Archiv der Kategorie: Le Frisur

Kino: Sanfte Räuber – „Die Rote Zora“

Haha! Was haben wir denn hier?
Einen „Goldhimmel-Film“, der versucht sich mit einem Trick durchzumogeln?!?!
Zwar endet die „Rote Zora“ von Peter Kahane ausnahmsweise nicht damit, dass sich die Himmel öffnen und ein goldenes Licht herabscheint – das liegt aber nur daran, dass die Öffnerei schon vor dem Vorspann stattgefunden hat und wir nun 90 Minuten lang sehen, wie die Adria-Sonne Glanzlichter auf Kinderfrisuren setzt, die genausowenig nach monatelangem Hausen und Hungern in Ruinen aussehen, wie die Kleider oder die Körper der adretten, wohlgenährten Bande.

Nee. Diese „Zora“ ist ziemlich plöt. Und sie hat auch keine so schmackige Titelmelodie wie die Serie.

WERTUNG: 4

Hier die Zeitungskritik

Werbeanzeigen

Kino: Iranische Frauen, amerikanische Gangster

Als Entertainment-Junkie tu ich mich immer etwas schwer mit Filmen, die mehr sein wollen als Unterhaltung. Die Fakten vermitteln wollen, persönliche Gefühle ihrer Autoren oder die gar botschaftverdächtig sind. Aber an den letzten zwei Abenden gabs doch zwei Beispiele für Filme, die Geschichtsstunden geschickt mit Amüsemang verbanden.

Einmal: „American Gangster“ von Ridley Scott, 2007

Die Filme von Ridley Scott sind ja immer eine Wundertüte für den Herrn. Manchmal ist was ganz tolles drinn („Bladeranner „, „Alien“) manchmal schrecklicher Krimskrams („Gladiator“, „G.I.Jane“).

Diesmal liegt er wieder ziemlich richtig: Erzählt wird der Aufstieg eines schwarzen Drogendealers (auch als Gangster seriös wie immer: Denzel Washington) der Heroin direkt aus Vietnam importiert – über die Soldaten der US Army. Das Geschäft funktioniert, weil niemand – weder die Patrioten, noch die alteingesessene Mafia – glauben wollen, dass sowas möglich ist: Ein schwarzer, der mehr ist als Handlanger und der noch die heiligen Soldaten mitreinzieht.

Der zweite Handlungsstrang ist weniger interessant: Mit schlechter Frisur und in einer Rolle, die wohl für einen Jungspund geschrieben wurde jagt Russel Crowe als ehrlicher Polizist Gangster und korrupte Kollegen.

Das Zeitportrait das entsteht wirkt facettenreich und realistisch – vielleicht aber auch nur deshalb, weil man die Mischung aus Story und History, Journalismus und Hollywood schon aus anderen, cooleren Filmen nach Stoffen von „Gangster“-Producer Nicolas Pileggi („Casino“, „Goodfellas“) kennt.

WERTUNG: 2

Gar nicht kennen tu ich dagegen den Iran.
Ehrlich gesagt verwechsle ich ihn auch oft mit dem Irak.
Es ist ja auch doof, zwei Länder nebeneinander so ähnlich zu nennen. Dass muss ja Ärger geben!

Persepolis“ von Vincent Paronnaud und Marjane Satrapi, 2007

füllt diese Lücke. Aus der Sicht eines Mädchens wird die Geschichte des Landes erzählt. Von der Revolution, die zwar den Schah vertreibt, aber nur um ihn durch eine religiöse Diktatur zu ersetzen bei der das Mädchen, das eigentlich Punk, Kommunist oder Prophetin sein will, ständig von finsteren Bartmännern und Kopftuchträgerinnen gepiesackt wird.

Irgendwann schicken sie ihre (reichen, mit dem alten König verwandten) Eltern nach Wien, wo sie – sehr witzig – gleich von Nonnen mit Kopftuch empfangen wird!

Als Realfilm wäre das vermutlich unerträglich plakativ und peinlich – immerhin ist die Regisseurin auch Autorin und hat das alles so ungefähr erlebt – aber durch den tollen reduzierten Zeichentrick, der viel mit Schattenrissen arbeitet, ist es vor allem ein ästhetisches Abenteuer, das immer wieder aufs neue überrascht.

Wertung: 1

Warum gibt’s eigentlich nicht für jedes Land ein gezeichnetes Intro-Filmchen?

Camilla und ich

Heute war ich seit langem mal wieder beim Friseur. Beim warten blättere ich durch eine hochinteressante Frauenzeitschrift in der ich unter anderem erfahre was Günther Jauch mit einer Million machen würde („weis ned“) und dass man in New York für nur 30 Dollar ein kleines schwarzes finden kann, dass aussieht wie von Jackie O.. Wieder was gelernt!

Besonders interessant finde ich aber einen Artikel über Camilla (die von Charles) und ihre Frisur. Sie geht jeden Monat zum Friseur, sagt das Blatt, und zahlt 600 Euro dafür. Weil sie aber sparsam ist, fönt sie selber und lässt den Wind den Rest erledigen! Dadurch spart sie Monat für Monat 30 Euro!!

Das ist doch genau das, was man beim Friseur lesen will! Dass der eigene Haarschnitt nur die Hälfte von dem kostet, was Camilla nicht zahlt!

Und ich seh trotzdem besser aus als sie.

DVD: „Schlechte Frisuren, Vol. 2“

„Blue Velvet“ , David Lynch, 1986.

Oh jeh, der Fluch der 80er setzt sich fort in diesem zweiten Schnäppchen von der DVD-Börse. Diesmal sind es Laura Dern und Isabella Rosellini, die um die scheußlichste Frisur wetteifern: Dern trägt den Haarschnitt eines Pudels und Rosselini jene 80er-Löwenmähne, die Kate Bush in „My Lionhaar“ besungen hat. Den Kampf um den ekligsten Akzent gewinnt jedenfalls Rosellini mit ihrem italienisch-englisch und am nervigsten von allen ist Dennis Hopper, der mal wieder den durchgeknallten gibt.

Aber von vorn: Also ein Typ (Kyle MacLachlan) findet ein Ohr auf ner Wiese und will rauskriegen wie das da hinkam. Die Spur (naja, Spur ist übertrieben, der Plot wird halt willkürlich losgekickt, aber Lynch darf das, sind ja Träume, keine logischen Erzählungen was er macht) führt in zur einer Sängerin, die scheinbar dauernd nur Blue Velvet singt und mit der er eine recht ungesunde Liebesaffaire beginnt. Dazu kommt dann noch ein oberirrer Killer, der den Buben auf eine Horrorfahrt ins nächtliche Lynch-Land mitnimmt.

Farben, Musik und gruselige Stimmung sind wie immer bei Lynch Top, aber irgendwie ist mir hier alles zu eklig, ohne dass es dafür einen anderen Grund gibt, als dass Papa Lynch nach seinem Mainstream Debakel „Dune“ halt mal wieder richtig aufdrehen wollte. Die Konfrontation Spießer vs. Gangster ist dann auch in vielem weitaus plakativer und konventioneller als in späteren Lynch-Werken, wo Verbrecher und Bürger nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.

Ein weiteres großes Problem (neben den Haaren!) – das sich dem Publikum 1986 sicher noch nicht gestellt hat – ist, dass ich Kyle MacLachlan in keinem Moment den netten Schüler von nebenan abnehme. Mann – der Typ ist einen Kopf größer als alle anderen in dem Film und lässt sich von dem Giftzwerg Hopper schikanieren? Wann zückt er seine Marke und zeigt, dass er in Wirklichkeit F.B.I. Agent Cooper ist?

Nee, also schlecht gemacht ist das nicht, but not my damn fine cup of coffee.

WERTUNG: 3

DVD: „I’ll be back! Vol. 1“

„The Terminator“ by James Cameron, 1984

Ha. Das andere Schnäppchen von der DVD-Börse stellt sich mal nicht als Flop heraus, wie die Kitamura-Box.

Den ersten Terminator kannte ich bisher nur deutsch, gekürzt und im Fernsehen. Und auch das ist schon mindestens 10 Jahre her. Umso schöner dann das Wiedersehen!
Über die Story brauch ich ja nix mehr sagen, nur dass mich wundert, wie präzise hier schon alle Voraussetzungen für den 8 Jahre später entstandenen T2 geschaffen werden. Als hätte Cameron schon damals genau gewusst, wo er mit der Story hinwill.

Es ist richtig cool die vertrauten Charaktere aus T2 in ihren Ursprüngen zu sehen: Reese, Dr. Silvermann und natürlich Sarah Connor, deren Wandlung von Waitress zu Warrior sehr schön angedeutet wird. Leider leidet besonders Linda Hamilton hier unter dem Fluch der 80er: Schlechte Frisuren!! Und Neon-Klamotten!! Erstaunt hat mich auch, wie unglaublich hoch der Bodycount ist (dagegen ist T2 wirklich weichgespühlt) und dass viel mehr Zukunfts-Szenen dabei sind. Natürlich sieht man die recht billige Produktion an vielen Stellen, aber trotzdem: Wenn am Ende der eindeutig handanimierte Stahl-Terminator über die Leinwand wackelt ist das gruseliger als jede Computeranimation: Das ist zwar nur eine Puppe – aber sie ist ECHT.

Ein sehr sauberes B-Movie, sehr visuell mit genial minimalistischen Dialogen („Welches Datum haben wir heute?““Den 12. März““Welches JAHR??“) und bei dem man überall schon merkt, wie die Saat für größeres, ausgereifteres gelegt wird, die dann in Teil2 aufgeht. I’ll be back.

WERTUNG: 1