Archiv der Kategorie: Goldhimmelfilme

Kino: Sanfte Räuber – „Die Rote Zora“

Haha! Was haben wir denn hier?
Einen „Goldhimmel-Film“, der versucht sich mit einem Trick durchzumogeln?!?!
Zwar endet die „Rote Zora“ von Peter Kahane ausnahmsweise nicht damit, dass sich die Himmel öffnen und ein goldenes Licht herabscheint – das liegt aber nur daran, dass die Öffnerei schon vor dem Vorspann stattgefunden hat und wir nun 90 Minuten lang sehen, wie die Adria-Sonne Glanzlichter auf Kinderfrisuren setzt, die genausowenig nach monatelangem Hausen und Hungern in Ruinen aussehen, wie die Kleider oder die Körper der adretten, wohlgenährten Bande.

Nee. Diese „Zora“ ist ziemlich plöt. Und sie hat auch keine so schmackige Titelmelodie wie die Serie.

WERTUNG: 4

Hier die Zeitungskritik

Werbeanzeigen

Kino: Schwerter des Königs

Der erste Aufnahmetag für „Ulun Ibahn“. Barbara und ich arbeiten etwa sechs Stunden ziemlich konzentriert an ihrer Off-Erzählung, welche den ganzen ersten Akt tragen wird.

Zur Entspannung hock ich mich danach in „Dungeon Siege – Schwerter des Königs“ (2007) eine recht amüsante Euro-Trash-Produktion von Uwe Boll, die hemmungslos beim Herrn der Ringe abkupfert: Ray Liotta (!) nutzt seine Tuning-Kräfte um das Königreich von Burt Reynolds (!!) anzugreifen. Im Weg stehen ihm Jason ‚Transporter‘ Statham, Gimli, T-X und Hellboy!! Na wenn das mal kein Cast ist!

Von der ‚Story‘ verschlaf ich trotzdem das meiste, was ich sehe ist aber seeehr innovativ: Am Anfang überfallen die Bösen nämlich ein friedliches Bauerndorf und am Ende (jetzt kommts!!) öffnen sich die bislang regenverhangenen Himmel und ein goldenes Licht scheint herab! Wahnsinn! Wo nehmen die nur all diese Ideen her??

Aber die Kampfszenen sind nett (wenn auch wacklig und schnell geschnitten) und es gibt einige nette Ideen, wie die durch Bäume gleitenden Waldamazonen oder die Orks, die sich selbst als brennende Schleuderkugeln nutzen. Witzig auch, dass alle Szenen mit Special-FX irgendwie unscharf sind, so war das nämlich im Mittelalter, da waren die Rechner noch langsamer. Kurzum:

WERTUNG: 3

Kino: Bla bla bla oder „Der goldene Kompass“

Herrjeh, ist denn Filmemachen wirklich so schwer?

Gibt es nicht tausende Arten einen Satz wie

„Ich fürchte mich ein wenig vor Mrs. Coulter“

 

in Bildern auszudrücken?

Der Schatten der bösen Hexe über dem kleinen Mädchen? Zwei Blicke? Ein zurückweichen?

Nichts von alledem in „Der goldene Kompass“ von Chris Weitz (2007) .

Da wird dann tatsächlich „Ich fürchte mich ein wenig vor Mrs. Coulter“ in die Kamera gesagt. Und das ist nicht die Ausnahme! Zwei Stunden lang geht das so: Bla bla bla.

Schon wieder so eine Fantasy-Gurke, die sich an den Erfolg vom Herrn der Ringe dranhängen will. („Haben wir noch irgendwas von nem Briten, was ne Trilogie hergibt?“) und doch nur zeigt wie liebevoll und sorgfältig Jacksons-Hobbit Epos im Vergleich zu all diesen Schnellschüssen war.

Muss sich noch erwähnen, dass sich am Ende die Himmel öffnen und ein goldenes Licht herabscheint? Filme die so enden, verdienen ja bald eine eigene Kategorie! („Ich fürchte mich ein wenig vor Goldhimmelfilmen„)

Aber in diesem Fall ist es ja gar kein Gold.

Nur Staub.

WERTUNG: 5

Zur Zeitungskritik

P.S.: Die unvergleichliche Käte singt den Abspannsong für diesen Quatsch. Muss das sein?

Kino: Entschuldigung, aber sie stehen auf meinem Bioorgon-Akkumulator!

Nach über dreißig Jahren im Kino sollte man ja meinen man hat den schlimmsten Unfug schon gesehen.

Und dann kommt „Die Prophezeiung von Celestine (Armand Mastroianni, 2006) und macht alles noch schlimmer.

Ein blasser Typ fährt nach Peru um dort erzählt zu bekommen, dass er sich öffnen muss und mit dem Herzen sehen und seine Energie fliessen lassen. Das böse Militär kommt und schiesst drauf. Aber am Ende öffnen sich die Himmel und ein goldenes Licht…… JA KÖNNEN DIESE VERDAMMTEN HIMMEL NICHT EINMAL ZUBLEIBEN!!! Ich kanns nicht mehr sehen!

Vor allem nicht wenn die Ästhetik dieses grottenüblen Esoterik-Kitsches irgendwo zwischen „Emanuelle“-Exotik und 80er Fototapete klebt. Selbst wenn es Energieströme zwischen Leuten gibt (warum auch ned, nur zu) hilft es doch nicht sie aussehen zu lassen wie ein Airbrush-Gemälde.

Vielleicht weil der Film doof ist, präsentieren die Verleiher ihn als Teil einer spirituellen Gesamterfahrung – doch weder die vorangehende Selbstoffenbarung eines Verleihers („Dieses Buch hat mein Leben verändert“) noch die anschliessende Meditation (bei der lustigerweise mehrfach das Mikro ausfällt), oder die ‚Diskussion‘ helfen da: Es ist eben nicht alles eins und wer Plato, keltische Mystik, Schamanismus, Christentum, C.G.Jung, Mickey Mouse und die Hochzeit von Kanaan derart scham- und humorlos vermischt tut allen seinen Quellen unrecht.
Und dass während dem Film – im Kino – schon die Werbung für die Website mit der DVD eingeblendet wird – das hab ich auch noch nicht erlebt.
Könnte bitte mal jemand die Händler aus dem Tempel treiben?

Aber hey – das Kino ist voll und die Mehrzahl der Anwesenden scheint aus dem gebotenen wohl irgendwas für ihr Leben mitzunehmen. Es sei ihnen gegönnt. Aber für mich – der ich ja durchaus auch ziemlich lost bin – hoffe ich, dass ich nie so verloren sein werde, dass ich jemals so schlechte Filme brauche, um mir den Weg zu zeigen.

WERTUNG 5 (weil ich Kretschmann sympathisch finde und hoffe, dass er nicht so endet wie Jürgen Prochnov, der hier auch mitspielt). Die Zeitungsgeschichte ist hier

Ich muss aber auch zugeben, dass ich mein erhebendes Erweckungserlebnis des Tages schon im Foyer verbraucht habe – und zwar beim Anblick dieses Posters:

elizabeth-the-golden-age-poster-0jpg.jpeg

Cate Blanchett in Plattenrüstung?
In der Fortsetzung eines der geilsten Historienfilme aller Zeiten?

Ja, da fliesst die Energie!

This is my church, this is where i heal my hurts

Kino: Der Himmel kann nicht ruhen – „Restless“

Fantasy Filmfest #11

Zum Abschluss des Fantasy Filmfests noch mal was richtig…. belangloses:

„Restless“ von Dong-oh Cho, 2006

Wie üblich kämpfen Gut und Böse, diesmal im Jenseits (weshalb die Kämpfer nicht bluten, sondern sich kinderfreundlich in brennendes Papier auflösen), mit viel Wire-Fu und noch mehr Blabala. Am Ende siegt die Liebe, die Himmel öffnen sich und ein goldenes Licht…

WERTUNG 4

Ein durchwachsener Schluss für ein durchwachsenes Festivalprogramm. Ich hab mehr gesehen als in den Jahren zuvor, aber vielleicht deshalb auch mehr aufgeblasenen Schmarrn. Die Auswahl ist halt immer ein Glücksspiel und hinterher bleibt vor allem die Neugierde, auf das, was man gern gesehen hätte, aber verpasst hat: Otomos „Mushishi“ oder die Empfehlung „Le Serpent“, Jean Dujardin als Bond in „Cairo, Nest of Spies“ oder Lucy Liu als naggicher Vampir in „Rise“… Aber man kann ja nicht alles haben – und immerhin waren mit „Paprika“, „Film Noir“ und „Contre-Enquete“ drei echte Hits dabei.

Hier noch mal die Hitliste des Festivals:

1. Paprika
2. Film Noir
3. Contre-Enquete
4. The Last Winter
5. I am a cyborg but that’s O.k
6. La Antena
7. The Messengers
8. Restless
9. Wolfhound
10. Tales from Earthsea
11. The Living & The Dead

Und die gute Nachricht zum Schluss: Nächstes Jahr will das Fantasy Filmfest in den Oktober umziehen um nicht mehr mit den schönsten Sommertagen des Jahres zu konkurrieren.

Kino: Von Cyborgs, Detektiven, Kriegern und Idioten

Soderla, nachdem es heute die volle Ladung war gibt’s hier eine kurze Gesamtschau der Filme des Tages:

Fantasy Filmfest #7-10

„The living and the dead“, Simon Rumley (2006)

In einem alten, englischen Herrenhaus bringen sich ein prüder Vater, ein debiler Sohn und eine bettlägrige Mutter gegenseitig um Leben und Verstand.

Vielleicht bin ich nur ein ignoranter Klotz (ja, ganz sicher sogar…) aber aus meiner Sicht ist das ein typischer Filmhochschul/Theaterwissenschaftsfilm, der den Zuschauer lieber quält statt unterhält: Alle Personen sind unsympathisch, die Handlung redundant, der Score nervig. Alles ist zu lang: 3 Sekunden leeres Treppenhaus, jemand läuft 7 Sekunden lang durch, wieder 3 Sekunden leeres Treppenhaus. Und weils so schön war, das gleiche noch mal aus einer anderen Perspektive.WERTUNG: 5 für Verschwendete Zeit.
In der Hoffnung auf ein entspannendes, hirnloses Spektakel mit geilen Schwertkampfszenen geht’s dann in

„Wolfhound“ von Nikolai Lebedev (2006)

Scheinbar ein russisches Conan-Remake.
Leider trifft von den Erwartungen nur das Hirnlos zu. Statt guter Kampfszenen gibt’s nur schnelle Schnitte und die Story ist eine Folge langweiliger Klischees (Es beginnt mit einem friedlichen Wikingerdorf. Was passiert wohl als nächstes? Richtig: Die Bösen Männer mit den Metal-Mähnen zerstören es und nur ein kleiner Junge überlebt. Der schwört Skeletor, Thulsa Doom oder wie immer der Oberschurke hier heisst zu vernichten.) Gähn. Wissen die Russen nicht dass die 80er vorbei sind? Oder liegt das einfach an der „tiefen Seele“ Madonnenerscheinungen und sich öffnende rosa Himmel so ironiefrei zu präsentieren?
Aber wahrscheinlich hockt auch hier – wie bei Earthsea – irgendwo eine traurige Fantasy-Autorin rum und zürnt, weil ihr tiefgefühltes 13-bändiges Epos zur stupiden Popcornmaschine umfunktioniert wurde.

WERTUNG 5
Jetzt brauchen wir dringend einen guten Film zum runterspülen und siehe da! Bei

„Film Noir“ von Jud Jones und Risto Topaloski (2007)

öffnen sich tatsächlich die Himmel und ein Licht erscheint – schwarzweis, düster und gezeichnet: Ein Mann erwacht hinter dem Hollywood-Schild, ohne Erinnerung aber mit einer Pistole in der Hand und einem toten Polizisten neben ihm. Als er sich in der dunklen Stadt (hat jemand die klugscheisserischen Anspielungen vermisst?) auf die Suche nach seiner Identität macht, muss er feststellen, dass scheinbar jeder ihn tot wünscht. Wer immer er ist – er wird von allen gehasst!

Spannend, stylisch und mit tollem Jazzscore reisst „Film Noir“ über die ganze Länge mit. Einzig die Action-Szenen hätten sich für meinen Geschmack etwas besser austarieren können: Wenn man gleich mit einer MG-Attacke aus dem Hubschrauber beginnt, ist nicht mehr viel Platz zum steigern. Trotzdem locker der geilste Film des Tages.

WERTUNG 1

Und da nach drei Filmen eh schon alles wurscht ist kommt nun noch die Wild Card des Tages zum Einsatz:

„I’m a Cyborg, but that’s O.K.“ vom begabten Chan-wook Park, 2006

Ein Mädchen denkt, dass es ein Cyborg ist, was gar nicht verwunderlich ist. Erstens hört sie Botschaften aus dem Radio, zweitens war ihre Oma schon eine Maus. Trotzdem kommt sie ins Irrenhaus, wo es einen jungen gibt, der Gefühle stehlen kann oder ein Mädchen, dass gerne Jodel-Volksmusik singt. Viele Ideen, viel überkandibeltes, aber auch viele Wiederholungen und etwas Leerlauf. Nett, aber lange nicht genial.

WERTUNG 3

Und damit gute Nacht, Cyborgs.