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Ist das noch Trek? „Star Trek Discovery Season 1“

„Star Trek – Discovery“, die erste Serie aus dem Trek-Universum seit 13 Jahren sorgte schon im Vorfeld für viel Diskussion: Neuer Look, mehr Action und eine Heldin mit Männernamen stellten die zentrale Frage: „Ist das noch Trek?“

Hier meine Antwort nach allen fünfzehn Folgen von

Star Trek – Discovery (Staffel 1)

Story:
Zehn Jahre vor Captain Kirk stolpert die Förderation in einen Krieg mit den Klingonen. Das Forschungsschiff „Discovery“ findet sich an vorderster Front wieder – unter dem Kommando eines Captains, der mehr mit dem Säbel rasselt, als es den Wissenschaftlern lieb ist. Und die Klingonen sind nicht die einzige Bedrohung…

Look:
Hier gab es anfangs viel Kritik von den Fans: Wie kann eine Serie, die 10 Jahre vor Kirk spielt moderner aussehen als TNG? Warum haben die Klingonen nun Eierköpfe und ägyptisches Interiereur statt Zotteln und Höhlen?
(P.S.: Dass die Planeten nicht mehr aus Pappmachée-Felsen und Topfpflanzen bestehen ist auch seltsam. Hat aber niemand gestört).

Nach kurzer Gewöhnung finde ich den Look gut. Trek-Serien versuchten ja immer so modern wie nur möglich auszusehen und tricktechnisch auf der Höhe der Zeit zu sein.  Da macht „Discovery“ alles richtig. Abgesehen davon, dass die Sternenflotte hier durch eine recht fade blau-grau Phase geht. Sogar die Planeten sind hier gerne blau.

Cast:
Das ist leicht: Super! Doug Jones, der Meister der Monster und ein großer Star-Trek-Fan darf hier als Kelpianer Saru endlich auf einer Brücke stehen, Jason Isaacs ist Klasse als undurchsichtiger Captain und mit Michelle Yeoh ist sogar ein echter Weltstar an Bord. Auch die Nebenrollen sind charaktervoll besetzt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist Hauptdarstellerin Sonequa Martin-Green, die mit einem einzigen Gesichtsausdruck durch die Staffel zu kommen versucht (was aber immerhin inhaltlich begründet wird).

Stimmung:
Düster. Gerade in den ersten Folgen ist der aufziehende Krieg überall spürbar. Menschen (und andere Wesen) werden getötet und gefoltert, es wird geblutet und geflucht. Wer als Fan von Kirks fröhlichen Raubauken oder der höflichen „Next Generation“-Crew auf die Discovery kommt, wird einen harten Einstieg haben.

Schauempfehlung:
„Discovery“ erzählt eine durchgehende Geschichte (auch wenn diese sich in mehrere ‚Kapitel‘ mit unterschiedlichen Schwerpunkten aufteilt) und sollte deshalb von Anfang bis Ende gesehen werden. Mein Tipp für klassische Trek-Fans: Durchhalten bis Folge 6,  in der die Charaktere endlich etwas Background bekommen. Vorher wirkt es eher wie eine Mixtur aus Alien und Dune.

Also: Ist das noch Trek?
Wir sehen hier definitiv eine andere Förderation als in den Vorgänger-Serien. Die Befehlskette funktioniert gar nicht: Anweisungen werden eher kritisiert oder ignoriert als befolgt. Und auch die moralischen Ideale der Förderation (Verhandeln statt Ballern, keine Misshandlung von Gefangenen, keine Todesstrafe) geraten ins Wanken. Wir erleben eine Förderation unter Beschuss, die sich fragen muss, was ihr wichtiger ist: Ihre Werte oder ihr Überleben. Das ist an sich spannend – wird aber in dieser Season oft auch etwas Holzhammer-mäßig dargeboten. Der Spagat zwischen klassichem Trek und Einsteigerfreundlichkeit, zwischen Action und „Sense of Wonder“ tut hier oft noch weh. Es bleibt zu hoffen, dass hier in Zukunft eine bessere Balance gefunden wird.

Fazit:
Ich habe den Eindruck, dass „Discovery“ eine Serie ist, die definitiv von Fans gemacht wurde. Aber von experimentierfreudigen Fans. Der sichere Weg wäre es gewesen, einfach die sieben Jahre zu erzählen die Burnham und Georgiou auf der „Shenzou“ mit fröhlichem Raumerforschen verbracht haben – und dann den Kriegskram in Staffel 8 zu bringen. So werfen sie uns von Anfang an in ein unbekanntes Land und lassen uns Zuschauern die Aufgabe, mit diesem Fremden zurecht zu kommen. Und das ist in seinem Herzen natürlich auch Trek.

Ausblick:
Wir haben hier großartige Schauspieler, gute Tricks und interessante Charaktere, sowie defintiv Trek-liebende Macher hinter den Kulissen. Wenn sie es in der kommenden Season schaffen etwas weniger Folter, etwas mehr Farben und vor allem mehr von dem Gefühl „Wir erforschen zusammen die Sterne“ reinzubekommen – und weiterhin den Mut haben eigenständige, durchgehende Geschichten zu erzählen – dann kann dies eine der großen Serien des Trek-Universums werden.

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Serie: „Heroes“ (season 1 & 2)

Heroes
2006 – 2010 (4 Staffeln)

Story:
Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Mutanten: Überall auf der Welt tauchen Menschen mit besonderen Fähigkeiten auf. Sie fliegen, können Gedanken lesen, durch Wände gehen oder sich selbst heilen. Doch mit großer Macht kommt nicht nur große Verantwortung – sondern auch große Sorgen: Eine Atomexplosion in New York kündigt sich an und nur wenn sich die befähigten Menschen zusammenschließen kann sie verhindert werden.

Stimmung
„Heroes“ kann man am besten als ‚X-Men‘ trifft ‚Magnolia‘ beschreiben. Auf der einen Seite haben wir die sich langsam verbindenden Geschichten von etwa einem Dutzend Menschen, auf der anderen klassisches Superhelden-mit-Handicap-Kino in der Tradition von Stan Lee (der auch einen Gastauftritt hat).

Schauempfehlung:
„Heroes“ erzählt eine fortlaufende Geschichte sollte also komplett und von Anfang an geguckt werden. Zumindest bis zum Ende von Staffel Eins.

Positiv:
Großartiger Cast, tolle Geschichte, gute Effekte (die aber nicht Selbstzweck sind, sondern der Story dienen). Kurz: Die erste Staffel von „Heroes“ gehört zum absolut Besten, was je in Serienformat produziert wurde. Besonders die ersten 19 Folgen sind ultra spannend, da lange nicht klar ist, welche Beweggründe verschiedene Figuren haben.
Zudem ist der Comic-Buch-Stil sehr gut getroffen – es gibt auch einem Zeichner im Film, der die Handlung dann wieder als Comic umsetzt. Auch die zahlreichen Bezüge zu Star Trek verdienen hohes Nerd-Lob!

Negativ:
Das etwas eilig hingeworfen wirkende Finale von Staffel 1 kann den lang aufgebauten Erwartungen nicht ganz gerecht werden. Das wäre noch zu verschmerzen – käme dann nicht etwas echt blödes: Staffel 2!
Obwohl sie viel weniger Folgen hat ist sie ein arger Sitzfleischtest. Eine billig aussehende und alberne Handlung im feudalen Japan und endlose Folgen, die um Fragen kreisen wie „Ich will Cheerleaderin werden, darf es aber meinem Vater nicht sagen“, dazu ein recht konfuser Plot ohne wirkliches Ziel. Staffel 3 & 4 hab ich mir danach gar nicht mehr angetan. Vielleicht weis jemand ob es danach wieder besser wird?

Fazit:
Staffel Eins ist ein Muss und auf Augenhöhe mit „Lost“ oder „Game of Thrones“.
Danach kommt leider nur ein Haufen Quatsch.
Rette die Cheerleaderin, rette die Welt!

Serie: „Sherlock“ vs. „Elementary“

In der Serienrubrik heute etwas besonderes: Die beiden aktuellen Holmes-TV-Reihen im Test!

Sherlock
Seit 2010, aktuell 10 Folgen

Story
Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und Dr. Watson (Martin Freeman) lösen Fälle im London der Gegenwart.

Stimmung:
„Sherlock“ ist düster, sexy und modern. Die Folgen sind schnell geschnitten, haben brilliante Dialoge und ein Schauspielerduo, welches die beiden Hauptfiguren sehr gut in die Gegenwart übersetzt – mit all ihren Macken. Neben der Rätselei ist auch einiges an Action und stylischen Schauplätzen geboten.

Schauempfehlung
Mit 10 Folgen in Spielfilmlänge ist „Sherlock“ keine typische Serie, eher eine Filmreihe, bei der die einzelnen Folgen aber nahtlos (zum Teil mit Cliffhanger) aneinander anschließen. Sollte man deshalb unbedingt der Reihe nach und vollständig gucken.

Positiv:
Die Folgen sind ein kleines Kunstwerk für sich. Dialoge, Design, Schauspieler und vor allem die Einbeziehung von SMS-Texteinblendungen machen das ganze sehr frisch und modern. Selten wird in einem Film gezeigt, dass die ganze Welt pausenlos am Smartphone wischelt – ohne dass es langweilig ist. Auch die Anspielungen auf die Originalstorys und der hohe Nerd-Faktor (es gibt einen Sherlock-Fan-Club innerhalb der Serie, der mitspekuliert) überzeugen.

Negativ:
Sherlock bezeichnet sich hier selbst als „hochfunktionaler Soziopath“ – und verhält sich auch die ganze Serie über wie ein komplettes Arschloch. Watson dagegen gibt meist den Dödel. Eine echte Freundschaft zwischen ihnen entsteht nicht – im Gegenteil: Im weiteren Verlauf entwickelt sich Sherlock zum Superspion (!) der undercover in Nahen Osten operiert und Watson zur Damsel in Distress abwertet, die ab und zu gerettet werden muss… nee… sorry, aber das ist mir dann doch zu viel Bond und zu wenig Holmes.

Fazit:
Brilliant modernisierter Holmes – aber auf die Dauer zu wenig Charakterentwicklung und zu viel Selbstverliebtheit.

und damit zum amerikanischen Konkurrenten.

Elementary
2012 – heute (aktuell 4 Staffeln)

Story:
Sherlock Holmes (Jonny Lee Miller) und Dr. Watson (Lucy Liu) lösen Fälle im New York der Gegenwart.

Stimmung:
Klassische amerikanische Detektivserie, meist völlig unblutig und mit wenig Action. Der Schwerpunkt liegt auf den Dialogen, der Kopfarbeit beim Lösen der Fälle und der Chemie zwischen den Personen.

Schauempfehlung:
Die meisten Folgen sind in sich abgeschlossene Fälle, alelrdings entwickeln sich die Figuren und ihre Beziehungen stetig weiter. Man sollte daher in Reihenfolge gucken, kann aber getrost Folgen auslassen.

Positiv:
Watson mit Luci Liu zu bestetzen ist echt clever, da es der Serie von Anfang an etwas frsiches gibt. Auch Jonny Lee Miller ist eine gute Wahl – er spielt einen facettenreichen, in der Summe aber sehr sympathischen Holmes. Gerade weil diese zwei eben nicht die „typischen“ Holmes und Watson sind schaut man ihrer Entwicklung gespannt zu – wobei Watson hier durchaus ihre Frau stehen kann und nie zur Gehilfen degradiert wird. Eine große Rolle spielt dabei die Drogensucht des Detektivs, die er in Selbsthilfegruppen überwindet, was recht ernsthaft und glaubwürdig dargestellt wird.

Negativ:
Nicht alle Neuerfindungen sind so gelungen wie die weibliche Watson: Inspektor Lestrade (in Staffel 2) und Mrs. Kitty (Staffel 3) nerven arg, an den sehr speziellen Moriarty musste ich mich erst gewöhnen. Zudem ist die Dialoglastigkeit der Serie bei manchen Folgen anstrengend: Die schlechteren Folgen nerven mit unübersichtlichen Fällen, die in langen Monologen mit vielen Namen von Opfern und Verdächtigen  aufgelöst werden.

Fazit:
Den Inbegriff des britischen Detektivs in eine geradezu klassische Amerikanische Polizeiserie (mit buntem Team, knorrigem Chef und einem sozialem Optimismus) zu versetzen ist eine clevere Idee, die immer wieder für produktive Reibungen sorgt. Auch wenn nicht alle Nebenfiguren so gelungen sind wie die weibliche Watson ist „Elementary“ einen Blick wert.

 

Serie „Star Trek – The next generation“

Star Trek – The next generation
1987 – 1994 (7 Staffeln)

Story:
Die Enterprise D ist unter dem Kommando von Captain Picard (Patrick Stewart) unterwegs durch das Universum um neue Welten und neue Zivilisationen zu entdecken – und stößt dabei meist auf neuen Ärger mit Außerirdischen, Weltraumanomalien oder seltsamen Verwandten…

Stimmung:
TNG ist eine Wundertüte: Mal geht es actionreich zur Sache, mal stehen Charaktere, Soap oder Comedy im Zentrum und dann und wann wird es sogar richtig gruselig und düster (etwa in der Anti-Folter-Doppelfolge 6/10 und 6/11 mit der Patrick Stewart sein Engagement für Amnesty International bis in den Weltraum trug). Eines ist jedoch immer gleich: Das Gefühl bei einer spannenden Reise in die unendlichen Weiten teilnehmen zu dürfen.

Schauempfehlung:
Die ersten zwei Staffeln sind eine Aufwärmphase, die man getrost weglassen kann. Ab da kann man die Folgen fast in beliebiger Reihenfolge gucken, da es (gemessen an heutigen Standards) nur minimale Charakterentwicklung und kaum größere Handlungsbögen gibt. Gerade in den Staffeln 5 und 6 reihen sich dann die Höhepunkte schnell aneinander.

Positiv:
Die schönen Modell-Effekte wirken auch 30 Jahre später noch ansehnlich und lassen keinen Augenkrebs aufkommen. Und dann ist da natürlich die Crew: Für jemanden wie mich, der mit der Rüpelbande um Kirk aufgewachsen ist, war die ‚politisch korrekte‘ Crew der Enterprise-D, die stets höflich miteinander umgeht, erst mal ein Kulturschock. Doch bei näherer Betrachtung ist TNG gerade wegen der besonnen Art des Teams am nähsten an der Vision von Trek-Schöpfer Gene Roddenberry – als Beispiel für eine Menschheit, die sich nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich weiterentwickelt hat.

Negativ:
Gemessen an heutigen Maßstäben fehlen der Next Generation spürbar eine fortlaufende Story und Charakterentwicklung. Da hängt die Serie noch zu sehr dem alten Muster der beliebig austauschbaren Folgen an, so dass alle Entwicklungen einer Folge  in der nächsten meist vergessen sind. (Das allerdings mit einigen markanten Ausnahmen)

Fazit:
Es gibt viele Buchstaben im Alphabet. Aber D ist sicher nicht der schlechteste.

 

Serie „Bones“

Bones
2005 – heute (11 Staffeln, die zwölfte soll die letzte sein)

Story:
Zwei Deppen stolpern über eine Leiche – so beginnt fast jede Folge von Bones. Anschließend kommen FBI-Agent Seeley Booth (David Boreanaz) und die geniale Antrophologin Dr. Temperance Brennan, genannt „Bones“ (Emily Deschanel) zum Einsatz. Brennan ist Spezialistin dafür aus kleinsten Details an Knochen Hinweisen auf die Todesursache zu finden. Unterstützt wird sie von Fachleuten auf anderen Gebieten wie Haut, Gesichtserkennung oder auch Käfern… Doch während diese Leute auf ihren Gebieten Experten sind hapert es – vor allem bei Bones selbst – etwas mit der praktischen und zwischenmenschlichen Seite, was für viel Humor sorgt.

Stimmung:
Bones ist eine größtenteils recht lustige Serie, bei der die unterschiedlichen Charaktere der Ermittler im Zentrum stehen. Zwar gibt es immer wieder recht eklige Leichen – aber mit der Zeit gewöhnt sich auch der Zuschauer den wissenschaftlichen Blick der Protagonisten an und sieht statt gruseliger Skelette nur noch Tibia, Ulna, Radius… die Serie ist nämlich auch ein kleiner Amateurkurs in Anatomie!

Schauempfehlung:
Bones zeigt meist abgeschlossene Fälle, dazwischen gibt es aber auch immer wieder Bösewichter, deren Taten sich über mehrere Folgen hinziehen. Zudem sind die Entwicklungen der Charaktere stark im Fokus – deshalb kann man zwar Folgen auslassen (die ganze Staffel 1 ist eine Art Warmlauf-Phase), sollte aber nicht in der Reihenfolge springen.

Positiv:
Coole Gastauftritte! Unter anderem Stephen Fry, Cindy Lauper oder Bill Gibbons von ZZ-Top! Auch gut: Durch die große Zahl an Folgen wachsen einem die Personen ans Herz und man kann ihre Entwicklung (auch in Echt, durch Älterwerden oder Schwangerschaft) gut verfolgen.

Negativ:
Die Bösewichter, die über mehrere Folgen auftreten (Totengräber, Pelant) sind sehr nervig und die Fälle deutlich düsterer als die Stand-Alone-Epsioden – dummerweise aber auch die in denen viele wichtige Entwicklungen für die Charaktere passieren.

Fazit:
Nerdige Charaktere in spannenden Fällen – mit nur wenigen Durchhängern.