende, dass vermutlich nur patriotische Amerikaner als befriedigend empfinden.

Das klingt jetzt etwas hart, als wäre das Buch eine Gurke. Das ist es aber nur im Vergleich mit dem superb fließenden „Origin“. Auch „Symbol“ hat sehr, sehr gute Stellen – etwa die Verfolgunsjagd durch das absolute Dunkel des „Noetischen“ Labors oder die Entschlüsselungs-Sequenzen mit der Pyramide.

Einen Dan-Brown werde ich sicher noch lesen und dann entscheiden, ob ich ihn generell cool finde oder nur „Origin“ sehr mochte.

P.S.: Verschöwerungstheoretiker glauben, dass „Symbol“ bisher nicht verfilmt wurde, weil es um die Freimaurer in Amerika geht. Doch erstens werden diese sehr positiv dargestellt und zweitens passieren einfach die besten Sachen dieser Story in stockfinsteren Räumen. Es wird viel in dunklen Gängen geschlichen und auf kleine Pyramiden geguckt – was alles nicht sehr filmisch ist. (und zudem auch an den Nicolas Cage Film „National Treasure“ erinnert).

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Gelesen: „Origin“ von Dan Brown

„Woher kommen wir? Wohin gehen wir?“ – das Computergenie Edmond Kirsch behauptet diese uralten Menschheitsfragen gelöst zu haben. Sein Ergebnis will er geladenen Gästen bei einer Präsentation im Museum für Moderne Kunst im spanischen Bilbao präsentieren. Doch da Kirsch ein bekannter Atheist ist, macht sich auch ein Killer mit religiösen Motiven auf den Weg ins Museum…

„Origin“ gehört, wie auch der „Da Vinci Code“ zu den Büchern um den Symbolforscher Robert Langdon und war für mich der erste Roman von Dan Brown, den ich gelesen habe. Nicht jeder Bestseller ist ja auch ein gutes Buch (und nicht jedes gute Buch ein Bestseller) – aber nach den 600 Seiten des Schmökers kann ich sagen: Es hat einen Grund, warum Millionen Menschen Browns Thriller lieben.

„Origin“ ist schnörkellos spannend, absolut kurzweilig und man ist hinterher sogar ein bischen schlauer. Dabei wirkt die Tour durch spektakuläre Orte der spanischen Kultur nie gekünstelt, sondern all die Kunst- und Bauwerke sind absolut logisch in die Handlung eingebaut. Hier greift tatsächlich ein Rädchen ins andere und die Story hat keine einzige überflüssige Person oder Szene.

Die Sprache ist klar und einfach (mit normalem Schul-Englisch ist das Original gut zu verstehen. Ich musste kaum ein Wort nachschalgen und hatte schon nach wenigen Seiten vergessen, dass die Sprache nicht Deutsch ist), sie drängt sich nie in den Vordergrund, sondern dient immer dazu die Leser direkt in die Situation mitzunehmen: Ob auf der atemlosen Flucht durch die Ruinen-Bars von Budapest, der Fahrt mit dem Tesla durch Barcelona oder den Abstieg in Francos „Valley of the Fallen“ – immer ist man wie live dabei.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass die Hauptperson Robert Langdon recht blass ist: Eine Mary Sue mit perfekten Gedächtnis, die außer einer (für die Handlung völlig unwichtigen) Klaustrophobie keine besonderen Merkmale hat. (Da dies aber schon der 5. Langdon-Roman ist kann das auch damit zuammenhängen, dass Fans den Herrn aus den Vorgängern schon besser kennen.) Dass Brown durchaus stimmige Charaktere erstellt zeigen die vielen Nebenfiguren, die oft in wenigen Sätzen sehr plastisch und menschlich werden.

Insgesamt ein Buch dem man anmerkt, dass der Autor vier Jahre dafür recherchiert hat. Ein perfekter Thriller, bei dem einfach alles stimmt! Und der einen dazu verleitet sofort nach Spanien zu reisen, um all die interessanten Orte selbst kennen zu lernen.

Gelesen: „Türkei verstehen“ von Gerhard Schweizer

Muss sich die pluralistische Gesellschaft Europas vor Zuwanderern aus der Türkei fürchten? Diese Frage, die gerne auch im aktuellen Wahlkampf gerne wieder plakativ gestellt wird, verspricht das Buch „Türkei verstehen“ von Gerhard Schweizer zu beantworten. Schweizer ist ein Kulturwissenschaftler, der sich auf den Nahen Osten und Bücher darüber („Syrien verstehen“, „Islam verstehen“) spezialisiert hat. Dann wollen wir doch mal sehen, was es da zu verstehen gibt.

Eine erste Fassung des Buches erschien 2008 unter dem Titel „Die Türkei – Zerreisprobe zwischen Islam und Nationalismus“, was wesentlich treffender ist als „Türkei verstehen“. Denn über Kultur und Leben der Türken erfährt man praktisch nix (Sport, Geografie, Geschichte vor Atatürk – alles Fehlanzeige!). Die fast 500 Seiten Text befassen sich fast ausschließlich mit der politischen Geschichte der Türkei von der Staatsgründung 1923 bis zum Herbst 2016. Es endet also topaktuell mit dem letzten Militärputsch und der heftigen Reaktion von Präsident Erdogan.

Schweizer stellt die Türkei als ein zutiefst zerissenes Land vor – unter dem Motto: „Alle gegen Alle“: Land gegen Großstadt, Arm gegen Reich, Muslim gegen Laizistisch, Sunniten gegen Aleviten, Militär gegen Zivilregierung, Türken gegen Kurden, Volk gegen Politiker, Islamische Politiker gegen Islamistische Politiker… und so weiter.

Spannend fand ich, dass die Türkei als ein strikt weltlicher Staat begann. Staatsgründer Atatürk lehnte Religionen als rückständig ab: „Der Islam ist ein Kadaver, der unser Leben vergiftet“, sagte er. Erst seit den 80ern und besonders unter Erdogan ging der Trend zurück zum religiösen.

Die im Eingang gestellte Frage, ob all das eine Bedrohung für das pluralistische Europa ist beantwortet das Buch schließlich nicht. Es zeigt aber zumindest auf, dass der Gegensatz Christentum-Europa / Islam-Türkei so einfach gar nicht funktioniert, weil „Der Islam“ und „Die Türken“ mindenstens genauso zersplittert sind, wie wir selbst. Beruhigend fand ich auch, dass Schweizer überzeugend darlegt, dass Erdogan zwar oft als ein machthungirger Polterkopf im Namen des Islam oder des Türkentums auftritt – in Wirklichkeit aber nur ein ganz normaler Poltkerkopf ist, der alles andere gern mal für seine Machtsucht instrumentalisiert. Das solls ja bei uns auch geben. Insofern: Willkommen in Europa!

 

Gelesen: „Gardens of the Moon“ von Steven Erikson

Auf der Suche nach etwas, was die Wartezeit auf die „Game of Thrones“-Fortsetzungen verkürzt, bin ich auf Steve Eriksons „Malazan Book of the Fallen“ (auf Deutsch: „Spiel der Götter“) gestoßen. Es gilt als eines der besten – aber auch schwer zugänglichsten Fantasy-Epen.

Und tatsächlich ist der erste Band eine ziemliche Kopfnuss. Kurz gesagt, geht es um das Malazanische Imperium, welches den Nachbarkontinent mit Schwert und Magie angreift. Kompliziert wird es dadurch, dass es sowohl innerhalb des Imperiums, als auch in den „Freien Städten“, die sich ihm entgegenstellen, viele Personen und Fraktionen gibt, die jeweils ganz eigene Interessen verfolgen. Dazu kommen verschiedene legendäre Ältere Rassen, Gestaltwandler, Drachen, schlafende Götter…

Ehrlich gesagt, hab ich das Buch vier mal angefangen, um halbwegs durchzublicken. Anders als bei Tolkien oder Martin gibt es nämlich keinen kleinen Hobbit oder Stark-Nachwuchs, der die Welt mit uns zusammen vom Rand her entdeckt. Stattdessen werden wir mitten rein geworfen in eine Welt, welche Autor Erikson und sein Kumpel I.C.Esselmont über Jahre als Pen-and-Paper-Rollenspiel entwickelt haben. Erikson kennt sich also in Malazan so gut aus, dass er es nicht für nötig hält, irgendwas zu erklären. Weis doch jeder was ein ‚Ascendant‘ ist, oder ein ‚Denul Warren‘ – gell?

(Die Warrens hab ich jetzt am Ende halbwegs begriffen. Was einen ‚Ascendant‘ von einem ‚God‘ unterscheidet und was die titelgebenden Mondgärten sind weis ich immer noch ned).

Definitiv also ein Buch für Leute die gerne lesen, grübeln, im Glossar nachschlagen, weiterlesen, grübeln und noch mal von vorne lesen. Denn ja: Die Serie scheint es wert zu sein. Die Charaktere sind teils flach, teils sehr sympathisch und die Welt ist auf jeden Fall reich und spannend.

Übrigens: Ähnlich wie beim ‚Song of Ice and Fire‘ kann man hier immens viel Kohle sparen, wenn man die Bücher auf Englisch liest. Denn im Deutschen wurden sie wieder mal geteilt: Ein englisches Buch (ca. 8 €) gibts als zwei Deutsche für je 15€… Wobei die Sprache recht anspruchsvoll ist. Wörter wie accoutrements oder conflagration sind da keine Seltenheit. Und dann ist da noch Kruppe. Seine Kapitel sind… wirklich Kapitel für sich.

Fazit: Wer leichte Kost mag sollte woanders suchen (Brandon Sanderson! Schnelle Lektüre mit viel Spaß!) Wer aber die „Dune“-Romane (ein Vorbild für Erikson) mag kann bei „Malazan“ einen Blick riskieren. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht.

 

Gelesen: „Nordkorea“ von Rüdiger Frank

Dicke Diktatoren mit skurilen Frisuren, rauschende Massenfeste, Hunger und Militär: Nordkorea wirkt auf den europäischen Betrachter wie aus der Zeit gefallen. Ein Land, bei dem ich mich unwillkürlich frage: Würde Deutschland heute so aussehen, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte? (Oder besser: Wenn die Nazis sich eingeigelt hätten, statt sich an drei, vier Fronten gleichzeitig aufzureiben…).

Dass mein Bild von Nordkorea etwas klischeehaft ist zeigte mir das Buch „Nordkorea – Innenansichten eines totalen Staates“ von Rüdiger Frank. Er ist Wirtschaftswissenschaftler und Nordkorea-Experte und war sogar schon einige Male in dem stark abgeschotteten Land zu Besuch.

Anhand der Geschichte Koreas erklärt er, wie es überhaupt zur Teilung kam und warum die Nordkoreaner trotz Hungersnöten lange auf „Militär zuerst“ setzen: Das Land hat schon lange das Gefühl, dass die anderen Länder feindlich oder unzuverlässig sind und dass es selber stark sein muss um zu überleben.

Denn – erste Überraschung – Nordkorea ist zwar ein armes Land, hat aber viele wichtige Rohstoffe, wie seltene Erden. Ist also deshalb ein interessantes Ziel für (aus nordkoreanischer Sicht) ausländische Ausbeuter.

Und – zweite Überraschung – Wirtschaftssanktionen oder gar militärische Drohungen helfen laut Ansicht von Rüdiger Frank gar nichts, weil sie die Nordkoreaner nur in diesem Vorurteil bestärken, dass alle anderen ihnen böses wollen. Das einzige was hilft sind Wirtschaftsbeziehungen (Ob Trump das weis?)

„Nordkorea“ ist ein sehr spannendes und sehr kenntnisreiches Buch, wobei Frank auch immer angibt, wo die Grenzen seines Wissens liegen und wo er spekulieren muss, weil Nordkorea mit Fakten sehr zögerlich ist.

Leider ist das Werk in manchen Teilen sehr trocken (der Autor ist halt Wirtschaftswissenschaftler und lässt sich lange über das Potential der Freihandelszonen aus. Ein wirkliches Bild vom Leben in Nordkorea entsteht eher nebenbei. (Dafür empfehle ich den Comic „Pjönjang“ von Guy Delisle, der anschaulich seine Zeit in der Hauptsadt Nordkoreas schildert.)

Herausragend ist dabei das Kapitel „Arirang“ über das gleichnamige Massenspektakel, das wirklich einen guten Einblick in Kultur und Propaganda Nordkoreas gibt.

Dieses Buch habe ich übrigens für den BBSB eingesprochen. Blinde und Sehbehinderte können es im BIT-Zentrum als kostenlose Daisy-CD bestellen (wenn ihr mich 19 Stunden lang reden hören wollt….) Viel Spaß damit!

Gelesen: „Der Kämpfer im Vatikan“ von Andreas Englisch

Nach dem enttäuschenden Erlebnis mit dem Buch „7 Päpste“ wollte ich noch mal versuchen, der mir sehr fremden Welt der katholischen Kirche näher zu kommen. Das Buch „Der Kämpfer im Vatikan“ von Andreas Englisch überzeugte mich schon beim Durchblättern durch seine  anschaulichen Schilderungen seiner Begegnungen mit den letzten drei Päpsten. Ob auf osteuropäischen Landstraßen mit dem greisen Johannes Paul II. oder in der Mensa mit Franziskus („Er knallt seinen Teller in die Mikrowelle und blickt sich grimmig um“) – immer gibt einem der langjährige Vatikankorrespondent Englisch das Gefühl live dabei zu sein.

Das ganze liest sich dann auch weniger wie ein Sachbuch und mehr wie eine Detektivgeschichte. Wie ein klassischer Ermittler fährt Englisch in Bischoffssitze, Paläste von Adeligen und ferne Dorfkirchen um Fragen zu lösen: Warum und worüber streiten Franziskus und seine Kardinäle? Welches Geheimnis hütet die Vatikanbank?

Dass er dabei Erfahrungen aus 30 Jahren durcheinandermischt macht das Buch etwas sprunghaft und als Leser kann ich mir nicht sicher sein, ob seine Schlussfolgerungen richtig sind oder einfach nur Schüsse ins Blaue – denn in der Welt des Vatikans kann man nie die Leute einfach nach der Wahrheit fragen (da alle irgendwie ‚heilig‘ sind und nur das beste über die Kollegen und die Kirche sagen dürfen) sondern ist auf kluge Deduktionen und gute Verbindungen angewiesen. Der Versuch, dennoch eine stringente Geschichte zu erzählen und die schiere Hartnäckigkeit (manche Interviewpartner ‚belagerte‘ Englisch über Jahre, bis sie mit ihm redeten) sind dem Autor hoch anzurechnen.

Zudem ist das Buch sehr aktuell – Stand Herbst 2015 – wirkt aber oft auch mit heißer Nadel gestrickt. Tippfehler und Wiederholungen gibt es sehr häufig. Vermutlich wollte der Autor fertig werden, bevor Franziskus wieder etwas epochales macht.

Denn dass der aktuelle Papst mit seiner Hinwendung zu den Armen ein völlig neues Kapitel in der Geschichte der Kirche eingeleitet hat, das ist nach diesem Buch klar. Und das macht Hoffnung – auch für Nicht-Katholiken. Denn wenn sich sogar eine so alte und starre Organisation modernisieren und menschlicher werden kann – dann sollten wir anderen das doch auch können!

„Wie Star Wars das Universum eroberte“

Der Titel „Wie Star Wars das Universum eroberte“ klingt zuerst etwas angeberisch, ist aber wie vieles in diesem Sachbuch von Chris Taylor (www.mashable.com) hintergründig und genau recherchiert. In diesem Fall stellt er gleich den Bezug zum alten Flash-Gordon-Serial „Flash conquers the universe“aus den 30ern her, das eine große Inspiration für Lucas war.

Taylors 760+Seiten Buch dokumentiert nämlich nicht nur die Entstehung der ersten beiden Star Wars – Trilogien, sondern erzöhlt auch von deren Vorbildern, ist außerdem eine George-Lucas-Biografie und ein liebevolles Zeugnis der vielen Fan-Aktivitäten: Vom R2-Builders-Club über die 501st Legion (die in Sturmtruppen-Kostümen aufmarschiert) bis hin zu Lichtschwert-Kursen.

Da ist selbst für den eingefleischten Fan sicher viel neues dabei (Star Wars in der Türkei – Star Wars in Navajo-Sprache…) und trotzdem auch für Gelegenheitsgucker der Saga wie mich alles anschaulich und verständlich geschildert. Dabei endet das Buch 2014, vor der Veröffentlichung von Episode VII, was auch passt, weil mit dem Verkauf an Disney (der noch ausführlich erklärt wird) die alte Phase von Star Wars zu Ende ging.

In der Summe ein Füllhorn an Star  Wars Infos und Anekdoten, das richtig Spaß macht, geschrieben von einem begeisterten – aber auch kritischen – Fan, der sogar einen Kurs mitliefert, warum man die Prequels trotz allem gut finden kann. Die Macht ist definitiv mit ihm!

Das Buch hab ich übrigens für 5-. aus der Ramschkiste eines Baumarkts. Welcher? Natürlich der … Wan-Kenobi 🙂

Gesehen: Das schönste Buch der Welt?

Es trägt den Titel „Schiff des Theseus“ oder schlicht „S.“ wurde geschrieben von Doug Dorst und produziert von J.J. Abrams. Ein Buch mit Producer? In diesem Fall gar nicht so verkehrt, denn „S.“ ist kein gewöhnlicher Roman, sondern ein Gesamtkunstwerk: Aufgemacht wie ein altes Bibliotheks-Buch (mit Signaturaufkleber) aus den 50ern und drinnen sind nicht nur eine Geschichte, sondern auch Postkarten, Zeitungsauschnitte, eine Dechifrierscheibe und, und, und… Noch dazu haben zwei vorherige Ausleiher am Rand der Geschichte Notizen hinterlassen, die eine zweite Geschichte erzählen, bei der es um den geheimnisvollen Autor des Buches geht.

Guckt mal hier:

Genaueres kann ich noch nicht sagen, da ich den ersten Abend nur damit verbrachtt habe, die geniale Aufmachung zu bewundern.  Die Randnotizen hab ich mir noch gar nicht angeschaut und die Hauptstory nur angelesen – erinnert etwas an düstere Kafka-Geschichten oder an das „Totenschiff“ von B. Traven (noch so ein geheimnisvoller Autor, dessen wahre Identität niemand kennt).

Bin sehr gespannt auf die Story, aber allein schon für die Form bekommt dieses Buch einen Ehrenplatz neben dem „Absolute Sandman“!

Gelesen: „Das Jesus-Video“ von Andreas Eschbach

„Gibt es ein Video von Jesus Christus?“ – die Frage, die der Roman auf seinem Klappentext stellt lässt eine recht trashige Erzählung vermuten. Womöglich eine Handvoll Jungspunde, die in den 80ern (der Ära des Videos) in die Jesuszeit reisen um dort Aufnahmen des Heilands zu machen?

Umso positiver hat es mich dann überrascht, dass der Roman von Andreas Eschbach sehr logisch und ’seriös‘ daherkommt: Bei einer Ausgrabung werden Anzeichen dafür gefunden, dass es tatsächlich Bewegtbild-Dokumente von Christus gibt. Eine bunte Mannschaft von Menschen – darunter auch ein SF-Schriftsteller, der als Experte für Zeitreisen dazugenommen wird – entwickelt Theorien und Herangehensweisen: Ist das ganze nur ein Scherz oder besteht tatsächlich die Möglichkeit? Und wenn ja – was würde man mit diesem Video anfangen? Ein spannender Wettlauf zwischen Kirche, Kapital und einer handvoll idealistischer Jungforscher (also doch 🙂 ) beginnt…

Das Buch hat mich ab etwa Seite 70 sehr gut und spannend unterhalten. Die Seiten vorher zieht es sich etwas, da wirklich jedes Kapitel mit dem gleichen Cliffhanger endet: „Wir haben ETWAS im Sand gefunden. Etwas UNGLAUBLICHES.Aber wir sagen nicht WAS.“ Nun, das Buch heißt „Jesus-Video“, ich hab schon so ’nen Verdacht was es ist… gähn. Auch dass Autor Eschbach uns in dieser Phase digitales Video, Email oder USB-Sticks ausführlich als unglaubliche Zukunftstechnologien beschreibt und bestaunen lässt, war wohl schon 1998 als das Buch erschien etwas Retro. Dafür gibt’s mitten in einer Wüste Handynetz. SF!

Ansonsten stimmt hier aber alles,  Charaktere, Spannung und auch der Umgang mit dem Glauben. Eschbach zeigt hier viele Facetten des Un/Glaubens und lässt sich auf das Mysterium einer Offenbarung ein. Außer den tiefreligiösen Christen (oder sonstigen Fundamentalisten) dürften alle, unabhängig ob gläubig oder nicht, das Buch lesen können ohne sich beleidigt zu fühlen.  Zum Finale der Geschichte schreib ich unten noch was in einem kurzen Spoiler-Teil.

Fazit: Ein toller Schmöcker, der überraschend sachlich daherkommt und neben spannnender Handlung auch noch einige Denkansätze zum Thema Glauben und Offenbarung liefert.

MAJOR SPOILER ALERT

Und nun wie versprochen noch ein paar Gedanken zum Ende der Geschichte:

Eschbach lässt seine Personen das Jesus-Video tatsächlich finden und sehen. Und macht dann etwas, was ich sehr klug finde. Er schildert zwar den Film, legt den Schwerpunkt aber auf die Reaktionen derer, die ihn sehen: Manche sind begeistert, entflammt, gläubig – andere halten es für Humbug und leben ihr Leben weiter. Genauso eben wie es Menschen mit den schriftlichen Offenbarungen aller Religionen bisher auch gemacht haben. Logisch. Fair. Klug. Und eine kleine Pointe gibt’s dann auch noch.

Gelesen: „Franken – eine deutsche Literaturlandschaft“ von Hermann Glaser

Zeit, mal wieder das lokalpatriotische Fähnchen zu schwenken und ein Buch über die Literatur aus der Heimat vorzustellen: „Franken – eine deutsche Literaturlandschaft“ will den Bogen schlagen von Walther von der Vogelweide (vermutlich ein Franke, schon weil er so gerne mumpflert auf einem Steine saz) bis zu den frängischen Dichdern und Dengern von heute.

Der Autor dieses großen Unterfangens gehört dabei selbst in diese Liste: Hermann Glaser gilt nicht nur als „Erfinder“ der Nürnberger Kulturläden, sondern ist auch ein Autor der sich selbst in vielen Texten vor allem zur Kulturgeschichte Deutschlands profiliert geäußert hat.

Doch bedauerlicherweise erweist sich das dicke, hochglänzende Buch aus dem Schrenk-Verlag bald als Mogelpackung: Von den knapp 600 Seiten erzählen die ersten 350 eine ganze normale deutsche Literaturgeschichte. Verständlich, kompakt, schön bebildert und teilweise (Biedermeier und Zeit zwischen den Weltkriegen) mit viel Feuer für die Freiheit der Literatur geschrieben – aber sonst auch nicht wesentlich anders als vergleichbare Bücher.

Wo bleibt Franken?

Es kommt auf den letzten 250 Seiten ziemlich dahergequetscht daher. Zudem wiederholt sich hier einiges, was schon im ersten Teil, in Bildtexten oder im Glosar drin war. Entweder hat der Verlag hier schlecht lektoriert oder sie haben nicht damit gerechnet, dass jemand das Buch wirklich von vorne bis hinten liest.

Auch diesem Teil merkt man deutlich die highbrow – Haltung des Autors an. Der Fokus liegt auf den philosophischen und schulisch verwerteten Schriftstellern. Wer Unterhaltung oder Kinderbücher schreibt hat es dagegen schwer.

Zum Vergleich: Der Schwabe Hegel (der acht Jahre in Nürnberg lebte) bekommt sechs Seiten. Ein urfränkischer Erfolgsautor wie Fitzgerald Kusz immerhin eine. „Sams“-Autor Paul Maar bringt es auf eine Bildunterschrift. Mit einem Foto und 20 kurzen Zeilen zu Nora Gomringer ist die rege Slam-Community bereits komplett abgehakt. Die unglaublich produktive fränkische Lokalkrimi-Szene kommt erst gar nicht vor.

Aber vielleicht ist das besser als öffentlich abgewatscht zu werden? So vermerkt das Buch beim fleißigen „Spezi“-Klaus Schamberger ein „Dialektgenre, das sich überholt hat“ und eine „durch ihre Häufigkeit sich abnutzende Präsenz“.
Nett is des nett.

Fazit: Von diesem Buch hatte ich mir viel mehr erwartet. Klar ist – gerade bei der Moderne – jede Auswahl immer subjektiv. Aber wenn man die deutsche Literaturgeschichte gekürzt oder weggelassen hätte, dann wäre doch viel Platz für eine richtige Würdigung der Fränkischen Literaturleistungen geblieben. So bleibt das ein Buch das immer noch geschrieben werden kann.