Buch: „Sieben Päpste“

In letzter Zeit habe ich viel darüber nachgedacht, warum sich die Menschen in diesem Land so leicht auf den Islam als Feindbild geeinigt haben. Ich persönlich kenne nur zwei drei Muslime und fand keinen davon jemals sonderlich bedrohlich.

Und doch hört man immer wieder so komische Sätze wie „Gehört der Islam zu Deutschland?“ (Eine Frage auf welche die einzig korrekte Antwort selbstverständlich lautet: „Definiere: Deutschland“).

Klar, einen Feind zu haben ist nur menschlich. Meist einen, der einem selbst ähnlicher ist, als einem lieb ist. Aber warum ist es jetzt ausgerechnet der Islam?

Ich glaube es hängt unter anderem damit zusammen, dass die Muslime keine weithin bekannte Integrationsfigur haben. Religionen mit einer solchen (Dalai Lama, Papst) scheinen einen klaren Vorteil gegenüber solchen ohne (Judentum, Islam) zu haben. Es fällt schwerer, jemand zu hassen, der nett ist und mit dem man reden kann.

(Wir evangelischen sind da in einer Zwischenstellung:Wir haben zwar aus gutem Grund den mächtigen Oberboss abgeschafft, müssen uns aber doch mit Ersatz behelfen, indem wir die Erinnerung an den mythenumrankten Religionsgründer Luther wach halten. Der kann zwar nichts neues mehr machen, dafür aber auch nichts falsch.)

Bei den Katholen sieht das ganz anders aus. Je nach Sympathiegrad und Einstellung des  Chefs steht und fällt auch die Beliebtheit seines Vereins.

Was mich zu den Päpsten bringt. Das ist ein Thema zu dem ich folgendes weis:

…nix!

Zeit das zu ändern.

Aus der Bibliothek leihe ich mir das Buch „Sieben Päpste“ des katholischen Theologen Hans Küng, der die letzten „Heiligen Väter“ ab 1939 beschreibt. Die Liste reicht dabei vom mit den Nazis paktierenden ‚Stellvertreter‘ Pius XIII. über  Johannes XXIII. der 1963 als „Kennedy des Vatikans“ Inhalt und Verwaltung der Kirche reformierte, bis hin zu Ratzinger und Franziskus.

Dabei liefert das Buch interessante Einblicke in die Menschen hinter dem Amt, die Küng mit all ihren Vor- und Nachteilen als ganzheitliche Personen darzustellen versucht. Dazu kommen lustige Infos, etwa dass sich seit 1850 immer ein dicker Papst mit ‚R‘ im bürgerlichen Namen und ein dünner ohne ‚R‘ abwechseln. Oder dass Päpste mit der Ordnungszahl VI. zu einer besonders unglücklichen Amtszeit verdammt sind.

Leider tut Küng dies in einer gewöhnungsbedürftigen ‚katholischen‘ Sprache  (wenn er etwa ‚evangelisch‘ schreibt meint er nicht die Lutheraner, sondern ‚entsprechend den Evangelien‘) und mit vielen unerklärten Fachbegriffen: Was ist ein Episkopat? Was die Kurie? Was ist der Unterschied zwischen einem Erzbischof und einem Kardinal? Hier hätten ein Glossar und ein Organigramm gute Dienste geleistet.

Im Lauf des Buches kommt man zwar hinter die Bedeutung der meisten Begriffe, dafür nervt zunehmend die Eitelkeit des Autors! Obwohl er in der Einleitung verspricht, die Päpste vor allem danach zu beurteilen, wie stark sie sich an Jesus orientieren, hängt sein Urteil in der Praxis oft davon ab, ob die Päpste Küngs eigene Schriften lesen und was sie davon halten!  „(Papst) Montini ist so etwas wie ein Intellektueller. Er weiß sehr wohl um die Bedeutung meiner Dissertation“  Sollte ein ‚Diener Gottes‘ nicht demütiger auftreten?

Fazit: Ein netter Überblick, dem aber mehr Lektorat und weniger Selbstverliebtheit sehr gut getan hätten.

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