Kino: „Die Vögel singen in Kigala“

Vom Filmemachen in einem verwundeten Land: Die polnische Schauspielerin Jowita Budnik erzählte von den Dreharbeiten zu „Die Vögel singen in Kigala“ in Ruanda.

Die polnische Filmwoche, die dieses Jahr bereits zum 13. Mal in Nürnberg stattfindet, ist bekannt für die ungewöhnlichen, kunstvollen und experimentellen Filme, die dort zu sehen sind. Doch selbst in diesem Rahmen ist „Die Vögel singen in Kigala“ ein Exot. Denn gedreht wurde größtenteils nicht in Polen, sondern im afrikanischen Ruanda. Ein Land, das seit der blutigen Kämpfe zwischen den Stämmen der Tutsi und Hutu tief verwundet ist.

Der Film erzählt davon wie zwei Frauen das Geschehen erleben, zusammen nach Polen flüchten und sich dort mühevoll wieder ihre Leben aufbauen und mit dem Trauma fertig zu werden: Die Tutsi Claudine Mugambira (Eliane Umuhire) und die polnische Ornithologin Anna Keller. Deren Darstellerin Jowita Budnik war im Cinecitta zu Gast und berichtete über die ungewöhnlichen Drehbarbeiten zu diesem Film: „Es ist nicht der erste Film zu dem Thema“, sagt sie. „So gab es beispielsweise ‚Hotel Ruanda‘, aber das war eine Hollywood-Produktion, an der niemand aus Ruanda beteiligt war. Bei uns waren die Schauspieler und das Drehteam aus dem Land. Das machte mir am Anfang Angst, weil ich nicht wusste, wie die Menschen reagieren, wenn sie darauf angesprochen werden.“ Denn die Ereignisse hallen in Ruanda noch immer nach: „Es waren ja keine Soldaten oder Polizisten, welche die Morde begangen haben, sondern ganz normale Nachbarn. Deshalb ist jeder dort betroffen: Als Opfer, Täter oder Nachkomme.“

 

Elf Jahre lang arbeite das polnische Filmemacherpaar Krzystof Krauze und Joanna Kos-Krauze an dem Thema. „Ursprünglich war es als Koproduktion mit US-Geldgebern gedacht – und mit Nick Nolte in der Rolle des Ornithologen. Das hat sich dann zwerschlagen, so dass ich die Rolle bekam.“

Dem Film hat es gut getan: „Bei einem Mann und einer Frau hätte immer die Frage nach einer Liebesgeschichte im Raum gestanden und vom Völkermord abgelenkt“, so Budnik. „Zudem wäre es leicht in Gefahr gelaufen eine altmodische koloniale Sichtweise zu zeigen: Der weiße Mann rettet die schwarze Frau.“

Stattdessen ist „Die Vögel singen in Kigala“ ein sehr kunstvoller und nachdenklicher Film geworden, der mit wenig Dialogen auskommt und das Grauen in ruhigen, symbolischen Bildern einfängt, wobei besonders die Geier, welche Anna Keller in Ruanda ursprünglich studieren wollte zum Zeichen für das Unbeschreibliche werden.

Wichtig ist Budnik auch, dass es kein explizit politischer Film geworden ist: „Es geht um Emotionen und darum, wie Menschen mit Traumata umgehen. Dass haben dann auch die Menschen in Ruanda begriffen und uns Zutritt zu Orten gewährt, die bisher noch kein Drehteam besuchen durfte, wie etwa ein Gefängnis.“

Begeister war sie auch von den Menschen in Ruanda: „Wir wurden sehr, sehr herzlich aufgenommen. Jeder dort ist daran interessiert, dass sich solche Ereignisse nie wiederholen. Inzwischen ist es sogar verboten zu fragen, ob jemand Tutsi oder Hutu ist.“

WERTUNG: 3

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Kino: „Ready Player One“

Im Jahr 2045 verbringen die Menschen einen Großteil ihrer Zeit in der virtuellen Welt der „Oasis“ – da die echte Realität mit ihren Slums eher eine üble Angelegenheit ist. Der Clou an der Oasis ist, dass ihr Schöpfer darin drei Schlüssel versteckt hat – wer sie findet beherrscht die virtuelle Welt. Nerdige Gamer sind ebenso dahinter her wie der finstere Konzern IOI, der die Macht dazu nutzen will mehr Werbung zu schalten…

Ok, die Story ist schlicht und die Charaktere sind auch gerade so, dass sie nicht langweilen – aber das ist alles ziemlich egal, denn Altmeister Spielberg brennt in „Ready Player One“ ein visuelles Feuerwerk ab, dass trotz der Laufzeit von über zwei Stunden keine Minute Langeweile aufkommt. Das liegt auch daran, dass sich die beiden Welten – die „Realität“ unserer Helden und die „Oasis“ immer wieder abwechseln und beide ihre eigenen Gefahren und Reize bieten.

Zudem wird Leuten, die in den 80ern Kids waren – wie mir – ordentlich der Bauch gepinselt. Die Anspielungen auf Filme, Games oder Comics der 80er kommen oft im Sekunden-Takt: Der Film ist selbst eine Sammlung von Easter Eggs – über 300 wurden gezählt!

Dazu kommt eine gute Mischung aus Retro-Songs und Score von Alan Silvestri, eine Prise Humor und eine freundliche Botschaft über den Wert von Liebe und Freundschaft. Kurz: Richtig gute Unterhaltung.

WERTUNG: 1

Kino: „Das Mädchen aus dem Norden“

Rassismus auf Schwedisch: Der Film „Das Mädchen aus dem Norden“ erzählt von einem schwierigen Weg einer jungen Frau aus dem Volk der Sami.

Rentiere, hohe Berge, klare Seen. Der Norden Schwedens wirkt wie ein Bilderbuch-Idyll, komplettiert durch die in blauen Trachten gewandeten Ureinwohner – die Sami. Diese, bei uns oft als Lappländer bezeichneten, Menschen bewahren noch heute eine uralte, nomadische Kultur. Sehr zur Freude der zahlreichen Touristen, sehr zum Ärger der Seniorin Elle Marja (Maj Doris Rimpi).

Sie ist selbst Samin, lies das Leben in der Natur aber schon als junges Mädchen weit hinter sich. Aus gutem Grund. Denn um 1920 herrschte ein offener Rassismus: Die Schweden betrachteten die Sami als Untermenschen auf der Stufe von Tieren. Auf der Schule, welche die 14-jährige Elle Marja (Lena Cecilia Sparrok) besuchte gehören Prügelstrafen zum pädagogischen Standard. Mit aller Kraft versucht das Mädchen auszubrechen und seinen Traum zu verwirklichen: Eine Lehrerin zu werden – als Schwedin unter Schweden.

Das Mädchen aus dem Norden“ ist ein bitteres Stück Erinnerungsarbeit über ein Stück Geschichte, das man in Schweden gerne verschweigen würde: Das Land war 1921 trauriger Vorreiter auf dem Gebiet einer „Rassenlehre“ und die Sami ihr liebstes Forschungsobjekt. Es ist das große Verdienst von Regisseurin Amanda Kernell, diese Geschichte ans Licht zu bringen und in starke Bilder zu übersetzen. Kernell selbst hat eine schwedische Mutter und einen samischen Vater und führte in der Vorbereitung des Films unzählige Gespräche mit Sami um festzustellen, dass die alten Wunden noch immer unverheilt sind: „Noch immer gibt es blutige Konflikte um das Land, die Selbstmordrate unter den Sami ist erschreckend hoch“, sagt sie. Noch immer steht die Frage im Raum, ob man die eigene Identität bewahren oder aufgeben soll – und beides hat einen hohen Preis.

Umso wichtiger, dass sie mit Elle Marja eine starke Frauenperson in den Mittelpunkt stellt, die unerschrocken ihren Weg geht. Herausragend auch die Arbeit der jungen Hauptdarstellerin, die den gesamten Film, auch über einige zähe Stellen, mit bewundernswerter Souveränität trägt.

WERTUNG: 2

Kino: „Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“

Lokomotivfahrt durch den Freizeitpark: Die Realverfilmung von „Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“ bietet viele Schauwerte – bleibt aber weitgehend auf bekannten Gleisen.

Gibt es eigentlich irgendjemand in Deutschland, dem „Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“ noch vorgestellt werden müssen? Schließlich sind ganze Generationen mit der Verfilmung durch die „Augsburger Puppenkiste“ aufgewachsen. Und ältere Semester mögen sich erinnern, dass Michael Endes gleichnamiges Roman-Debüt 1960 die Wiedergeburt der Fantasy in Deutschland auslöste – aber auch eine Diskussion darüber, ob solch romantisch-märchenhafte Geschichten nicht weltferner Eskapismus seien.

Einen Hauch von beidem – dem großem Abenteuer und der kleinen Flucht – spürt man auch in Dennis Gansels neuer Realverfilmung, die sich sehr eng an die Vorlagen hält: Aufgrund einer Verwechslung der Post landet der junge Jim Knopf (Solomon Gordon) auf der Insel Lummerland und wird vom Lokführer Lukas (Henning Baum) aufgezogen. Da die Insel mit fünf Leuten aber als überbevölkert gilt, entscheidet König Alfons (Uwe Ochsenknecht), dass einer der beiden gehen muss. Dass lassen Lukas und Jim sich nicht gefallen und gehen zusammen auf eine Reise, die sie zu immer gefährlicheren Abenteuern führt – bis hin ins Land der Drachen…

Natürlich setzen die Macher auf eine zeitgemäße Präsentation: Digitale Kreaturen und Landschaften, wuchtiger Soundtrack, inklusive einer Orchester-Version des bekannten Lummerland-Themas. Auch die Besetzung ist erste Sahne: Milan Peschel als Scheinriese Tur Tur, Bully Herbig als Sprecher des Drachens Nepomuk oder Rick Kavanian als sämtliche Piraten der wilden 13. Das müsste eigentlich funktionieren! Tut es aber leider nicht. Glatt wie auf den Schienen eines Freizeitparks rollt die Lokomotive Emma von Szene zu Szene, ohne dass sich groß Spannung oder Freude einstellt. Viele Elemente des Films stehen unverbunden nebeneinander – so ist bei Dialogen meist nur die Person zu sehen, die gerade spricht. Was vermutlich dem Umstand geschuldet ist, dass der englische Hauptdarsteller nachsynchronisiert wurde. Eine Chemie zwischen den Personen entsteht so nicht. Sorry, Jim, aber da haben wir aktuell doch weit bessere Kinderfilme, wie etwa die „Oskar & Rico“-Reihe.

Ach ja, auch wenns pingelig und nerdig sein sollte: Ein Scheinriese, der parallel zur Kamera läuft wird NICHT KLEINER. Er bleibt gleich groß. Und wenn er weit entfernt steht ist er nicht KLEIN sondern GROSS!!!
Ok. Das war wirklich pingelig. Und nerdig.
Aber das hier ist ein nerdiger Blog.
Und Pingelig.

WERTUNG: 3

Kino: „Über Leben in Demmin“

An den meisten Tagen ist Demmin eine unscheinbare kleine Stadt in Mecklenburg-Vorpommern – doch Anfang Mai wird sie von Menschen überschwemmt: Neonazis, Linke und Polizei füllen die Straßen. Der Anlass ist ein trauriger, denn in den letzten Wochen des zweiten Weltkrieges kam es in Demmin zu einem Massen-Selbstmord der Bevölkerung. Frauen und Kinder ertränkten sich selbst im Fluß aus Angst vor den russischen Soldaten, welche sich der Stadt näherten. Von der DDR-Regierung wurde das traumatische Erlebnis totgeschwiegen und auch heute spaltet es noch die Generation der Enkel.

Dokumentarfilmer Martin Farkas besuchte die Stadt im Laufe von drei Jahren immer wieder um in vielen Gesprächen herauszufinden, wie man mit so etwas fertig wird.

Leider merkt man dem Film an allen Ecken an, dass der gelernte Kameramann Farkas als Journalist nicht viel Erfahrung besitzt. Die Interviews verlieren sich oft im anekdotischen, seine Fragen aus dem Off wirken ungelenk und oft wird dem schönen Bild der Vorzug vor dem Inhalt gegeben: So wird viel Zeit einem Bäcker eingeräumt, der zum Thema nichts zu sagen hat – aber von Kopf bis Fuß tätowiert ist. Am Ende bleibt das tragische Gefühl, dass hier ein wirklich großes Thema unnötig verschenkt wurde.

WERTUNG: 4

Kino: „Der Hauptmann“

Kleider machen Mörder: Im Film „Der Hauptmann“ schlüpft ein einfacher Landser in den letzten Kriegswochen in die Uniform eines Offiziers – und beginnt eine verhängnisvolle zweite Karriere.

Ein Nazifilm in dem Juden nur am Rande vorkommen? Ein Weltkriegsfilm aus der Sicht eines Täters? Keine Frage: „Der Hauptmann“ ist ein wirklich ungewöhnlicher Film. Das fängt schon mit seinem Regisseur und Drehbuchautor an. Der 1968 geborene Robert Schwentke ist einer der wenigen Deutschen, die in Hollywood in der ersten Liga mitspielen. 15 Jahre lang drehte er dort Comicverfilmungen und Thriller mit Bruce Willis oder Jodie Foster.

Nun ist er nach Hause zurückgekehrt und legt einen Film mit einem urdeutschen Thema vor: Es sind die letzten Tage des zweiten Weltkrieges, die Wehrmacht befindet sich in Auflösung. Überall desertieren die Männer und ziehen als Plünderer und Vagabunden durch die Lande. Unter ihnen ist auch der Gefreite Willi Herold (Max Hubacher), der mehrfach dem Tod von der Schippe springt, bis er zufällig eine Hauptmanns-Uniform findet. Er schlüpft hinein und beginnt ein neues Leben als Offizier.

Zwar können seine zu langen Hosen ihn jederzeit verraten – doch schon bald stellt er fest, dass die meisten Menschen den Hauptmann mit offenen Armen empfangen: Endlich einer, der ihnen hilft, sich am Krieg zu bereichern oder ihre unrühmlichen Spuren darin zu verwischen. Jemand, der bereit ist, für alles die Verantwortung zu übernehmen…

Der Hauptmann“ beruht auf der wahren Geschichte des ‚Henkers vom Emsland‘ Willi Herold. Der Film zeigt was Herold getan hat ohne den Zuschauer moralisch an die Hand zu nehmen. Statt dessen konzentriert er sich auf die Hauptfigur, der sich bald zwei Soldaten wie Engelchen und Teufelchen anschließen: Der freundliche Freytag (Milan Peschel) und der sadistische Kipinski (Frederic Lau). Durch diese drei Personen wird nicht nur die ganze Geschichte des „Dritten Reiches“ auf einen essentiellen Kern verdichtet – sondern darüber hinaus auch auf allgemein menschliche Fragen verwiesen: Darf wer dem Tod ins Auge sieht alles tun, um ihn abzuwenden? Wo ist die Grenze zwischen dem Soldaten und dem Mörder? Wo ist das Recht in einer Welt, die zerfällt?

Technisch ist alles auf höchstem Niveau: Musik, Sounddesign und vor allem die prächtige schwarz-weiß Kameraarbeit von Florian Ballhaus verleihen dem Film trotz seiner düsteren Thematik eine berückende Schönheit und eine archaische Wucht.

Ein starkes, kompromissloses Stück Kino – formal und inhaltlich auf Augenhöhe mit dem thematisch verwandten „Wege zum Ruhm“ von Stanley Kubrick.

WERTUNG: A

Gesehen: „Call me by your Name“

Ein Sommer in Italien: Der für vier Oscars nominierte Film „Call me by your name“ ist eine sonnige Ode an die Liebe und die Jugend.

Es sind die frühen 80er Jahre in Italien. Die Menschen fahren Rad und Motorroller, hören Synthie-Pop und rauchen ununterbrochen. Für den 17-jährigen Elio Perlman (Timothée Chalamet), einen ruhigen Jungen, der am liebsten in der elterlichen Villa sitzt und Musik transkribiert, wird dieser Sommer aber zu etwas ganz besonderem. Denn jedes Jahr zieht über die Sommermonate ein Student ein, der Elios Vater (Michael Stuhlbarg) bei seiner archäologischen Arbeit hilft. Und das ist diesmal Jahr der 24-jährige Oliver (Arnie Hammer), der in vielem so ist, wie Elio gern sein würde: kontaktfreudig, sportlich und schlauer als alle anderen. Lange bleibt in der Schwebe was sich zwischen den beiden entspinnen wird: Eine Rivalität? Eine Freundschaft? Oder gar eine Liebe? Denn obwohl sich Elio gerne mit Mädchen trifft, geht von dem Neuankömmling eine mächtige Anziehungskraft auf ihn aus – die möglicherweise nicht nur einseitig ist…

Mit „Call me by your name“ legt der italienische Regisseur Luca Guadagnino („A bigger splash“) einen Film vor, der das Flair der 80er Jahre in vielen liebevollen Details wiederauferstehen lässt und der mit seinen sonnendurchfluteten Bildern idyllischer Landschaften zum Träumen einlädt. Ungewöhnlich ist, dass im Mittelpunkt der Romanze zwei junge Männer stehen – ohne dass der Film deswegen als „Coming Out“-Geschichte zu verstehen ist. Denn im Mittelpunkt steht hier nicht eine homosexuelle Selbstfindung, sondern die Liebe und die Kraft der Jugend an sich. Hier wandelt der Film geschickt auf einem schmalen Grat zwischen Sensibilität und Intimität, was nur deshalb funktioniert, weil alle handelnden Personen außergewöhnlich intelligent, kultiviert und sensibel agieren.

Das liegt sicher auch am Drehbuch von James Ivory („Was vom Tage übrigblieb“) – ein Experte für gehobenes Gefühlskino, der hier den 2007 erschienenen Roman „Ruf mich bei Deinem Namen“ von André Aciman adaptierte.

Heraus kommt eine sinnliche Beschwörung der Jugend und eine enge Verbindung von Landschaft und Schicksalen, die an Bernardo Bertolluccis „Gefühl und Verführung“, Jaques Rivettes „Schöne Querulantin“ oder die Filme von Éric Rohmer denken lassen. Nicht zu unrecht: Guadagnino bezeichnet die diese Meister des intelligenten europäischen Beziehungs-Kinos als seine cineastischen Väter – und widmet ihnen „Call me by your name“.

So entsteht ein kluger und leidenschaftlicher Film über die Liebe und das Leben, der für vier Oscars – bester Film, bestes Drehbuch, bester Hauptdarsteller (Chalamet) und bester Titelsong – nominiert wurde.

WERTUNG: 2

Ist das noch Trek? „Star Trek Discovery Season 1“

„Star Trek – Discovery“, die erste Serie aus dem Trek-Universum seit 13 Jahren sorgte schon im Vorfeld für viel Diskussion: Neuer Look, mehr Action und eine Heldin mit Männernamen stellten die zentrale Frage: „Ist das noch Trek?“

Hier meine Antwort nach allen fünfzehn Folgen von

Star Trek – Discovery (Staffel 1)

Story:
Zehn Jahre vor Captain Kirk stolpert die Förderation in einen Krieg mit den Klingonen. Das Forschungsschiff „Discovery“ findet sich an vorderster Front wieder – unter dem Kommando eines Captains, der mehr mit dem Säbel rasselt, als es den Wissenschaftlern lieb ist. Und die Klingonen sind nicht die einzige Bedrohung…

Look:
Hier gab es anfangs viel Kritik von den Fans: Wie kann eine Serie, die 10 Jahre vor Kirk spielt moderner aussehen als TNG? Warum haben die Klingonen nun Eierköpfe und ägyptisches Interiereur statt Zotteln und Höhlen?
(P.S.: Dass die Planeten nicht mehr aus Pappmachée-Felsen und Topfpflanzen bestehen ist auch seltsam. Hat aber niemand gestört).

Nach kurzer Gewöhnung finde ich den Look gut. Trek-Serien versuchten ja immer so modern wie nur möglich auszusehen und tricktechnisch auf der Höhe der Zeit zu sein.  Da macht „Discovery“ alles richtig. Abgesehen davon, dass die Sternenflotte hier durch eine recht fade blau-grau Phase geht. Sogar die Planeten sind hier gerne blau.

Cast:
Das ist leicht: Super! Doug Jones, der Meister der Monster und ein großer Star-Trek-Fan darf hier als Kelpianer Saru endlich auf einer Brücke stehen, Jason Isaacs ist Klasse als undurchsichtiger Captain und mit Michelle Yeoh ist sogar ein echter Weltstar an Bord. Auch die Nebenrollen sind charaktervoll besetzt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist Hauptdarstellerin Sonequa Martin-Green, die mit einem einzigen Gesichtsausdruck durch die Staffel zu kommen versucht (was aber immerhin inhaltlich begründet wird).

Stimmung:
Düster. Gerade in den ersten Folgen ist der aufziehende Krieg überall spürbar. Menschen (und andere Wesen) werden getötet und gefoltert, es wird geblutet und geflucht. Wer als Fan von Kirks fröhlichen Raubauken oder der höflichen „Next Generation“-Crew auf die Discovery kommt, wird einen harten Einstieg haben.

Schauempfehlung:
„Discovery“ erzählt eine durchgehende Geschichte (auch wenn diese sich in mehrere ‚Kapitel‘ mit unterschiedlichen Schwerpunkten aufteilt) und sollte deshalb von Anfang bis Ende gesehen werden. Mein Tipp für klassische Trek-Fans: Durchhalten bis Folge 6,  in der die Charaktere endlich etwas Background bekommen. Vorher wirkt es eher wie eine Mixtur aus Alien und Dune.

Also: Ist das noch Trek?
Wir sehen hier definitiv eine andere Förderation als in den Vorgänger-Serien. Die Befehlskette funktioniert gar nicht: Anweisungen werden eher kritisiert oder ignoriert als befolgt. Und auch die moralischen Ideale der Förderation (Verhandeln statt Ballern, keine Misshandlung von Gefangenen, keine Todesstrafe) geraten ins Wanken. Wir erleben eine Förderation unter Beschuss, die sich fragen muss, was ihr wichtiger ist: Ihre Werte oder ihr Überleben. Das ist an sich spannend – wird aber in dieser Season oft auch etwas Holzhammer-mäßig dargeboten. Der Spagat zwischen klassichem Trek und Einsteigerfreundlichkeit, zwischen Action und „Sense of Wonder“ tut hier oft noch weh. Es bleibt zu hoffen, dass hier in Zukunft eine bessere Balance gefunden wird.

Fazit:
Ich habe den Eindruck, dass „Discovery“ eine Serie ist, die definitiv von Fans gemacht wurde. Aber von experimentierfreudigen Fans. Der sichere Weg wäre es gewesen, einfach die sieben Jahre zu erzählen die Burnham und Georgiou auf der „Shenzou“ mit fröhlichem Raumerforschen verbracht haben – und dann den Kriegskram in Staffel 8 zu bringen. So werfen sie uns von Anfang an in ein unbekanntes Land und lassen uns Zuschauern die Aufgabe, mit diesem Fremden zurecht zu kommen. Und das ist in seinem Herzen natürlich auch Trek.

Ausblick:
Wir haben hier großartige Schauspieler, gute Tricks und interessante Charaktere, sowie defintiv Trek-liebende Macher hinter den Kulissen. Wenn sie es in der kommenden Season schaffen etwas weniger Folter, etwas mehr Farben und vor allem mehr von dem Gefühl „Wir erforschen zusammen die Sterne“ reinzubekommen – und weiterhin den Mut haben eigenständige, durchgehende Geschichten zu erzählen – dann kann dies eine der großen Serien des Trek-Universums werden.

Gesehen: Star Wars 8 – Der letzte Jedi Macht das Licht aus

…und dann war da noch: Star Wars.
Letztes Jahr hat es die Reihe mit dem flotten „Rogue One“ fast geschafft, mich zum Fan zu machen – so locker und knackig kam dieses nette B-Movie mit seinen schönen Anspielungen auf die alte Trilogie daher. Da war ich dann schon gespannt ob die neue „offzielle“ Folge diesen Drive beibehalten kann…

„Die letzten Jedi“ ist dagegen Star Wars wie man es kennt. Die selben Elemente wie seit den 70ern, nur in anderer Reihenfolge. Sogar die blöden Wischblenden sind wieder da. Ich hätte sie nicht vermisst, wenn sie weggeblieben wären.

Auf der Haben-Seite finden sich hier gute Raumschlachten, ein Auftritt eines grünen Sympathieträgers, ein sehr schöner Epilog und natürlich die Musik von John Williams. Allein um die in Surround zu hören, rentiert sich natürlich ein Besuch in Star Wars.
Was mir auch gut gefallen hat ist die seltsame Romeo-und-Julia-Story zwischen Rey und Ben, sowie das Star Wars hier erstmals wirklichen Dialogwitz bietet.

Sehr nervig fand ich dagegen den neuen Depro-Luke, der anderthalb Stunden nur rumjammert, bevor er sich zum Schlusskampf aufrafft. Muss das sein? Auch die anderen Rätsel die J.J.Abrams in Epsiode 7 so geschickt aufbaute – z.b. Wer sind Reys Eltern? – werden hier entweder ignoriert – oder erschreckend banal aufgelöst.

So ist der neue Herrscher des Bösen weder der zurückgekehrte Imperator, noch der wiedergeborene Darth Vader, sondern einfach nur ein dünner Typ in einem roten Raum, der sich nicht besonders clever anstellt.

Im Schnitt ein Star Wars von der Stange, das – positiv ausgedrückt – für die nächsten Jahre noch Raum nach oben lässt.

WERTUNG: 3

Gesehen: „Wunder“

Auggie (Jacob Tremblay) ist in fast allem ein ganz normaler Zehnjähriger: Er mag „Star Wars“, Halloween und möchte später Astronaut werden. Aber Auggie hat aufgrund eines Gendefekts auch ein entstelltes Gesicht. Deswegen hat ihn seine Mutter (Julia Roberts) bisher zu Hause unterrichtet, aus Angst vor den Hänseleien anderer Kinder. Doch nun kommt Auggie in die Schule und muss lernen, mit den Mitschülern zurechtzukommen. Das stellt sich als schwieriger heraus als gedacht, denn auch andere Menschen tragen ihre Verletzungen mit sich herum – wenn auch nicht so offensichtlich wie Auggie.

In „Wunder“ erzählt Regisseur Stephen Chbosky eine glaubwürdige Geschichte über Mut und Freundschaft in der ist sehr menschlich, aber nie übertrieben kitschig zugeht. Das liegt nicht nur am guten Darsteller-Ensemble, sondern vor allem daran, dass der Film mehrfach die Perspektiven wechselt und wir neben Auggie auch noch die Erfahrungen seiner Schwester Via (Izabela Vidovic) und einiger Mitschüler kennenlernen. Ein angenehmer Film mit einer optimistischen Grundhaltung, der witzige Momente geschickt mit nachdenklichen und traurigen Elementen mischt. Für die Gestaltung von Auggies Gesicht, das nur auf den ersten Blick gruselig wirkt, wurde der Film für den Oscar für das beste Make-Up nominiert.

WERTUNG: 2

 

Pfote hoch für „Wunder“: Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und die Darsteller wirken authentisch. Eine nette Geschichte auf mehrern Ebenen. Ein abwechslungsreicher Film, der „feelgood“- Stimmung hinterlassen hat.

Katzenwertung: 1