Archiv der Kategorie: Voodoo-Insel

„Drei Töne reichen“ – Ein Nachmittag bei Dan Reeder

Um Musik für die Kneipenszene von „Ulun Ibahn“ zu bekommen besuche ich heute Dan Reeder. Ein bischen schüchtern bin ich schon, denn wie soll man jemanden der Texte wie „I got all the fuckin‘ work I need“ und „I don’t wanna talk to you!“ schreibt, bitten Musik für ein Hörspiel zu machen. Und dass auch noch umsonst.

Aber Dan stellt sich als super nett heraus. Er mag Hörspiele und fängt gleich an Musik zu machen. Er hat nur keinen Bock stressig angelabert zu werden – deshalb mag er Nürnberg, „weil alle hier so passiv sind.“ In seinem Atelier sieht es ähnlich ordentlich aus wie bei mir, nur dass hier statt Zeitungen und DVDs vor allem selbstgebastelte Instrumente rumliegen: Gitarren, Posaunen aus Pappmachée, Drums aus Farbeimern. Sogar sein Equipment ist – bis auf das Mikrofon – selbst gebastelt. Das Mischpult mit dem er seine erste CD gemixt hat ist eine Keksdose mit Vatikan-Motiv.

Seine CDs hat er übrigens selber nicht – denn da sie bei einem amerikanischen Verlag sind muss er sie selber importieren und Zoll zahlen…

Für mich spielt er auf einer selbstgebauten Gitarre, deren Mini-Korpus mit Leinwand bespannt ist, weil eigentlich ist er ja Maler. Sie hat nur drei Saiten, mehr braucht er nicht: „Bei E-Gitarre geht meine Stimme unter – bei Bass genauso.“ Deshalb setzt er auf einen reduzierten Sound, ohne Firlefanz: „Drei Noten reichen – zumindest für mich.“

dr-klein.jpg

Schade, dass Wolfgang nicht dabei ist, hätte mich mal interessiert die beiden zusammen spielen zu hören. Für Ulun Ibahn wird Dan jedenfalls im nächsten Monat etwas einjammen, was hoffentlich gut nach Kneipe klingt. Doch jetzt muss er erst mal eine andere wichtige Mission erledigen: Katzenstreu kaufen.

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2xVoodoo

Yeah, wieder mal ein ereignissreicher Studiotag in der Voodoo-Produktion.

Am morgen liest ein Herr mit dem klangvollen Namen Leandro Marton-Karoly, der auch in der Lage ist auf Pferden zu jonglieren! – den Vater der Heldin ein und wird dabei auch gleich profesionell abgelichtet, damit wir endlich mal Produktions-Fotos haben.

Am Nachmittag sind meine zwei Hauptsprecher noch einmal zusammen. Und diesmal fliesst alles: Die Szenen kommen am Stück perfekt, der Lohn der Mühen der vielen Diskussionen und der ganzen Detailarbeit. Jetzt sind fast alle Texte im Kasten, das Ende ist absehbar. Und es klingt so gut!!

Chilly mit Paprika: Das CR-Schreibwochenende

Von aussen sieht dieses geniale Häuschen erst mal nicht nach „Dark Future“ aus. Aber in den letzten vier Tagen waren hier die 5 Laptops von hör-q-nst aufgebaut, für ein ebenso spaßiges, wie effektives langes Schreibwochenende. Neben dem Einverleiben eines Riesentopfes Chilly, diverser Spezialitäten („fränkisches Schnitzel“), hunderten von „South Park“-Folgen, diverser Filme (vom auch beim zweitenmal absolut inspirierenden „Paprika“ über den witzigen „Pick of Destiny“ bis hin zu „Goth (weder lustig, noch inspirierend).

Und folgendes bringen wir mit nach Hause: Ein praktisch fertiges Skript für CassRun 5, 30 Minuten Rohmix Ulun Ibahn, ein Rohmix für den 2. Dreiminüter, ein Konzept für ein zweites Livestück, sowie eine Reihe weiterer kleiner Überraschungen.

Also, freut euch drauf!

Ich bin in der Zeitung!

…was ja als Journalist eigentlich nichts besonderes ist. Aber diesmal bin ich nicht der Interviewer, sondern der Interviewte. Das ist ganz schön seltsam, weil man sich plötzlich kluge Antworten überlegen muss….

Jedenfalls ist der netten Kollegin hier ein schöner Artikel über die Aufnahmen zum aktuellen Voodoo-Hörspiel gelungen. Auch wenn das Foto nicht sehr realistisch ist – normalerweise stehen die Sprecher nämlich nicht mit dem Bobbers zum Techniker und auch der Herr hinterm Mischpult guckt nicht immer so dämlich. Hoffe ich. Aber das sind halt so die Details.

Wir haben jetzt schon unzählige Stunden im Studio verbracht und Stimmen aufgenommen, wobei Kai seine Rolle direkt aus Norwegen geschickt hat! Mensch, die moderne Technik – früher hätten wir uns das alles merken oder ein Buch schreiben müssen…hehe.

Hier jedenfalls die Zeitungsstory

Hören und sehen – die Produktion zwischen den Jahren

Nicht schlecht, was die kreative Produktion angeht, braucht sich die erste Woche in 2008 nicht verstecken – es wurde einiges auf den Weg gebracht! Ich hab…

  • Zwei Segmente des „Lobo“-Films für das Jubiläum des Jugendfilmfestivals gedreht.
  • Einen neuen Dreiminüter mit Ruth aufgenommen.
  • Etwa die Hälfte der Sprachaufnahmen für die Voodoo-Insel im Kasten
  • Jeweils eine Demo-Version vom ersten und zweiten Akt der Voodoo-Story gemischt.
  • Endlich den „Willy Blau“-Trailer gemischt

Gerade letzer war ein Riesenact: Aus lauter unspektakulär, unbeweglichem Rohmaterial (Wir bei der Lesung an unseren Pulten) einen hollywoodartigen, dynamischen Trailer zu basteln war für mich vermutlich die größte Filmschnitt-Herausforderung seit „Robin Hood“. Und der war immerhin schon 1992.

Da ist es auch zu verschmerzen, dass Sylvester nur aus Kopf zum Fenster drehen, kurz Raketen gucken, dann wieder auf den Bildschirm schauen bestand.

Ausserdem bin ich sogar mal wieder dazu gekommen ein Buch zu lesen – wenn auch nur 10 Seiten und dutzende von Filmanfängen in meiner neuen Rubrik zu sortieren. Und diese Woche werd ich noch ein weiteres Lobo-Filmsegment drehen.

Wenn das so weiter geht erreiche noch Fassbinder-Tempo. Allerdings ruft nun auch wieder das journalistische Tagesgeschäft mit seinen nörgelnde nNachbarn, wahlwütigen Politikern und sonstigen Individuen, die unbedingt in die Noris Neuigkeiten wollen. Mal sehen wie lang die guten Vorsätze (Weniger !! Mehr !!) halten.

Voodoo: Schauspieler und Radioleute – Ein paar Gedanken übers Aufnehmen von Stimmen

Als wir 2000 mit unserem ersten Hörspiel anfingen waren die meisten unserer Sprecher Radioleute – ‚echte‘ Schauspieler waren damals noch gar nicht innerhalb unseres Horizontes. Inzwischen hat sich das geändert und wir haben immer mehr die Vorteile von Profi-Schauspielern entdeckt. Erstaunlicherweise scheinen beide Gruppen sehr unterschiedlich zu sein, wenn es darum geht einen Text in ein Mikro zu sagen. Ich will mal versuchen diese Tendenzen (individuell ist natürlich jeder wieder anders) zusammenzufassen – auch um herauszufinden, wie ich meine eigene Arbeit als Dialogregisseur den spezifischen Anforderungen anpassen kann.

Radioleute (zu denen ich mich auch zähle) tendieren dazu, ins Studio zu spazieren, den Kopfhörer aufzusetzen und das was auf dem Blatt steht mit Begeisterung runterzulesen. Es kann der größte Scheiss sein – das sind sie aus dem Job gewohnt: „Die besten Hits der 80er, 90er und 00er Jahre!“ – sie lesen es mit Spaß und Emphase!
Radioleute hören gern ihre eigene Performance an und lernen daraus, wie sie es besser machen können.
Grob gesagt arbeiten wir eher an der Technik: Tempo, Lautstärke, Betonung und nutzen die Charakter-Motivation eher als groben Hintergrund. „Ok., mein Typ ist happy, ich sags mal fröhlich und dann gucken wir mal…“

Im Grunde wird hier eher ein KLANG MODULIERT bis er der Idee der Stimmung entspricht.

Vorteil: Es geht sau schnell
Nachteil: Es fehlt oft eine gewisse „Aufrichtigkeit“ in bezug auf den Text. Es gibt eher „Muster“ für einzelne Stimmungslagen als wirkliche Gefühle.

Schauspieler von Bühne und TV neigen dazu ohne Kopfhörer aufzunehmen. Auch sind sie viel vorsichtiger mit großen Gesten (die man ja im Radio ohne weiteres machen kann). Zudem sind sie viel mehr interessiert und besorgt über den Inhalt: Warum sagt mein Charakter das? Sie scheinen das aufgenommene nicht gern hören zu wollen, vertrauen lieber auf das Urteil und die Leitung des Regisseurs.

Im Grunde scheint mir hier eine STIMMUNG ERARBEITET zu werden, aus der dann der Klang resultiert.

Nachteil: Es dauert länger. Man muss viel erklären.
Vorteil: Die dargestellten Gefühle sind glaubwürdiger.

Eine besonders interessante Situation haben wir jetzt beim Voodoo-Hörspiel, wo bisher ein Radiotyp (Ich) versucht mit seinen Radiomethoden den Leuten zu erklären, was rauskommen soll: Betonung, Lautstärke, Tempo – all das hab ich genau im Kopf und kann es ggf. auch vormachen, aber wenn es um Charaktermotivation geht, muss ich in ausführliche Erklärungen verfallen, die dann den flow bremsen.

Was mir jetzt nicht ganz klar ist, wie ich mich methodisch anpassen kann, um auch Schauspielern das optimale Umfeld als Sprecher zu bieten. Mehr improvisieren lassen? Noch ausführlicher im Vorfeld über den Charakter der Figur sprechen? Wie erreiche ich einen natürlichen, selbstbewussten Flow wie beim Radiosprecher, der gleichzeitig die Nuancen des Charakters mitträgt?

Damn! Ich weis so wenig über den ganzen Kram – aber umso wichtiger ist dieses Voodoo-Experiment. Und man merkt auch wie sicher wir inzwischen in unseren Cassandra-Mustern sind, wo wir die Charaktere nach 7 Jahren einfach anknipsen können. Was auch cool ist.

Kino: Schwerter des Königs

Der erste Aufnahmetag für „Ulun Ibahn“. Barbara und ich arbeiten etwa sechs Stunden ziemlich konzentriert an ihrer Off-Erzählung, welche den ganzen ersten Akt tragen wird.

Zur Entspannung hock ich mich danach in „Dungeon Siege – Schwerter des Königs“ (2007) eine recht amüsante Euro-Trash-Produktion von Uwe Boll, die hemmungslos beim Herrn der Ringe abkupfert: Ray Liotta (!) nutzt seine Tuning-Kräfte um das Königreich von Burt Reynolds (!!) anzugreifen. Im Weg stehen ihm Jason ‚Transporter‘ Statham, Gimli, T-X und Hellboy!! Na wenn das mal kein Cast ist!

Von der ‚Story‘ verschlaf ich trotzdem das meiste, was ich sehe ist aber seeehr innovativ: Am Anfang überfallen die Bösen nämlich ein friedliches Bauerndorf und am Ende (jetzt kommts!!) öffnen sich die bislang regenverhangenen Himmel und ein goldenes Licht scheint herab! Wahnsinn! Wo nehmen die nur all diese Ideen her??

Aber die Kampfszenen sind nett (wenn auch wacklig und schnell geschnitten) und es gibt einige nette Ideen, wie die durch Bäume gleitenden Waldamazonen oder die Orks, die sich selbst als brennende Schleuderkugeln nutzen. Witzig auch, dass alle Szenen mit Special-FX irgendwie unscharf sind, so war das nämlich im Mittelalter, da waren die Rechner noch langsamer. Kurzum:

WERTUNG: 3

Jetzt aber Schluss mit Voodoo!

Puh!! Nach sechs weiteren Schreib- und Kürzstunden wird das Laptop vorerst endgültig zugeklappt für die Voodoo-Insel. Erfreuliche 48 Seiten sinds und werden damit wohl wieder anderthalb Stunden Hörspiel ergeben.

(Zum Vergleich: Die „Cassandra“-Hörspiele pendeln sich immer irgendwo um die 70 Seiten ein, enthalten aber auch alternative Wege, die dann nicht zur Sendezeit dazukommen).

Ich bin jetzt eigentlich ganz zufrieden, obwohl man nach nem knappen Jahr (sporadischer) Bastelei nicht mehr sagen kann, obs hintenraus ned doch zu strange wird, weil ichs mit den Geheimnissen etwas übertrieben hab – oder ob vielleicht alles glasklar ist. Egal. Heut abend wirds mit etwas Abstand noch mal überflogen und dann gehts morgen ab zum Druck und zu den Sprechern. Immerhin solls nächste Woche ja gleich losgehen mit den Aufnahmen…

Voodoo für Wolfgang

Gerade zurück vom Komponisten Wolfgang Eckert. Er kocht Nudeln und ich erzähl ihm das ganze Voodoo-Stück von vorne bis hinten, quasi als Live Hörbuch. Auch das erste mal, dass ich die Story ganz höre. Und ich muss sagen: Es funzt! Wolfgang ist ein ideales Test-Publikum. Man kann sich nämlich auch ziemlich dämlich vorkommen, wenn man von Menschen erzählt, die sich in Tiere verwandeln und das Publikum dich anschaut als wärst du Nina Hagen. Aber für einen Lvl 70 Druiden ist sowas natürlich easy zu verstehen. Ab der Hälfte fängt er sogar an wilde Spekulationen zu generieren, wer wen getötet hat oder welche Verwicklung hinter dem ganzen steckt – genauso soll es sein!! Und auch das ‚Hybrid-Ende‘ funzt.

Anschließend zieht er noch eine halbe Million Stücke aus seinem unendlichen Wundertopf der Melodien von denen sich vieles schon verflixt ähnlich anhört wie der fiktive Soundtrack in meinem Kopf. Jetzt muss ich eigentlich nur noch das Ende zu Papier bringen (und noch hier und da ein bischen kürzen, yeah) dann kanns im Dezember wirklich losgehen mit der Voodoo-Insel.

Voodoo: EndeNeu

Nachdem inzwischen die Besetzung fast komplett ist und die Aufnahmen für Dezember angesetzt sind steht nun der Kampf mit dem letzten Akt der Voodoo-Insel an. Leider bin ich mit meinem bisherigem Schluss noch recht unzufrieden. Er ist schon ganz ok, magisch-romantisch, etc. und man würde in jedem Hollywood-Film damit durchkommen. Aber andererseits ist es genau das Ende, dass ich als Kritiker häufig und gern als zu konventionell bemäkle, weil schon zu viele Hollywood-Filme damit durchgekommen sind.

Dabei ist dieses Ende ja schon das zweite. Das ursprüngliche Ende (als die Geschichte noch eine Serie werden sollte) war ein Downer: Etwa ab zwei drittel der Story sollte sich dabei herausstellen, dass das ganze Voodoo-Zeug nur Firlefanz ist, und der Vater Opfer einer banalen Grundstücksspekulation geworden ist. Als writer/producer amüsiert mich so ein Schluss köstlich, weil er alle Erwartungshaltungen schäbigst unterläuft – aber als Hörer glaub ich wäre ich enttäuscht. Auch zeigte „Session X“ ja wohl, das Antiklimaxe nicht soo beliebt sind.

Momentan arbeite ich deshalb an einer Art Hybrid-Ende, dass die besten Elemente der ersten beiden Versionen verbindet (nämlich enttäuschend UND konventionell zu sein 🙂 ) . Der momentane Plan ist derart bizarr und comic-mäßig überkandibelt, dass er glaub ich schon wieder lustig ist, nur muss ich noch einen Form finden ihn auch verständlich und knapp zu bekommen. Nix ist schlimmer als endloses Plotauflösungsgesabbel im letzten Akt. Und natürlich dürfen die Änderungen am Ende nicht die Charaktere der ersten beiden Akte kaputt machen.

Auf jedenfall ist es ein Ende, mit dem ich nicht gerechnet hätte.