Archiv der Kategorie: Comix

Comic: „Der Incal“

Hm. So langsam sollte ich eine extra Rubrik einführen „Comics, die zwar berühmt sind, die ich aber irgendwie nicht kapiere“. Darunter befinden sich Werke wie „V für Vendetta“, „Der dunkle Ritter schlägt zurück“ und das Gesamtwerk von Grant Morrison.

Und seit ein paar Tagen auch „Der Incal“ von Jodorowski und Moebius.
Erzählt wird die Story von John Difool. Er ist Privatdetektiv (auch wenn er in sechs Bänden nur einen einzigen ‚Fall‘ bekommt, bei dem er kläglich scheitert) und lebt in einer unterirdischen Stadt der Zukunft. Bereits auf der zweiten Seite stürzt er hunderte von Stockwerken einem Säure-See entgegen – und das ist er der Anfang vom Ärger.

Bald stoßen Difool und sein Beton-Papagei (!) Dipo auf den Incal, ein merkwürdiges Objekt mit kosmischen Kräften, das anscheinend dazu dient den Kampf gegen die „Finsternis“ aufzunehmen – und hier fängt das ganze an seltsam zu werden.

Enstanden ist der Comic in den 80ern, nachdem Jodorowski und Moebius ihren ehrgeizigen Plan eines „Dune“-Films aufgeben mussten – und manches erinnert auch ans Frank Herberts visionäre Space Oper. Darüber hinaus vermixt der „Ical“ aber noch viele weitere Elemente. Es gibt einen Todesstern und unzählige Raumschlachten, New-Age Mystik und Meditation, sowie Satire gegen TV- und Technikgläubige Dekadenz. So richtig stringent wirkt das nicht, eher wie ein bunter Blumenstrauß, wo immer wieder etwas neues überraschendes passiert.

In den besten Momenten ist das bizarr und genial (Ich mag die Erstürmung des Ameisenhügels der Protokönigin) in den schlechteren nur bizarr. Wie gesagt, richtig kapiert hab ich’s nicht, aber ich bin froh es gelesen zu haben, auch wenn ichs mir nicht kaufen würde.

 

Werbeanzeigen

Comic: Wanted

Hm, es ist gar nicht so leicht etwas ausagekräftiges über

Wanted von Mark Millar und J.G.Jones (2003 – 2004)

zu schreiben ohne etwas zu spoilern. Ich probiers trotzdem!

Stufe 1: Komplett Spoilerfreies Review

„Wanted“ handelt von einem normalen Typ, dem etwas unnormales passiert.

Es ist eklig, provokant, lustig, kritisch, zynisch, hinterhältig – und garantiert keine gute Vorlage für einen Hollywood-Film mit Angela Jolie (wie es der Sticker auf dem Umschlag anpreist). Zumindest nicht, wenn man versuchen würde, das Ding adäquat umzusetzen. Aber trotzdem ein interessanter Trip für abgebrühte Leser. Aber lest nicht das Vorwort von Brian K. Vaughn! Der spoilert! Der Schurke!

Stufe 2: Review mit kleinen Spoilern.

„Wanted“ handelt von einem normalen Typen, der feststellt, dass er gar nicht normal ist, sondern ein Superschurke! Seine Fähigkeit: Töten. Schnell und effektiv.

Was folgt ist eine manchmal atemberaubende, manchmal recht eklige Parodie auf die typische Initiation eines jungen Superhelden – statt seine große Macht mit großer Verantwortung zu nutzen lernt unser „Held“ (der aussieht wie Eminem) erst mal das fies-sein in allen Facetten. Dabei bekommt er es mit richtig abstrusen anderen Superschurken zu tun, darunter „Shit-Face“, der unter anderem aus dem Kot von Adolf Hitler besteht. Sehr schwer vorstellbar, dass daraus ein „Hollywood-Film mit A.J.“ wurde – zumindest ein Werkgetreuer…

Stufe 3 – Spoilerübersätes Review

„Wanted“ handelt davon, dass unsere Welt von Arschlöchern beherrscht wird, die uns unsere Träume stehlen und die entstandene Lücke mit Kommerzprodukten füllen, die wir ständig kaufen müssen und dass wir alle Teil einer ermüdenden Tretmühle sind, aus der es kein Entrinnen gibt. Auch nicht durch Comics oder Filme.

Das wird nie ein Hollywoodfilm mit Angela Jolie erzählen. Oder?

SPOILER END.

WERTUNG: Hart, aber gut. 1

Comic: „Y – THE LAST MAN“

„Y – THE LAST MAN“ beginnt gleich mit einem Paukenschlag: Von einem Augenblick auf den anderen sterben alle katholischen Priester, fast alle Konzernchefs, Truckerfahrer und Schwerverbrecher – kurz: Alle Männer. Übrig bleiben allein der junge Nerd Yorrick und sein Kapuzineraffe Ampersand. Die beiden machen sich auf eine lange Reise durch eine Welt die jetzt den Frauen gehört – um herauszufinden was passiert ist.

Wow, was für eine Geschichte. Autor Brian K. Vaughan hat es wirklich raus wie man Spannung aufbaut. Die zehn Bände lesen sich locker und die Zeichnungen von Pia Guerra sind immer sehr schön und stimmungsvoll. Dabei wird viel gekämpft und es gibt auch einige recht harte und blutige Szenen, was mich überrascht hat -irgendwie hatte ich mir eine Welt ohne Männer wohl eher so vorgestellt, wie sie die Ärzte in „WAMMW“ beschreiben. Aber dann wärs vielleicht nicht so spannend geworden. Vaughan ist mit allen Wassern der Popkultur gewaschen, scheint sich aber auch in der Weltpolitik sehr gut auszukennen. Die zuerst sehr klischeehaft wirkenden Personen nehmen im Laufe der Erzählung immer mehr Konturen an, werden glaubhafter und interessanter.

Viel mehr darf man eigentlich auch gar nicht verraten, denn die Reise mit Yorrick ist es auf jeden Fall wert, dass man sie selbst erlebt.

(Und das am besten bevor irgendwer einen verwässerten Film draus macht 😉 )

WERTUNG: A

Gemalte Geschichten, aufsteigend sortiert

Hier mal wieder ein kurzer Überblick über die ’neuesten‘ Comics aus der Bibliothek (aufsteigend sortiert):

Batman: The Dark Knight Returns (1986)

In den 80ern: Ein alternder Batman muss sich noch einmal alten und neuen Feinden stellen. Neben dem Joker gilt es auch mit der Macht der Medien und dem vom Presidenten auf ihn gehetzten Superman fertig zu werden…

Ok, ok, ich weiß, dass dieses Buch einer DER GROSSEN KLASSIKER ist. Aber ganz ehrlich: Ich fand es anstrengend! Winzig kleine Bilder (meistens TV-Monitore), elend viel Text und eine Handlung die erst im letzten drittel so richtig in Fahrt kommt. Dann wirds aber ganz groß: Die Auseinandersetzung mit Joker im Tunnel of Love, der Kampf mit Superman und das Finale zu Pferd sind wirklich stark, auch wenn sie recht krakelig gemalt sind. Im Gegensatz zu den im selben Jahr entstandenen „Watchmen“ wirkt DKR aber schon stark angegraut (Ronald Reagan ist President, die Medienkritik und der Militarismus (das Batmobil ist hier ein Panzer) nerven auf die Dauer. Kommt mir ein bischen vor wie „Ausser Atem“ von Godard – ich kann sehen, warum es seinerzeit die Leute aufgerüttelt hat, finde es aber heute etwas altmodisch. Bin glaub ich auch kein Miller-Fan, obwohl mir „Jahr Eins“ inzwischen schon ans Herz wuchs.

WERTUNG: 3

Superman / Batman: Generations (1999)

Eine witzige Idee: Was wäre, wenn Superman und Batman wie echte Menschen altern würden? John Byrne macht daraus eine vierbändige Elseworlds-Story, die 1939 beginnt und die beiden Helden bis übers Millenium hinaus begleitet. Cool auch, dass Zeichenstil und Inhalt immer der jeweiligen historischen Epoche angepasst sind: So geht es mit simplen Gut gegen Böse los und wird am Ende psychologischer. Dabei werden viele ikonische Momente („A death in the family“) auf neue Weise in die Geschichte eingearbeitet und es gibt richtig coole Momente, etwa Batmans Rückkehr  aus Rhas Al Ghuls Basis nach Gotham. Doch insgesammt passen der „große“ Entwurf und die vielen kleinen Geschichten nicht immer zusammen, das letzte Kapitel ist zudem enttäuschend schwach. Trotzdem ein nettes Buch für zwischendurch.

WERTUNG: 3

Road to Perdition (1998)

„Sind wir jetzt reich, Vater?“ „Nein, wir sind arm – wir haben nur sehr viel Geld!“

Im Amerika der 30er muss der junge Michael lernen, dass sein Vater als bezahlter Killer arbeitet. Ein tödlicher Job, des schließlich dass Leben ihrer Familie fordert und Vater und Sohn auf eine gefährliche, gemeinsame Reise schickt. Offiziell ins Städtchen „Perdition“ – in Wahrheit aber auf einen Rachefeldzug, der sie bis ins Vorzimmer von Al Capone führt. Was an RTP besonders auffällt ist das Format: Ein kleines Taschenbuch mit meist vier großen Bildern pro Seite, sehr schön, sehr stilvoll von Richard Pies Rayner in vierjähriger (!) Arbeit gezeichnet (Mensch und ich les es in 2 Stunden… aber dafür danach gleich noch mal).

Sehr gelungen sind die Momente zwischen Vater und Sohn und die allgemeine Stimmung. Etwas nervig dagegen die immergleichen, etwas wirren Action-Szenen mit viel Blam-Blam, die Michael Senior etwas übertrieben als Superkiller darstellen (Schwer vorstellbar, dass im Film Tom Hanks diesen ‚Angel of Death‘ darstellt). Dennoch sehr lesenswert.

WERTUNG: 2-3

Die Löwen von Baghdad (2006)

Während eines amerikanischen Angrifs auf Baghadad entkommt ein kleines Rudel Löwen aus dem örtlichen Zoo: Alte Tiere, die die Wildnis noch kennen und ein kleiner Welpe, der staunend die neue Welt entdeckt – die sich als schrecklich und gefährlich herausstellt, denn auch für Tiere ist der Krieg kein Zuckerschlecken.

Wunderschön gezeichnet und stellenweise ziemlich heftig grausam sind  „Die Löwen von Baghdad“ eine Anti-Kriegsgeschichte der anderen Art. Aber vorsicht: Nix zum wohlfühlen und oft rotzetraurig.

WERTUNG: 2

Dann lieber schnell noch was aus der Superhelden-Ecke hinterher:

Golden Age (1993)

Das waren noch Zeiten: Gerade hatte Tex Thompson, Superheld und „Americommando“ hinter den feindlichen Linien des 2. Weltkriegs nicht nur die Deutschen Superhelden Parsival und Co. eleminiert, sondern auch den Führer persönlich. Doch zurück in Amerika zeichnet sich für ihn und die anderen maskierten Rächer ein neues Zeitalter im Zeichen der Atombombe ab. Ein Zeitalter, das neue Helden braucht, wie den Atomaren Dynaman. Doch irgendetwas stimmt da nicht…

James Robinson und Paul Smith machen in dieser Elseworlds-Geschichte zweierlei: Sie erzählen eine sehr spannende alternative Geschichte der 40er, in der die Superhelden ihre Unschuld verlieren und sie schaffen außerdem eine liebevolle Hommage an die DC-Helden des „Goldenen Zeitalters“ der Comics von 1937-49. Das ist beim ersten Lesen etwas verwirrend, da die beiden Macher anscheinend den Ehrgeiz hatten möglichst viele Charaktere der damaligen Zeit unterzubringen – die heute kaum einer mehr kennt. (Vom Ultra-Humanite hab ich auch nur durch Batman-Generations gehört).

Aber zum Glück ist ihre Geschichte so gut und die Darbietung so stimmig, dass das beim ersten Lesen gar nicht weiter stört und sogar zu einer erneuten Reise durch diese fantastische Welt einlädt. Zu loben sind hier auch die Kampfszenen. Normalerweise sucken die ja (siehe „Road to Perdition“) aber hier treiben sie die Story und die Charakterentwicklung voran – und das im apokalyptischen Finale sogar fast 30 Seiten lang.

Hut ab vor einer cleveren, schön erzählten Story mit Moral.

WERTUNG: 1

Puh, wieder viel Stoff… und dabei hab ich mir die besten beiden noch für den nächsten Artikel aufgehoben 😉

Neue Comics (Teil 4 – The Best)

Platz Nummer Eins:

The Sandman (Neil Gaiman u.a. 1988-1996)
Zugegeben: Zuerst hatte ich gar keinen Bock Sandman zu lesen – obwohl überall zu hören war, dass die Reihe einer der ganz, ganz großen Klassiker sei. Schuld daran waran die Zeichnungen!
Mit seinem hageren, bleichen Kerl mit der schwarzen Mähne sieht Morpheus / Sandman als Held der Geschichte nämlich aus wie exakt auf eine Zielgruppe von Teenie-Gothic-Mädchen zugeschnitten. Und ich bin keines von den dreien.
Aber die „Sandman“-Serie bewies mir (wieder mal) eindrucksvoll, dass man Comics nicht nach dem ersten Blick auf die Zeichnungen beurteilen kann, sondern sich erst mal auf den Flow der Story und die Charaktere einlassen sollte.

Und das rentiert sich beim Sandman tausendfach! Denn die insgesammt über 2000 Seiten lange Serie ist ein schier unendlicher Brunnen an Ideen und Geschichten. Dabei fängt alles scheinbar simpel an: Eine verrückte Sekte versucht Anfang des 20. Jahrhunderts den Tod gefangenzunehmen – gerät aber an dessen kleinen Bruder – Morpheus, den Herrn der Träume. Als es Morpheus nach beträchtlicher Zeit gelingt sich zu befreien muss er feststellen, dass sein Reich in der Zwischenzeit zerfallen ist: Wichtige Träume wurden vergessen, Alpträume rennen frei herum und manche Menschen träumen gar nicht mehr. Morpheus macht sich auf, das wieder zu ordnen…

Und dies ist gerade erst der erste (von 10 Bänden) von dem aus sich die Geschichte immer weiter spinnt: Im Zentrum stehen die ewigen – Morpheus und seine Geschwister wie Tod, Begierde u.a. – darum herum entwickeln sich mäandrierende Geschichten um menschliche (und übernatürliche Protagonisten) wobei man auf alle aufpassen sollte. Denn oft kommt es vor, dass eine scheinbar unwichtige Nebenperson aus der einen Story die Hauptrolle in der nächsten übernimmt. Sehr komplex. Sehr spannend. Dass unterschiedliche Zeichner ihre ganz eigenen Stärken einbringen macht die Serie noch vielfältiger und stärker.

Auch die Erzählweise wird immer tiefer und interessanter. Ist der erste Band noch deutlich an Stephen King und Alan Moore orientiert (zum Teil auch mit direkten Verweisen im Bild und Text) so wird das Sandman-Universum immer eigenständiger, die brutalen und gruseligen Elemente treten hinter einer großen Erzählung, ja einem Weltentwurf zurück.

Natürlich wird einem bei so einem Werk nicht jede Episode gefallen (mir sind z.b. manche frühen Dinge zu eklig, manches spätere zu bildungsbeflissen. Auch fand ich es schade, dass *SPOILER AHEAD* die Identität des verschwundenen ‚Ewigen‘ recht früh und nebenbei aufgelöst wird – (Ich hätte auf auf sowas wie ‚Decision‘ oder ‚Defiance‘ getippt…. *SPOILEREND*).

Trotzdem: Ein ganz großer Wurf, den man nicht verpassen sollte!
Nach Band 6 hab ich jetzt erst mal aufgehört – aber nicht weils schlechter wird, sondern weil ich lieber noch mal von vorne durchstarte, bevor ich mir das Ende gönne.

Mehr Comics (Teil 3 – The Good)

TEIL III – The Good

Platz 4 – Catwoman – When in Rome (Jeph Loeb, Tim Sale, 2004)
Während der Ereignisse von ‚Dark Victory‘ (siehe unten) nimmt Catwoman sich eine Auszeit um in Italien nach dem Geheimnis ihrer Herkunft zu forschen. Als Unterstützer nimmt sie sich ausgerechnet den Riddler mit – weil der sich ja mit Rätseln gut auskennt. Doch Träume von Batman jagen sie und bald befindet sie sich im Fadenkreuz der Mafia…

Das schmale Bändchen „Damals in Rom“ behandelt eine Nebengeschichte zu „Langes Halloween“ und „Dark Victory“, die aber auch gut für sich alleine gelesen werden kann. Der Stil ist – wie immer bei Loeb und Sale – sehr elegant. Auch wenn die Handlung nicht an die Stärke der beiden anderen Epen heranreicht bildet es ein schönes Divertimento.

WERTUNG: 2

Platz 3 – Genosse Superman (Mark Millar, Dave Johnson, Kilian Plunkett, 2003)

Was wäre wohl passiiert, wenn die Fluchtkapsel des Mannes aus Stahl nicht argrarischen Heartland der USA, sondern in einer Kolchose der Ukraine gelandet wäre? Die Elseworlds-Story „Superman Red Son“ spielt diesen Gedanken überraschend stringent durch: Superman – dessen altruistischer Charakter völlig erhalten bleibt – wird Stalins Ziehsohn und Erbe eines totalitären Sovietreichs, das Dank seiner Kräfte die Welt für sich einnimmt. Batman ist ein russischer Dissident mit Wollmütze und Lex Luthor als Superwissenschaftler auf der amerikanischen Gegenseite.


Aus der Idee hätte man auch sehr gut eine Comedy machen können, doch „Red Son“ punktet gerade mit seiner Ernsthaftigkeit und bleibt bis zum – sehr berührenden Schluss – sehr spannend.
WERTUNG: 1

Platz 2 – Batman: Dark Victory (Jeph Loeb, Tim Sale, 1999 – 2000)

Gerade erholt sich Gotham City von dem Jahr mit dem „Holiday Killer“ als ein neuer Serientäter auftaucht: Der ‚Hangman‘ der es ausschließlich auf Polizisten abgesehen hat. Batman und Gordon machen sich auf die Suche nach dem Täter, der verschlüsselte Botschaften hinterlässt und bekommen es dabei auch wieder mit der Falcone-Familie und dem neuen Freak-Imperium von Two Face zu tun…

„Dark Victory“ schließt direkt an die Handlung von „Das lange Halloween“ an und es empfiehlt sich DRINGEND dieses Buch vorher zu lesen (und am besten „Jahr Eins“ noch dazu). Einmal weil die Geschichte sonst wenig Sinn ergibt und auch, weil bereits im ersten Bild etwas über den „Holiday Killer“ verraten wird. Dark Victory ist wie sein Vorgänger sehr schön gezeichnet und sehr komplex in der Handlung.
Kleine Spoiler ahead – Die Auflösung fällt zwar diesmal nicht ganz so stark aus, weil sie sehr eindeutig ist und viele Andeutungen (Warum werden die Falcone-Brüder verwechselt? Warum betont der eine so dringend, dass die anderen Brüder Zwillinge sind?) scheinen nur rote Heringe ohne Sinn zu sein. Cool ist es dennoch. SPOILER END.
WERTUNG 1


Fortsetzung folgt!

Mehr Comics! (Teil 2 – The Solala)

Teil II – The Mittelmäßig

Platz 7 – Mousegard, Herbst 1152 (David Petersen, 2006)
Das Königreich der Mäuse ist groß – doch zwischen den Städten liegt eine Wildnis voller Gefahren. Deshalb gibt es die Mäusegarde, welche das Reich vor Schlangen, Spinnen und anderem Unheil schützt – doch kann sie auch gegen Verrat in den eigenen Reihen bestehen?
Auch hier bin ich wieder auf das Cover reingefallen (und den Standort in der Kinder-Abteilung) – das auf eine lustig-süße Tierhelden-Geschichte schließen lässt. Doch „Mouseguard“ ist eine weitere bierernste Fantasy-Erzählung mit Krieg, Verrat, Tod – nur halt unter süßen Mäusen. Und das leider nocht nicht mal spannend, sondern sehr klischeehaft. Aber immerhin sieht’s wirklich enorm putzig aus.

WERTUNG: 4

Platz 6 – Batman: Arkham Asylum (Grant Morrison, Dave McKean, 1989)
Ein Notruf holt Batman ins Arkham Asylum: Die Irren haben die Anstalt übernommen (oder auch nicht). Der dunkle Ritter betritt das Gebäude und triumphiert über die versammelten Bösewichter (oder auch nicht). Am Ende wirft Twoface eine Münze und Batman darf wieder gehen (oder auch nicht). Hä?
O.k., ich weiß dieses Buch gilt als einer der ganz großen Batman-Klassiker. Aber ganz ehrlich: Ich hab’s nicht kapiert! Wieso kann man Batman hier mit Reis festhalten? Was sollen die Jesus-Anspielungen? Um was geht’s überhaupt?? Klar „Arkham Asylum“ hat großartige und scheußliche Momente und ist von Dave McKeown visuell brilliant gestaltet – aber es bleibt bei mir nichts außer Verwirrung. Vielleicht bin ich noch zu klein dafür.

WERTUNG: 3 (Oder auch nicht?)

Platz 5 – Black Orchid (Neil Gaiman, Dave McKean, 1988)
Viel darf man über die Geschichte von „Black Orchid“ nicht verraten, da sie einige Überraschungen bereit hält. Nur so viel: Es geht um eine Agentin mit besonderen Fähigkeiten, die Undercover in eine Gangsterorganisation eingeschleust wird um dort zum obersten Boss vorzudringen – doch das ist nicht so einfach.
Wieder superschön gestaltet von Dave McKean bietet Black Orchid auf fast jeder Seite einen kunstvollen Augenschmaus. Die Story ist wie erwähnt überraschend und wendungsreich, leidet aber IMHO darunter, dass sie nicht wirklich einen zentralen Charakter hat und am Ende ziemlich ausplätschert. Trotzdem einen Blick wert.

WERTUNG: 3

Fortsetzung folgt!

Mehr Comics!! (Teil 1 – The Aua)

Die Stadtbibliothek macht’s möglich: In der letzten Zeit habe ich mich dank des reichhaltigen Angebots durch eine schöne Auswahl an Comics gefressen. Manche davon großartig – andere eher nicht. Hier mal meine Eindrücke in aufsteigender Reihenfolge.
Teil I – THE BAD

Platz 10 – Batman: Jahr Einhundert (Paul Pope, 2006)

Gotham 2039 – die Zeiten sind düster geworden. Ein totalitäres System kontrolliert das Leben von der Wiege bis zur Bahre. Einzige Ausnahme: Der BATMAN – eine geheimnisvolle Gestalt, die anscheinend schon seit hundert Jahren ihre ganz eigenen Wege in Gotham geht und dem Polizeistaat Widerstand leistet…
Titel und Cover versprechen eine flotte Comedy-Story: Ein gaggelicher Rentner-Batman, dessen einstige High-Tech-Gadgets inzwischen hoffnungslos veraltet sind nimmt es mit Norcon (oder wie das totalitäre Dingens in diesem Fall heißt) auf… Aber leider ist „Jahr Einhundert“ bierernst – und der Batman gar nicht alt, sondern agil und gefährlich wie eh und jeh. Die Story besteht zur Hälfte aus Technik-Militär-Kauderwelsch („Er hat ein Kurzstrecken-EMP oder einen Neural-Beschatter mit induziertem giftigem Dunst!“ „Roger, Panther-Team! Sonarschutz-aktiv“) und zur anderen aus „Whak“ „Flump“ oder „Sptakkatak-Sptak-Ping!“. Wer drauf steht…

WERTUNG: 5

 Platz 9 – All Star Batman & Robin (Frank Miller & Jim Lee, 2005-2008)

Bei einer Zirkusvorführung werden die Eltern von Dick Grayson ermordet. Batman nimmt den  Jungen auf und unterzieht ihn einem harten Training – als einen weiteren Soldaten im Kampf gegen das Böse…
Und viel mehr passiert auch gar nicht auf über 150 Seiten. Der „All-Star-Batman“ verheddert sich in endlosen Action-Sequenzen und Nebenpersonen ohne jemals eine wirkliche Story oder eine Sinnmitte zu finden. Da hilft es auch nicht, dass die Zeichnungen von Jim Lee wieder mal top sind. Das Batman hier ein kichernder Irrer ist der Robin fies behandelt stört mich gar nicht (so what?). Aber das ständige Gefluche und Gekämpfe und die allgemeine Richtungslosigkeit lassen diesen Batman schon extrem pubertär wirken.

WERTUNG: 5

Platz 8 – The Fountain (Kent Williams, Darren Aronofsky, 2005)

Die Vergangenheit: Ein letzter spanischer Conquistador kämpft sich eine geheimnisvolle Maja-Pyramide hinauf an deren Spitze er die Lösung zu einem großen Geheimnis vermutet…
Die Gegenwart: Ein Arzt sucht verzweifelt nach einem Heilmittel um seine todkranke Frau zu retten und geht dabei jedes Risiko ein…
Die Zukunft: Ein nackter Mann schwebt in einer Blase durchs All und blickt zu den Sternen…
Der Film „The Fountain“ (den ich noch nicht gesehen habe) gilt als ambitionierter schöner Flop, der sich sehr bemüht irgendwas auszusagen, aber doch konfus bleibt (Solche Fehlschläge mag ich eigentlich 😉 ). Auch der Comic ist seeehr umständlich und aufgeblasen: Um die schlichte Botschaft ‚Der Tod gehört zum Leben‘ unters Volk zu bringen muss man wirklich nicht auf drei Zeitebenen rumgurken (wie’s elegant geht zeigt ‚Sandman‘). Zudem sind die Zeichnungen mit ihren Pfannkuchen-Gesichtern sehr HÄSSLICH und die Erzählung unbeholfen. So steht zum Beispiel über dem Bild einer hereinstürmenden Wache tatsächlich „Eine Wache stürmt herein.“ Was soll das? Wenigstens geht es schneller den Comic durchzublättern als den Film zu gucken.

WERTUNG: 5

Fortsetzung folgt.

Comic: „From Hell“

FROM HELL, Alan Moore & Eddie Campbell, 1991 – 1998

London, 1888 – ein Killer tötet in London Prostituierte.  Während die Polizei im Dunkeln tappt sieht die Presse in ihm die Sensation des Jahres und verpasst ihm einen gruseligen Namen „Jack the Ripper“. Doch was in Wirklichkeit hinter den Morden steckt ist noch viel geiheimnisvoller und schauriger…

Puh, was für ein Brocken – ich brauchte drei Anläufe um über das erste Kapitel hinauszukommen. Moore und Campbell erzählen in „From Hell“ (anders als der auf dem Buch basierende Film) nämlich keine simple Mördersuche, sondern versuchen nichts geringeres als die „Autopsie eines Zeitalters“. Sie beschreiben die „Geburt des 20. Jahrhunderts“ als eine Verstrickung von Adel, Macht, Presse, Geheimbünden, Wissenschaft, Wahnsinn, hohen Gebäuden und niedersten Trieben. 600 schwarz-weiße, herb gezeichnete Seiten voller Personen, Ideen und Zeitsprünge, alles genau recherchiert und (man ist ja nicht bei Guttenberg!) in einem umfangreichen Anhang genau sortiert und erklärt, was Fiktion der Autoren ist und was „Fakt“. Dazu kommt ein zweiter Anhang, der die Rezeptionsgeschichte der Rippermorde erklärt.

Dies ist wirklich nicht einfach eine Erzählung, sondern tatsächlich ein Stück wissenschaftliche Arbeit.

Hat man es als Leser aber erst mal geschafft in diese Welt einzutauchen (das geht am besten mit dem Trick beim ersten Lesen nicht alles verstehen zu wollen und einfach zu gucken, was als nächstes passiert) ist „From Hell“ ein Wahnsinns-Erlebnis. Man erfährt unglaublich viel über Londons Architektur  (der Name Hawksmoor hat sich mir unauslöschlich eingebrannt), die Freimaurerei und das Leben Ende des 19. Jahrhunderts. Dazu gibt’s unglaublich überraschende Momente (die ich jetzt nicht spoilern werde) und  eine spannende Geschichte – und das obwohl der Täter schon früh (genaugenommen schon ab dem ersten Bild) bekannt ist.

(Deswegen ist es in diesem Fall auch ganz clever den Film zuerst zu sehen, damit der bis zum Schluss spannend ist. Außerdem hat man dann schon etwas hilfreiches Vorwissen)

Und beim zweiten Mal lesen sind die vielen Namen auch gar nicht mehr so schlimm.

Ein Buch, das die Einlesearbeit mehr als Wert ist – auch wenn für meinen Geschmack einiges (Kapitel 10) etwas zu eklig ist – aber hey -es ist ja ein Buch über Jack the Ripper!

WERTUNG: A

Comics: Zu düster? „Batman Vampire“

Ganz am anderen Ende der Skala (in Bezug auf das gerade vorgestellte „DC Helden“) steht die Trilogie „Batman – Vampire“. Angesiedelt in einer alternativen Welt außerhalb der normalen Batman-Chronologie erzählt sie wie der dunkle Ritter mit Dracula persönlich aneinandergerät – und was danach alles schlimmes passiert.

Batman Vampire (1991 / 1994 / 1998)

Der Zeichenstil von „Vampire“ ist erst mal etwas gewöhnungsbedürftig. Batmans Riesenohren, sein zerfleddertes Cape, die vergilbte Welt – all das macht beim durchblättern einen eher abschreckenden Eindruck. Doch kaum hat man sich in die erste Geschichte („Red Rain“) gestürzt macht das auf einmal Sinn. Entspinnt sich doch hier eine morbide Gruselsaga von Vampiren in Gotham, die man sich in „saubereren“ Bildern gar nicht vorstellen könnte.(Wobei mich irritiert das manche Personen während der Geschichte immer wieder die Haarfarbe oder ihr Aussehen ändern)

Von der Story her hält die erste Geschichte perfekt die Balance zwischen atmosphärischem Grusel, Action und ein paar Sprengseln Humor und ist so eine sehr angenehme Schauer-Lektüre. Beiden nächsten beiden Folgen – „Bloodstorm“ und „Crimson Mist“ – wird es mir dann etwas zu eklig und düster. Es scheint als wollten die Autoren jeweils noch einen drauflegen. Immerhin führen sie es so konsequent zu Ende, dass man froh sein kann, es hier nicht mit dem „offiziellen“ Batman zu tun zu haben.

WERTUNG: 2

Ich schätze mein Batman-Empfinden liegt irgendwo in der Mitte zwischen dem ultraedlen Ross-Version und dieser hier. Bin gespannt wies weitergeht.