Gemalte Geschichten, aufsteigend sortiert

Hier mal wieder ein kurzer Überblick über die ’neuesten‘ Comics aus der Bibliothek (aufsteigend sortiert):

Batman: The Dark Knight Returns (1986)

In den 80ern: Ein alternder Batman muss sich noch einmal alten und neuen Feinden stellen. Neben dem Joker gilt es auch mit der Macht der Medien und dem vom Presidenten auf ihn gehetzten Superman fertig zu werden…

Ok, ok, ich weiß, dass dieses Buch einer DER GROSSEN KLASSIKER ist. Aber ganz ehrlich: Ich fand es anstrengend! Winzig kleine Bilder (meistens TV-Monitore), elend viel Text und eine Handlung die erst im letzten drittel so richtig in Fahrt kommt. Dann wirds aber ganz groß: Die Auseinandersetzung mit Joker im Tunnel of Love, der Kampf mit Superman und das Finale zu Pferd sind wirklich stark, auch wenn sie recht krakelig gemalt sind. Im Gegensatz zu den im selben Jahr entstandenen „Watchmen“ wirkt DKR aber schon stark angegraut (Ronald Reagan ist President, die Medienkritik und der Militarismus (das Batmobil ist hier ein Panzer) nerven auf die Dauer. Kommt mir ein bischen vor wie „Ausser Atem“ von Godard – ich kann sehen, warum es seinerzeit die Leute aufgerüttelt hat, finde es aber heute etwas altmodisch. Bin glaub ich auch kein Miller-Fan, obwohl mir „Jahr Eins“ inzwischen schon ans Herz wuchs.

WERTUNG: 3

Superman / Batman: Generations (1999)

Eine witzige Idee: Was wäre, wenn Superman und Batman wie echte Menschen altern würden? John Byrne macht daraus eine vierbändige Elseworlds-Story, die 1939 beginnt und die beiden Helden bis übers Millenium hinaus begleitet. Cool auch, dass Zeichenstil und Inhalt immer der jeweiligen historischen Epoche angepasst sind: So geht es mit simplen Gut gegen Böse los und wird am Ende psychologischer. Dabei werden viele ikonische Momente („A death in the family“) auf neue Weise in die Geschichte eingearbeitet und es gibt richtig coole Momente, etwa Batmans Rückkehr  aus Rhas Al Ghuls Basis nach Gotham. Doch insgesammt passen der „große“ Entwurf und die vielen kleinen Geschichten nicht immer zusammen, das letzte Kapitel ist zudem enttäuschend schwach. Trotzdem ein nettes Buch für zwischendurch.

WERTUNG: 3

Road to Perdition (1998)

„Sind wir jetzt reich, Vater?“ „Nein, wir sind arm – wir haben nur sehr viel Geld!“

Im Amerika der 30er muss der junge Michael lernen, dass sein Vater als bezahlter Killer arbeitet. Ein tödlicher Job, des schließlich dass Leben ihrer Familie fordert und Vater und Sohn auf eine gefährliche, gemeinsame Reise schickt. Offiziell ins Städtchen „Perdition“ – in Wahrheit aber auf einen Rachefeldzug, der sie bis ins Vorzimmer von Al Capone führt. Was an RTP besonders auffällt ist das Format: Ein kleines Taschenbuch mit meist vier großen Bildern pro Seite, sehr schön, sehr stilvoll von Richard Pies Rayner in vierjähriger (!) Arbeit gezeichnet (Mensch und ich les es in 2 Stunden… aber dafür danach gleich noch mal).

Sehr gelungen sind die Momente zwischen Vater und Sohn und die allgemeine Stimmung. Etwas nervig dagegen die immergleichen, etwas wirren Action-Szenen mit viel Blam-Blam, die Michael Senior etwas übertrieben als Superkiller darstellen (Schwer vorstellbar, dass im Film Tom Hanks diesen ‚Angel of Death‘ darstellt). Dennoch sehr lesenswert.

WERTUNG: 2-3

Die Löwen von Baghdad (2006)

Während eines amerikanischen Angrifs auf Baghadad entkommt ein kleines Rudel Löwen aus dem örtlichen Zoo: Alte Tiere, die die Wildnis noch kennen und ein kleiner Welpe, der staunend die neue Welt entdeckt – die sich als schrecklich und gefährlich herausstellt, denn auch für Tiere ist der Krieg kein Zuckerschlecken.

Wunderschön gezeichnet und stellenweise ziemlich heftig grausam sind  „Die Löwen von Baghdad“ eine Anti-Kriegsgeschichte der anderen Art. Aber vorsicht: Nix zum wohlfühlen und oft rotzetraurig.

WERTUNG: 2

Dann lieber schnell noch was aus der Superhelden-Ecke hinterher:

Golden Age (1993)

Das waren noch Zeiten: Gerade hatte Tex Thompson, Superheld und „Americommando“ hinter den feindlichen Linien des 2. Weltkriegs nicht nur die Deutschen Superhelden Parsival und Co. eleminiert, sondern auch den Führer persönlich. Doch zurück in Amerika zeichnet sich für ihn und die anderen maskierten Rächer ein neues Zeitalter im Zeichen der Atombombe ab. Ein Zeitalter, das neue Helden braucht, wie den Atomaren Dynaman. Doch irgendetwas stimmt da nicht…

James Robinson und Paul Smith machen in dieser Elseworlds-Geschichte zweierlei: Sie erzählen eine sehr spannende alternative Geschichte der 40er, in der die Superhelden ihre Unschuld verlieren und sie schaffen außerdem eine liebevolle Hommage an die DC-Helden des „Goldenen Zeitalters“ der Comics von 1937-49. Das ist beim ersten Lesen etwas verwirrend, da die beiden Macher anscheinend den Ehrgeiz hatten möglichst viele Charaktere der damaligen Zeit unterzubringen – die heute kaum einer mehr kennt. (Vom Ultra-Humanite hab ich auch nur durch Batman-Generations gehört).

Aber zum Glück ist ihre Geschichte so gut und die Darbietung so stimmig, dass das beim ersten Lesen gar nicht weiter stört und sogar zu einer erneuten Reise durch diese fantastische Welt einlädt. Zu loben sind hier auch die Kampfszenen. Normalerweise sucken die ja (siehe „Road to Perdition“) aber hier treiben sie die Story und die Charakterentwicklung voran – und das im apokalyptischen Finale sogar fast 30 Seiten lang.

Hut ab vor einer cleveren, schön erzählten Story mit Moral.

WERTUNG: 1

Puh, wieder viel Stoff… und dabei hab ich mir die besten beiden noch für den nächsten Artikel aufgehoben 😉

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