Gesehen: „Die Unsichtbaren“ (haha, Wortspiel)

Noch eine Doku über Nazideutschland und die Judenverfolgung? Ist darüber in den letzten 40 Jahren (seit der bahnbrechenden „Holocaust“-Serie von 1976) nicht wirklich alles gesagt worden? Nein! Dokumentarfilmer Claus Räfle nimmt mit „Die Unsichtbaren“ tatsächlich einen Aspekt auf, der bisher noch kaum beachtet wurde: Juden, die sich der Deportation entzogen und sich direkt in der Hauptstadt des „Dritten Reiches“ versteckten.

„Berlin ist judenfrei“, behauptete Joseph Goebbels im Juni 1943. Doch wie viele seiner Aussagen entsprach das mehr dem Wunschdenken des Propagandaministers, als der Wirklichkeit: Über 7000 jüdische Menschen versteckten sich weiterhin in der Reichshauptstadt. Meist junge Leute, die unter abenteuerlichen Bedingungen um ihr Leben kämpften und teils auch zu Widerstandskämpfern wurden.

Dokumentarfilmer Claus Räfle hat Anfang des 21. Jahrhunderts vier dieser Überlebenden interviewt – und die Erinnerungen nun mit Schauspielern umgesetzt. Da ist der Kunststudent Cioma Schönhaus (dargestellt von Max Mauff), der bald seine Begabung nutzt um Pässe zu fälschen. Die junge Hanni Lévi (Alice Dywer), die kein Zuhause mehr hat und deshalb jeden Tag im Kino verbringt, wo niemand sie als Jüdin erkennen kann. Es sind Kommunisten, Nazigegner oder einfach freundliche Menschen, die sich immer wieder bereit erklären, den „Unsichtbaren“ ein Versteck anzubieten. Doch je näher die Bomber der Alliierten kommen und je knapper der Wohnraum wird, desto geringer werden auch die Chancen der untergetauchten.

Räfle und sein Team mischen hier geschickt die modernen Interviews mit den Zeitzeugen, Archiv-Aufnahmen und nachgestellte Szenen zu einem Film, der keine Sekunde langweilig ist und der durch die verschiedenen parallel gesetzten Ebenen eine gelungene Mischung aus Nähe und Distanz, aus Sachlichkeit und Emotion, herstellt

Störend in dem an sich faszinierenden Experiment wirken nur die recht konventionelle Musik (Hallo! Wir wissen, dass die Nazis böse sind. Da brauchen wir keine düsteren Streicher!) Zudem hätte ich mir gewünscht etwas mehr von dem Leben der vier nach dem Kriegs-Ende zu erfahren. Wie wirkten sich die Spannungen zwischen Exilanten und Lager-Überlebenden auf die dritte Gruppe der Untergetauchten aus? Aber wie üblich ist im Frühjahr ’45 Schluss. Der Rest ist Texttafeln.

WERTUNG: 2

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Gesehen: „Die Einsiedler“

Lahmarschiger Kunst-Schmunst über maulfaule Bergtypen.

Irgendwann hab ich Schattenspiele auf der Leinwand gemacht.

Wertung: 5

Und für Freunde der ausführlichen Kritik hier noch mein Zeitungstext:

Grüezi Tristesse: Der Film „Die Einsiedler“ erzählt von den Sorgen Südtiroler Bergbauern fernab aller „Heidi“-Klischees.

Bergbauerin Marianne Egger (Ingrid Burkhard) ist keine Frau der großen Worte: „Vom Reden wird die Hütten ned warm!“ mahnt sie ihren Sohn Albert (Andreas Lust). Denn auf ihrem abgelegenem Hof muss sie fast alles selber machen, seit Albert unten im Tal arbeitet und ihr Mann Rudl (Peter Mitterrutzner) sich den Fuß gebrochen hat: Holzhacken, das lecke Dach flicken, sich um Schafe, Ziegen und Hund kümmern, die hier durch den Matsch stapfen.

Doch auch auf der unteren Seite des selbstgebauten Lifts der Eggers herrscht keine Fröhlichkeit: Im Steinbruch in dem Albert schafft besteht der größte Spaß darin, Witze über Ausländer zu machen oder dem als homosexuell verdächtigen Kollegen auf den Rucksack zu pinkeln. Und wenn es darum geht die süße Kantinenkraft Paola (Orsi Tóth) anzusprechen hilft dem Mittdreißiger die von der Mutter gelernte Schweigsamkeit auch nicht gerade weiter. Als es dann auch noch zu einem Todesfall kommt wird die Last die auf die Personen drückt fast nicht mehr auszuhalten…

Regisseur Ronny Trocker, der selbst in einem Bergdorf in den italienischen Alpen aufwuchs, legt mit „Die Einsiedler“ seinen ersten Spielfilm vor, mit dem er das zerbrechliche innere, seiner nach außen hin rauen und Wettergegerbten Protagonisten zeigen will. Er zieht das Publikum mit den Mitteln des Kunstkinos auf Gedeih und Verderb in diese Welt: Extrem lange Einstellungen, in denen extrem wenig passiert. Gewollte Unschärfen. Keine Musik. Sicher weit ehrlicher als „Heidi“ – aber auch reichlich trist.

In Memorian: Kurt Keerl

Die Wirklichkeit abzubilden ist die Aufgabe eines Dokumentarfilmers. Doch wie geht das? Verändern wir die Wirklichkeit nicht schon dadurch, dass wir unsere Lichter aufstellen und Stühle verrücken? Oder bereits dadurch, dass wir überhaupt mit unseren Kameras auftauchen? Was ist zu tun um das echte Leben einzufangen?

Solche Fragen stellte sich Kurt Keerl, Mitbegründer der Medienwerkstatt Franken und Urgestein der Nürnberger Dokumentarfilmszene. Die Antworten gab er 35 Jahre lang ganz praktisch in unzähligen Dokus, die er selbst als Redakteur betreute.

In diesem Sommer machten wir ein gemeinsames Projekt: Die Doku „10 Jahre Familienmagazin Famos“. Und so oft es ging war Kurt live mit beim Dreh dabei – was für Geschäftsführer nicht gerade selbstverständlich ist.

Mehr noch: Die Fotos, die ich an den Drehtagen machte, zeigen Kurt ausnahmslos bei Arbeiten, die andere Chefs eher ihren Praktikanten aufgedrückt hätten: Mikros hinknipsen, als Licht-Double rumsitzen, das ‚Weiß‘ in die Kamera halten:

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Eigentlich sollte dieser Film das erste gemeinsame Projekt sein – das nächste war schon in Planung. Niemand hat damit gerechnet, dass es auch das letzte sein würde. Ich bin sehr froh und stolz, die Zeit mit ihm erlebt zu haben. In meinem Alter treffe ich nur selten neue Vorbilder. Kurt war eins.

Gesehen: „Die beste aller Welten“

iFür den siebenjährigen Adrian (Jeremy Miliker) ist die Umgebung in der er aufwächst „Die Beste aller Welten“. Er, seine Mutter Helga (Verena Altenberger) und Stiefvater Günter (Lukas Miko) sind viel draußen am Fluss und erleben Abenteuer in der Natur. Aber auch zu Hause wird es nie langweilig. Dafür sorgen die Freunde von Mama, die immer für komische Ideen gut sind. Vor allem, wenn sie viel geraucht, getrunken und sich zu geheimnisvollen anderen Tätigkeiten ins Nebenzimmer zurückgezogen haben.

Denn Helgas Wohnung ist in den späten 90er Jahren ein Treff der Salzburger Drogenszene. Aufgeräumt wird nur, wenn das Sozialamt vor der Tür steht. Ansonsten weht stets dichter Zigarettenqualm durch die Bierdosen. Aber Helga – die ihren Sohn von Herzen liebt – gibt sich alle erdenkliche Mühe, dem Buben trotz ihrer Sucht ein möglichst schönes Leben zu bereiten. Mit fantastischen Erklärungen macht sie ihm ihre Welt verständlich. Doch natürlich spürt auch Adrian, dass hier etwas nicht stimmt. Denn im Rausch kommen auch die dunklen Seiten der Freunde der Mutter zum Vorschein. In seiner Fantasie zieht der Junge gegen diese „Dämonen“ in den Kampf – als Krieger mit Schwert und Bogen. Doch irgendwann lässt sich die Wirklichkeit nicht mehr aufhalten…

Die beste alle Welten“ ist eine emotionale Achterbahnfahrt: Die Geschichte einer starken Mutter-Kind-Beziehung, druckvoll inszeniert, sowie überzeugend und einfühlsam dargestellt von Jeremy Miliker und Verena Altenberger. Der Film fällt kein Urteil über die Personen, sondern bringt uns Zuschauer ganz nah in ihre Lebenswelt heran und lässt uns bis zum Schluss hoffen, dass ihnen der Ausbruch gelingen wird.

Schon als ’normaler‘ Debut-Film eines jungen Regisseurs wäre „Die beste aller Welten“ erstaunlich. Doch dem 26-jährigen Salzburger Adrian Goginger gelingt hier noch mehr: Er erzählt eine wahre Geschichte – seine eigene. Und errichtet damit auch seiner 2012 verstorbenen Mutter ein Denkmal. Dabei gelingt ihm stets die richtige Mischung aus Nähe und Distanz zu den Figuren, sowie zwischen den düsteren und den unbeschwerten Momenten dieser Kindheit, wobei jedes der beiden jederzeit ins andere umkippen kann. Kurz: Eine Meisterleistung.

Wertung: A

Gesehen: „Lipstick under my Burkha“

„Lipstick under my Burkha“ erzählt die Geschichten von vier Frauen in der indischen Millionenstadt Bophal, die versuchen aus den sie unterdrückenden Umständen herauszuwachsen. Da ist Rehana (Plabita Borthakur), die im Burkha-Laden ihrer Eltern diese Kleidungsstücke näht, aber von einer Karriere als Sängerin träumt und als Studentin dafür demonstriert, dass Mädchen Jeans tragen dürfen. Oder die Verkäuferin Shireen (Konkona Sen Sharma), die ihrem Mann verheimlicht, dass sie selbst Geld verdient. Denn es ist schon schwer genug ihn davon zu überzeugen, dass sie nicht zum vierten mal Mutter werden will. Oder die 55-jährige Usha (Ratna Pathak), die sich in der vielleicht schönsten Geschichte des Films in einen wesentlich jüngeren Schwimmlehrer verliebt. Die Regisseuriny Alankrita Shrivastava verwebt diese Geschichten mit leichter Hand zu einem engagierten Plädoyer für die Rechte der Frauen.

Aus deutscher Sicht wirken die dargestellten Konflikte etwas antiquiert – dass Frauen arbeiten und Hosen, tragen ist bei uns schon lange kein Aufreger mehr. Ganz anders in Indien, wo der Film bei seiner Veröffentlichung wegen „zu frauenorientierter Inhalte“ verboten wurde.

WERTUNG: 3

Gesehen: „The Circle“

 

Ich denke das Buch „The Circle“ ist wichtig. Mit seiner Vision einer modernen, offenen Gesellschaft, die sich zur totalen (Selbst-)Überwachung entwickelt ist es quasi das 1984 unserer Tage. Umso schöner, dass es jetzt einen mit Emma Watson und Tom Hanks sehr prominent besetzten Film dazu gibt.

Die Story hält sich eng ans Buch: Mae Holland bekommt ihren Traumjob bei der Technologie-Vorzeige Firma „The Circle“ (=Facebook + Google + eBay + IBM + etc.). Als Frischling setzt sie alles daran, sich in dem Unternehmen zu beweisen – auch wenn das dazu führt, dass sie ihr ganzes Freizetverhalten ändern muss. Denn der Circle sieht fast alles und will den Rest auch noch wissen… und ist bei den Methoden nicht zimperich.

Der Film von James Ponsoldt macht – natürlich – einige entscheidende Kürzungen: die Meetings, bei denen der Circle junge Start-Ups aussaugt, die Abstimmung über Tod und Leben per direkter Demokratie und die Backstory der Gründer, samt dazugehöriger Fisch-Metapher (war ohnehin seltsam). Aber alle wichtigen Punkte der Story sind da und vieles ist sehr gut getroffen. Die Besetzung hat mehrere Coups: Ausgerechnet Mr. Vertraunswürdig Tom Hanks als dubioser Chef! Und Ellar Coltrane, der für Boyhood schon seit Kindesbeinen vor der Kamera stand, als der Typ der eben nicht gefilmt werden will – coole Sache!

Zum Ende sag ich unten gleich noch was. Hier erst mal die

WERTUNG: 2

Spoiler Alert

Ja, das Ende. Es ist happy. Aber deswegen nicht unbedingt schlechter. Das düstere Ende des Buches ist cool, könnte aber im Film auch wie ein Hieb mit der Moral Keule wirken. Dann lieber ein versöhnlicherer Schluss in einem Film, der eh zum kritischen Gucken auffordert. (Obwohl ich glaube, dass Emma Watson das Buch Ende auch super spielen hätte können – das wäre ein schöner Bonus für eine DVD.) Aber immerhin hat auch Dave Eggers das neue Ende persönlich abgenickt. Sagt zumindest das Internet. Und dem kann man ja vertrauen. Immer.

Spoiler End

Gesehen: „Barry Seal – Only in America“

„Barry Seal – Only in America“ – Wer denkt sich eigentlich diese sperrigen ‚deutschen‘ Titel aus. Zum Glück ist der Film, der in echt schlicht „American Made“ heißt, weit cooler.

Zu Beginn arbeitet Barry Seal (Tom Cruise) als Pilot bei einer amerikanischen Linienfluggesellschaft, der sich sein Gehalt nebenbei mit dem Schmuggel von kubanischen Zigarren aufbessert. Doch eines Tages tritt das CIA, in der Person von Agent Monty Schafer (Domhnall Gleeson) an ihn heran. Er will den waghalsigen, aber etwas naiven Piloten für eine besondere Mission gewinnen: Mit einem neuartigen Flugzeug Aufklärungsfotos von Soldatencamps in Südamerika zu schießen. Barry sagt zu, obwohl er diese neue Tätigkeit natürlich vor seiner Frau (Sarah Wright Olsen) geheim halten muss. Doch sein Ruf verbreitet sich trotzdem: Bald sprechen kolumbianische Drogenhändler ihn an, ob er für sie nicht auch noch ein paar Pakete mitnehmen könnte. Und das ist erst der Anfang…

Die Geschichte von „Barry Seal – Only in America“ ist so übertrieben und vollgepackt mit Verwicklungen, dass Drehbuchautoren sich dafür schämen müssten. Wenn sie nicht wahr wäre. In den 80ern flog Barry Seal tatsächlich für die unterschiedlichsten Auftraggeber zwischen Nord- und Südamerika hin und her. Tom Cruise und sein Regisseur Doug Liam (die schon bei „Edge of tomorrow“ erfolgreich zusammenarbeiteten) machten aus dieser Biografie eine überraschend leichtfüssige Geschichtsstunde, bei der man viel über die politischen Verwicklungen Amerikas Anfang der 80er erfährt, ohne das Spaß und Action zu kurz kommen. Mit seiner kreativen Montage, der Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm, sowie einer auf Retro getrimmten Optik liegt „Barry Seal“ näher an „Wolf of Wallstreet“ als an „Mission Impossible“. Der Scorcese-Film, den Scorcese nicht machte! Dabei hält der Film stets die Balance zwischen Humor und dem Gefühl einer latenten Bedrohung. Und Tom Cruise gibt als Barry eine der besten Vorstellungen seiner Karriere. Sehr sehenswert.

WERTUNG: 1

 

Gelesen: „Türkei verstehen“ von Gerhard Schweizer

Muss sich die pluralistische Gesellschaft Europas vor Zuwanderern aus der Türkei fürchten? Diese Frage, die gerne auch im aktuellen Wahlkampf gerne wieder plakativ gestellt wird, verspricht das Buch „Türkei verstehen“ von Gerhard Schweizer zu beantworten. Schweizer ist ein Kulturwissenschaftler, der sich auf den Nahen Osten und Bücher darüber („Syrien verstehen“, „Islam verstehen“) spezialisiert hat. Dann wollen wir doch mal sehen, was es da zu verstehen gibt.

Eine erste Fassung des Buches erschien 2008 unter dem Titel „Die Türkei – Zerreisprobe zwischen Islam und Nationalismus“, was wesentlich treffender ist als „Türkei verstehen“. Denn über Kultur und Leben der Türken erfährt man praktisch nix (Sport, Geografie, Geschichte vor Atatürk – alles Fehlanzeige!). Die fast 500 Seiten Text befassen sich fast ausschließlich mit der politischen Geschichte der Türkei von der Staatsgründung 1923 bis zum Herbst 2016. Es endet also topaktuell mit dem letzten Militärputsch und der heftigen Reaktion von Präsident Erdogan.

Schweizer stellt die Türkei als ein zutiefst zerissenes Land vor – unter dem Motto: „Alle gegen Alle“: Land gegen Großstadt, Arm gegen Reich, Muslim gegen Laizistisch, Sunniten gegen Aleviten, Militär gegen Zivilregierung, Türken gegen Kurden, Volk gegen Politiker, Islamische Politiker gegen Islamistische Politiker… und so weiter.

Spannend fand ich, dass die Türkei als ein strikt weltlicher Staat begann. Staatsgründer Atatürk lehnte Religionen als rückständig ab: „Der Islam ist ein Kadaver, der unser Leben vergiftet“, sagte er. Erst seit den 80ern und besonders unter Erdogan ging der Trend zurück zum religiösen.

Die im Eingang gestellte Frage, ob all das eine Bedrohung für das pluralistische Europa ist beantwortet das Buch schließlich nicht. Es zeigt aber zumindest auf, dass der Gegensatz Christentum-Europa / Islam-Türkei so einfach gar nicht funktioniert, weil „Der Islam“ und „Die Türken“ mindenstens genauso zersplittert sind, wie wir selbst. Beruhigend fand ich auch, dass Schweizer überzeugend darlegt, dass Erdogan zwar oft als ein machthungirger Polterkopf im Namen des Islam oder des Türkentums auftritt – in Wirklichkeit aber nur ein ganz normaler Poltkerkopf ist, der alles andere gern mal für seine Machtsucht instrumentalisiert. Das solls ja bei uns auch geben. Insofern: Willkommen in Europa!

 

Gesehen: „Shot in the dark“

Bruce, Pete und Sonia sind Fotografen, deren Bilder weltweit gefeiert werden. Und sie sind blind. Während Bruce noch Bilder erkennen kann, wenn er sich ganz nah an etwas heranbegibt, ist Pete über den Lauf von 12 Jahren völlig erblindet. Trotzdem fotografieren alle drei mit Leidenschaft und die Qualität ihrer Werke lässt staunen.

Auch Kameramann Frank Amann ist ein Bildermacher von Beruf. Mit „Shot in the Dark“ legt er seinen ersten Film als Regisseur vor. Die Dokumentation folgt den drei unterschiedlichen Fotografen durch ein paar Tage ihres Lebens zeigt sie bei der Arbeit an ihren Bildern, aber auch privat. Wobei sich beides oft überschneidet: Pete inszeniert Fotos mit seiner Frau in der Küche und Bruce hat seine beiden autistischen Söhne zu einem seiner Hauptmotive gemacht.

Der Film kommt ohne Kommentar aus und verlässt sich auf seine Bilder und die hypnotische Musik von F.M. Einheit. „Ich wollte keinen Erklärfilm machen, sondern meine Faszination mit dem Werk dieser Künstler weitergeben, die Bilder machen, obwohl sie selbst nichts mehr sehen.“

Ein ungewöhnliches Thema, ansprechend, wenn auch manchmal etwas sprunghaft umgesetzt!

WERTUNG: 2

Gesehen: „Grießnockerlaffäre“

Rückkehr nach Niederkaltenbach: In seinem vierten Kinoabenteuer „Grießnockerlaffäre“ wird es für Dorfpolizist Polizist Franz Eberhofer gefährlicher denn je. Denn er gerät selbst unter Mordverdacht.

Eigentlich schiebt Franz Eberhofer (Sebastian Bezzl) ja meist eine ruhige Kugel. Meist haben er und die anderen Polizisten in Niederkaltenbach mehr Zeit Bier zu trinken und sich untereinander zu kappeln, als Verbrecher zu jagen. Doch nach einer feuchtfröhlichen Hochzeitsnacht wird Eberhofers fieser Vorgesetzter Barschl (Francis Fulton-Smith) tot aufgefunden – mit Franzls Brotzeitmesser im Rücken. Plötzlich findet sich der Gesetzeshüter selbst in der Zelle wieder. Nun liegt es an ihm und seinem besten Freund Rudi (Simon Schwarz) der strengen internen Ermittlerin (Nora von Waldstätten) seine Unschuld zu beweisen und den wahren Täter zu finden. Zu allem Unglück kriselt es auch noch auf dem heimatlichen Hof: Ein alter Verehrer von Oma Eberhöfer taucht auf und stürzt die alte Dame in ein völlig neues Abenteuer…

Mit staubtrockenem Humor und einer ungewöhnlichen Bildsprache, bei der die Darsteller oft direkt in die Kamera gucken, wirkt auch dieser vierte Film in der Eberhofer-Reihe wie ein Fremdkörper in der oft recht gefällig daherkommenden deutschen Komödienproduktion. Die „Grießnockerlaffäre“ ist ein derb-bodenständiges Stück bayerisches Kino, angesiedelt irgendwo im weiten Niemandsland zwischen Satire, Spannung und sinnfreiem Blödsinn.

Das Team um Regisseur Ed Herzog, der auch die drei Vorgänger inszenierte, ist mittlerweile perfekt eingespielt und geht mit großer Spielfreude an die Sache heran. Diesmal sind es vor allem Eisi Gulp und Enzi Fuchs, die als Papa und Oma Eberhöfer neue Facetten ihrer Charaktere zeigen können.

Wer die bisherigen drei Filme mochte, kann hier bedenkenlos reingehen. Aber auch, wer noch nie in Niederkaltenbach war, kann diesen Film als Startpunkt nehmen. Alles was für die Handlung wichtig ist wird erklärt und da Eberhofers debile Zechkumpanen diesmal nur Randfiguren sind, ist der Anteil an Fremdschäm-Komik deutlich zurückgenommen, was den Einstieg erleichtert. Die Grießnockerln schmecken!

WERTUNG: 2