Kino: „Siebzehn“

Zwischen Sehnsucht und Verzweiflung: Der Film „Siebzehn“ erzählt vom Aufwachsen in der niederösterreichischen Provinz.

Eine Disco, ein Weiher, eine Internatschule. Straßen die immer frei sind, Bushaltestellen im Grünen. Das kleine Städtchen in der niederösterreichischen Provinz ist eine heile, aber auch reichlich langweilige Welt. Hier lebt Paula (Elisabeth Wabitsch) mit ihrer Schwester und ihrem in sich zurückgezogenen Vater. Sie träumt von ihrer Mitschülerin Charlotte (Anaelle Dézsy), traut sich jedoch nicht sie anzusprechen. Überhaupt spricht Paula wenig. Drei Worte reichen ihr meist für einen Satz. Außer wenn sie französisch reden kann – dann parliert sie plötzlich über Proust, Flaubert und misst ihre inneren Abgründe an den Spiegelbildern der literarischen Figuren. Andere Schüler werden neugierig: „Bist Du in französisch nur in der Sprache gut?“, will Lilli (Alexandra Schmidt) wissenn, die sich von ihrem Freund enttäuscht fühlt. Und auch Lehrer Tangler (Christopher Schärf) hat ein Auge auf die talentierte Schülerin geworfen und lädt sie zu einem Konversations-Wettbewerb ins ferne Wien ein. Irgendwie wollen alle was von Paula – außer Charlotte…

Dass „Siebzehn“ beim renommierten Max Ophüls Festival zwei Hauptpreise (Bester Film und Beste junge Hauptdarstellerin) abräumte, mag anhand der Inhaltsbeschreibung zunächst überraschen. Immerhin geht es hier nur darum  wer wen mag. Aber einerseits ist das für die jungen Helden des Films wirklich die lebensentscheidende Frage. Und andererseits erzählt Regisseurin und Drehbuchatorin Monja Art (selbst Mitte Dreißig) diese unspektakuläre Geschichte auf kunstvolle und sensible Weise. Die Szenen wirken wie losgelöste Farbtupfer aus denen sich erst mit der Zeit ein zusammenhängendes Bild ergibt. Realität und Traumwelt vermischen sich immer wieder. Dass unsere Heldin sich sowohl zu Jungs, als auch zu Mädchen hingezogen fühlt, ist kein großes Thema: „Ich wollte bewusst keinen Film über ein Coming-Out machen, sondern über Sehnsüchte und Wendepunkte im Leben“, sagt Regisseurin Art. Und in der Welt des Films ist es eh egal, ob einer schwul ist oder hetero, arm oder reich, einheimisch oder fremd. Die jungen Menschen sind so sehr mit sich beschäftigt, dass sie anderen kaum wahrnehmen: Statt Personen sehen sie meist nur Projektionen der eigenen inneren Konflikte.

So schafft der Film eine ruhige, manchmal traumhaft wirkende Stimmung, welche das Lebensgefühl einer Generation an der Schwelle zum Erwachsenwerden in sanften Bildern einfängt.

WERTUNG: 2

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s