Archiv der Kategorie: Film

Kino: „PJ Harvey – A dog called Money“

Wie ein Kunstwerk entsteht: Der Dokumentarfilm „A dog called money“ begleitet die Musikerin PJ Harvey bei Vorbereitung und Aufnahmen ihres Albums „The Hope Six Demolition Project“.

Seit etwa zehn Jahren arbeitet die britische Sängerin und Songschreiberin Polly Jean Harvey immer wieder mit dem irischen Filmemacher und Fotografen Seamus Murphy zusammen. Sie schrieb Songs zu seinen Bildern, er drehte Musikvideos zu ihren Liedern und gemeinsam veröffentlichten sie auch einen Bildband mit Photos und Gedichten.

In „A dog called money“ unter der Regie von Murphy geben die beiden nun Einblicke in ihren Schaffensprozess. Wir sehen wie sie auf der Suche nach Inspiration an unterschiedliche Orte fahren: In die überfüllten Städte Afghanistans, in den entvölkerten Nachkriegs-Kosovo und nach Washington DC.

Wir hören die Klänge, die sie sammelt und die Notizen, die sie sich macht. Kleine, akkurate Beobachtungen, wie die Form eines Schlüssels. Aber auch, dass in Washington die U-Bahn-Stationen so platziert sind, dass die Schwarzen aus den ärmeren Vierteln möglichst selten zu den Zentren der Macht auf der anderen Seite des Flusses fahren können.

Schließlich werden all diese Eindrücke zurück in England in (verdammt großartige) Musik umgearbeitet. Dass dies in einem ‚gläsernen‘ Studio geschieht, in das die Leute hineingucken können wie in ein Aquarium, erweist sich als unnötiger Schörkel ohne Erkenntnisgewinn für uns Zuschauer, weil wir nicht wissen welchen Einfluss das auf die Musik hatte.

Sehr schön ist dagegen, wie der Film den möglichen Vorwurf von „Elends-Tourismus“ westlicher Popstars kontert, indem er zeigt, wie PJ Harvey zumindest den Schwarzen in Washington etwas zurückgibt – in Form eines Songs, den diese als Protesthymne für den Erhalt ihres Viertels verwenden können. Sehens- und hörenswert!

WERTUNG 2

Kino: „Human Nature“

Den Code des Lebens neu schreiben: Die Dokumentation „Human Nature“ wirft einen umfassenden Blick auf die „CRISPR“-Methode mit der Genmaterial verändert werden kann.

Supersoldaten ohne Schmerzempfinden, Designer-Babys nach Wunsch, wiederbelebte Mammuts – oder einfach nur ein Leben ohne AIDS, Krebs und ähnliches. Was bis vor kurzem noch Science Fiction war ist heute fast schon Realität.

Seit etwa fünf Jahren experimentieren Forscher weltweit mit der „CRISPR“-Methode, die einen Zugriff auf das Genmaterial von Lebewesen in bisher unbekannter Präzision ermöglicht. Ein Wettlauf hat begonnen zwischen dem technisch machbaren und dem moralisch gewünschten. Bei dem vermutlich mal wieder die Technik siegt: Während man in Europa und USA noch diskutiert präsentiert China schon die ersten gentechnisch veränderten Babies…

Der Dokumentarfilmer Adam Bolt, Experte für komplexe Themen, schafft dazu mit „Human Nature“ einen sachlichen und ausgewogenen Film. Er erklärt die genetischen Grundlagen anschaulich und lässt zu den ethischen Fragen eine hochkarätige Auswahl an Fachleuten zu Wort kommen: Während manche es gar nicht erwarten können richtig loszulegen, träumen andere nachts von Hitler.

Der Film bietet eine gute Diskussionsgrundlage zum Thema, vermittelt aber bei aller Sachlichkeit auch ein beunruhigendes Gefühl: Denn Aktuell können selbst die Experten nur raten, was in der Büchse, die sie gerade öffnen, wirklich drin ist: Hoffnung oder Grauen.

WERTUNG: 1

Kino: „Verteidiger des Glaubens“

Der letzte seiner Art? In seiner Dokumentation „Verteidiger des Glaubens“ wirft Regisseur Christoph Röhl einen kritischen Blick auf das Pontifikat von Benedikt XVI. – und das System der katholischen Kirche allgemein.

Es beginnt mit Jubel: Im April 2005 wird aus Kardinal Joseph Ratzinger der neue Papst Benedikt XVI. Dass seine Amtszeit von Skandalen und einem rapiden Ansehensverlust der katholischen Kirche geprägt sein würde, konnte man damals noch nicht ahnen.

Oder doch? Die Biografie „Verteidiger des Glaubens“ stellt die These auf, dass Joseph Ratzinger mit seinem speziellen Charakter den Boden für die Krisen bereitet hat, welche die Kirche während seines Pontifikats trafen. Seine Weggefährten, die im Film zu Wort kommen, beschreiben den in einem bayerischen Idyll aufgewachsenen Theologen als einen integren, aber konfliktscheuen Menschen. Als Professor in Tübingen lässt er sich vorher informieren, wann Studenten Proteste planen und bleibt dann vorsichtshalber zu Hause. Als das nicht mehr funktioniert zieht er komplett ins ruhigere Regensburg um.

Er liebt die Ordnung, seine Familie, seine Kirche – was in seinem Gedankensystem immer mehr in eins zusammen fällt. Eigentlich wollte er in den Ruhestand gehen und Bücher schreiben, als plötzlich – wie er selbst sagt -das „Fallbeil auf ihn herabfällt“ und er Papst wird.

Und es kommt dicke. Bank-Skandale, massenhafter Missbrauch, dunkle Schatten im Dialog mit anderen Religionen. Der Bewahrer Benedikt setzt auf Tradition, auf eine starke und schöne Kirche. Dass es in dieser Kirche auch Böses gibt, passt nicht in sein Weltbild: Es muss der Teufel sein, der sie von außen in den Schmutz zieht. Es wiederholt sich das Muster von Tübingen: Die Umwälzungen und Proteste werden ignoriert, bis es nicht mehr geht. Schließlich legt ein abgekämpfter Benedikt den ganzen Kram seinem Nachfolger auf den Tisch und fliegt davon.

Fünf Jahre lang recherchierte Regisseur Christoph Röll für seine Dokumentation. Die meiste Zeit verbrachte er damit, im Vatikan Vertrauen aufzubauen. Bis zu Benedikt selbst kam er nicht, aber er schaffte es bis zu seinem Sekretär Georg Gänswein.

Der wirkt im Film entspannt und freundlich – was sich änderte als er das fertige Werk zu Gesicht bekam: „Ein Debakel, ein miserables Machwerk“ urteilte er.

Dabei greift der Atheist Röll in seinem zurückhaltenden und ausgewogenen Film in keiner Sekunde den katholischen Glauben an. Sehr wohl aber das hierarchische System der Kirche, das mit einer der alten Monarchien verglichen wird. Mit Benedikt als letztem Kaiser. „Ich wollte Ratzinger nie demontieren“, beteuert Röll. „Er erscheint mir als Mann, der an seinen Idealen gescheitert ist. Er wollte die Kirche stärken und hat letztlich das Gegenteil erreicht.“

Aber – und das wird am Ende zart angedeutet – durch sein Scheitern auch gezeigt, dass es so nicht weitergeht und damit den Weg bereitet für die Erneuerung der Kirche unter Franziskus.

WERTUNG: 2

Kino: „Addams Family“

Die Addams Family und der Fluch der dritten Dimension: Die Neurverfilmung der beliebten Grusel-Familie geht optisch zurück zu den Wurzeln – und inhaltlich ins Leere.

„Da-da-da-DAMM, schnipp, schnipp“ – ein halbes Dutzend Mal muss Butler Lurch ansetzen, bevor er die berühmte Titelmelodie der „Addams Family“ korrekt in die Orgeltasten haut. Die Szene steht symptomatisch für diesen Film, der vieles versucht und oft daneben haut.

Dabei ist die Grundidee durchaus vielversprechend: Nach diversen Real-Verfilmungen wird die Sippe optisch hier wieder dem originalen Look der Comics von Charles Addams angenähert, der mit seinen Zeitungscomics in den 1930ern einen Vorläufer der „Simpons“ schuf: Der amerikanische Familienkult, gewendet ins rabenschwarze. Schön auch, dass die Geschichte noch mal von vorn beginnt: Von einem wütenden Mob aus ihrer Heimat vertrieben ziehen Gomez und Morticia Addams mit ihren Kindern an einen möglichst schrecklichen Ort – New Jersey – wo sie glücklich leben, bis eine TV-Moderatorin mit Trump-Frisur versucht, aus dem Städtchen ein blitzsauberes Plastik-Paradies zu machen. Da stört die Gruselvilla auf dem Hügel natürlich und bald stehen wieder Menschen mit Fackeln vor der Tür.

Und nicht nur mit Fackeln, sondern auch mit riesigen Katapulten. Denn dies ist ein 3D-Film und deshalb fliegt einem alle drei Minuten irgendein Effekt um die Ohren. Dafür bleiben die Charaktere auf der Strecke. Denn die Regisseure Conrad Vernon und Greg Tiernan („Sausage Party“) packen so viele Action-Elemente, Figuren und Nebenhandlungen in ihre schmalen 87 Minuten, dass für nichts wirklich Zeit bleibt. Als Kinderfilm ist das zu sprunghaft und als Satire viel zu bieder: Die Moral „Wir können uns alle lieb haben, auch wenn wir anders sind“ ist erstens erlogen (weil wenn sie stimmen würde, gäbe es keinen Trump und keine AfD) und passt zweitens nicht zur Addams Family.

Eines schafft der Film aber: Er macht richtig Lust auf ein Wiedersehen mit den brilliant besetzten Real-Filmen aus den 90ern. Jene Addams Family hätte mit diesen weich gespühlten Nachfahren kurzen Prozess gemacht.

WERTUNG: 4

Kino: „Ich war noch niemals in New York“

Musicals, bei denen Passanten durch deutlich erkennbare Studiokulissen laufen um plötzlich in perfekt choreographierte Tänze auszubrechen schienen lange Zeit so tot wie Sandalenfilme oder heroische Western. Aber totgesagte leben länger. Besonders das Musical feiert seit dem Erfolg von „Lala-Land“ eine fröhliche Wiederauferstehung.

„Ich war noch niemals in New York“ ist nun der deutsche Beitrag zu dieser Welle, basierend auf einer Bühnenrevue nach den Ohrwürmern von Udo Jürgens.

Die Story dazu geht so: Die eingebildete TV-Moderatorin Lisa (Heike Makatsch) hat nie Zeit für ihre alte Mutter (Katharina Thalbach). Bis die Seniorin eines Tages in der Küche ausrutscht und sich den Kopf anschlägt. Das einzige an was sie sich danach erinnern kann ist die Titelzeile des Liedes, das gerade im Radio lief: „Ich war noch niemals in New York“. Prompt beschließt die alte Dame das zu ändern und entert den nächsten Ozean-Dampfer in die USA. Beim Versuch sie zurückzuholen bleiben auch Lisa und ihr schwuler Maskenbildner Fred (Michael Ostrowski) auf dem Schiff hängen. Da sie keine Tickets haben werden sie vom Kapitän zur Arbeit verdonnert. Was aber nicht weiter schlimm ist, denn unter Deck, wo viel griechischer Wein getrunken wird, geht es lustig zu. Vor allem die Mama blüht richtig auf: „Es ist großartig nicht mehr zu wissen, wer man ist – denn dann kann sein, wer man will.“ Und zum Glück wartet auf jeden der drei blinden Passagiere ein Kandidat für die große Liebe: Der schwule Zauberer Costa (Pasquale Aleardi), der alternde Gigolo Otto (Uwe Ochsenknecht) und der spröde Stochastiker Axel (Moritz Bleibtreu), der eigentlich mit seinem Sohn nach New York fährt um die Asche seiner Frau in den Wind zu schütten.

Klar, die drei parallelen Liebesgeschichten verlaufen wie auf dem Reissbrett und zwei Stunden sind eine etwas zu epische Laufzeit für solch eine schlichte Story. Aber dennoch macht der Film von Philipp Stölzl richtig Spaß. Das Tempo stimmt, die Gags sind zahlreich und das völlig aus der Zeit gefallene Kostüm und Set-Design ist eine wahre Augenweide: Von den 30ern bis heute trug man alles zusammen, was ins Farbschema passt – sogar die Container am Hamburger Hafen leuchten in hellblau, gelb und rosa. Und man merkt, welchen Spaß die Stars daran hatten, hier richtig auf den Putz zu hauen – wobei besonders Ochsenknecht und Bleibtreu intime Momente liefern, die immer wieder vergessen lassen, dass man hier eine Nummernrevue absitzt. Und die Gassenhauer von Udo Jürgens sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Dieses New York ist eine Reise wert.

WERTUNG: 2

Kino: „Nurejew – the white crow“

Der will doch nur tanzen: In seiner dritten Regiearbeit „Nurejev – the white crow“ schafft Ralph Fiennes ein vielschichtiges Portrait des russischen Ballett-Tänzers Rudolf Nurejew.

Anfang der 60er Jahre geht der kalte Krieg gerade in seine heiße Phase: In Berlin wird die Mauer gebaut, die USA verhängen Sanktionen gegen Kuba, im Kongo findet ein „Stellvertreterkrieg“ zwischen Ost und West statt.

In diesem Klima fährt erstmals das Leningrader Kirow-Ballett zu Auftritten nach Paris. Wobei die bunten Ballettvögel stets von Funktionären in gedeckten Anzügen bewacht werden. Reden mit den Franzosen? Verboten! Mit einer westlichen Frau ausgehen? Völlig unmöglich!

Nicht für den dickköpfigen Rudolf Nureyev (Oleg Iwenko). Er ist der aufstrebende Stern des Ensembles. Ein Bauernbursche, geboren in einem Zug und deshalb irgendwie von Anfang an heimatlos. Sein Auftreten ebenso schillernd wie seine Sexualität. „Ich bin eine weiße Krähe“, sagt er von sich selbst. Jemand der nirgends dazugehört. Ein Außenseiter – aber auch jemand, der gerade deswegen die Möglichkeit hat, die Grenzen zwischen den festgefahrenen Gruppen zu überwinden: To boldly go… Gemeinsam mit der jungen Chilenin Clara (Adèle Exarchopoulos) erkundet er das nächtliche Paris. Seine Tage verbringt er in den Museen: Jeden Tag will er ein Bild genau studieren. Um zu lernen, wie man aus Schmerz Kunst, aus Verzweiflung Schönheit macht. Freilich passt das seinem Bewacher, KGB Agent Strizhevksy (Alexsey Morozov), gar nicht. Die Begegnungen der beiden werden immer mehr zu Duellen – bis eine Entscheidung nicht mehr aufgeschoben werden kann. Denn der Mikrokosmos des Balletts spiegelt auch den eigentlichen Kampf der Systeme und Denkweisen. Ein getanzter Stellvertreterkrieg.

Schauspieler Ralph Fiennes nahm für „Nurejew – the white crow“ zum dritten mal im Regiestuhl Platz. Und spielt als Nurejews Tanzlehrer auch eine wichtige Nebenrolle: „Das war mehr aus Pragmatismus, um den Film finanzieren zu können“, meint er. „Denn obwohl die meisten Rollen mit namhaften russischen Schauspielern besetzt sind, hilft das bei der internationalen Vermarktung nicht viel.“

Und Fiennes machte auch keine Kompromisse: Gedreht wurde auf russisch und französisch, der Hauptdarsteller ist ein ukrainischer Tänzer und auf lineares Erzählen pfeift der Film mit seinen drei Zeitebenen von Anfang an.

Überhaupt bricht der Schauspieler Finnes viele der Regeln, an die ‚echte‘ Regisseure sich normalerweise halten: Da wird in Bilder reingezoomt, sprunghaft geschnitten oder der Ton abrupt in völlige Stille abgesenkt. Dass daraus kein Chaos entsteht, sondern ein emotional berührender Film, der zu gleichen Teilen Musical, Charakterdrama und Spionagethriller ist, das ist das große Verdienst einer weißen Krähe namens Fiennes.

WERTUNG: 1

Kino „Toy Story 4“

Als Pixar Animation 1995 den ersten „Toy Story“-Film auf die Leinwand brachte war die Welt noch eine andere: Noch niemand hatte je zuvor einen kompletten Film mit Computern animiert. Während alles staunte, zuckte Regisseur John Lasseter nur mit den Schultern: „Der Computer ist nur ein Werkzeug“, sagte er damals. „Wichtig ist, was man daraus macht.“

Über 20 Jahre später kann man sehen was daraus wurde: Ein Meer von CGI-Filmen aus aller Herren Länder – aus dem die Werke von Pixar noch immer wie Leuchttürme aus den Fluten hervorragen.

Das gilt selbstverständlich auch für den mittlerweile vierten Teil der „Toy Story“: Die Animationen sind auf dem höchsten Stand der Kunst. Dazu kommen atemberaubende Action, Herz, Hirn und Humor sowie erneut eine mitreißender Score von Randy Newman.

Ach ja, eine Handlung gibt es natürlich auch: Die kleine Bonnie muss in den Kindergarten – und zwar ohne ihre Spielzeuge. Das macht sie total traurig. Also schleicht Cowboy Woody (gesprochen von Bully Herbig) sich mit und hilft Bonnie aus Resten die Behelfspuppe Forky (Marc Oliver Schulze) zu bauen. Diese begreift aber nicht, dass sie jetzt Spielzeug ist und versucht immer wieder in den Müll zurückzukehren, aus dem sie kam. Die anderen Spielzeuge wollen Forky helfen, indem sie sein Selbstvertrauen stärken – oder ihm einfach nachjagen, wenn er wieder mal davonläuft. Bei einer solchen Aktion geraten sie auch in einen finsteren Antiquitätenladen, der von der bedrohlichen Puppe Gabby beherrscht wird…

Die Regie von Josh Cooley findet stets die richtige Balance zwischen Witz und Ernst – greift allerdings auch ein paar mal zu oft zu lauten Buh-Effekten, um die Zuschauer aus den Sitzen zu heben. Zudem nehmen die Verfolgungsjagden diesmal sehr, sehr viel Raum ein, so dass die zwischenmenschlichen (oder zwischenpuppigen) Momente etwas kurz geraten. Die haben es aber dann in sich: Der wackelig zusammengeklebte Forky ist zum schießen komisch. Und dass ausgerechnet die zerbrechliche Schäferinnen-Figur Porzelinchen sich zur unerschrockenen Abenteurerin entwickeln darf ist ein cooler Beitrag zur Gender Debatte.

Richtig radikal neu ist aber, wie der Konflikts zwischen der bösen Gabby und Woody gelöst wird: Beide Parteien setzen sich in Ruhe zusammen, reden darüber, was sie jeweils wirklich brauchen und finden dann gemeinsam eine Lösung. Das ist nicht nur für einen Kinderfilm vorbildlich.

WERTUNG: 2

Kino: „Fisherman’s Friends“

Willkommen bei den Schan’tys: In „Fisherman’s Friends“ fährt ein Londoner an die Küste Cornwalls und findet Liebe und Erfüllung. Und die älteste Boygroup der Welt.

Eigentlich wollten Danny (Daniel Mays) und seine Kollegen von der Plattenfirma nur einen kurzen Zwischenstopp in dem verschlafenen Küstenstädtchen Port Isaac machen. Doch dann fällt Dannys Chef (Noel Clarke) die Gruppe von rauhbeinigen Fischern auf, die am Hafen ihre Seemanslieder schmettert. Er gibt Danny den Auftrag mit den Seebären eine Platte zu machen – was eigentlich nur ein Scherz ist. Doch Danny ist – nach anfänglichem Zögern – bald wirklich überzeugt, hier einen Schatz an authentischer Musik heben zu können. Und tatsächlich liegt ein bischen Magie in der Luft, wenn die Herren singen: Selbst bei stürmischem Wetter auf einem Boot klingt alles wie eine tip-top-Studioproduktion, inklusive Musik, obwohl keiner der Kerle ein Instrument dabei hat. Und natürlich hilft es auch, dass der Chorleiter Jim (James Purefoy) eine hübsche Tochter (Tuppence Middleton) hat, die Danny nicht aus dem Kopf geht. Doch die Fischer haben gar kein großes Interesse daran als „älteste Boygroup der Welt“ vermarktet zu werden. Denn hier in Cornwall, so wird Danny belehrt, sind Freundschaft, Integrität und und ein Leben im Einklang mit der Natur viel wichtiger als Geld und Erfolg…

„Fisherman’s Friends“ basiert lose auf der Biografie der gleichnamigen Band, die 2010 von einem Radiomoderator auf Urlaub entdeckt wurde und die seither große Erfolge feiert. Regisseur Chris Foggin machte daraus ein recht gelacktes Filmchen von der Stange, das die üblichen Stationen des Genres ohne große Überraschungen abhakt. Wer die „Sch’tis“, „Wie im Himmel“ oder den „Engländer, der auf einen Hügel stieg…“ gesehen hat braucht die singenden Fischer nicht wirklich. Die Filmemacher sehen das allerdings definitiv anders: „Fisherman’s Friends 2“ ist bereits in der Mache. Ein Schelm, wer da doch hinter den Shantys auch den Lockruf des Geldes hört…

WERTUNG: 5

Kino: „Leberkäs-Junkie“

Und ewig frotzeln die Niederkaltenbacher: Die Reihe um Dorfpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) ist auch in der sechsten Folge weiter auf Erfolgskurs. Waren die Provinzkrimis nach den Romanen von Rita Falk am Anfang nur südlich des Weißwurstäquators Kino-Hits, so lacht inzwischen ganz Deutschland über die skurilen, manchmal ekligen und doch stets irgendwo liebenswerten Bayern. Man merkt einfach, dass sich hier über die Jahre ein Team zusammengefunden hat, das diese Filme mit Herzblut macht.

 

Und „Leberkäs-Junkie“ bietet erneut all das, was die Reihe groß gemacht hat: Staubtrockenen Humor, Schauspieler mit Mut zur Hässlichkeit und einen genauen Blick auf das Leben in der Provinz. Und nicht zu vergessen: Jene überraschenden Momente, wenn die eigentlich als Karikaturen angelegten Figuren plötzlich über ihre Klischeehaftigkeit hinauswachsen und einem unerwartet nah gehen. Etwa, wenn Eberhofer und sein Vater (Eisi Gulp) sich über die verstorbene Mutter unterhalten oder wenn ganz nebenbei Themen wie Fremdenfeindlichkeit oder Homophobie eingestreut werden.

Wer also die Reihe bisher mochte, kann auch beim „Leberkäs-Junkie“ beherzt zugreifen. Für Einsteiger ist die Folge dagegen weniger geeignet, da es diesmal vor allem um die behutsame Weiterentwicklung des bekannten Figurenensembles geht. Der Mordfall ist eher Nebensache: Bei einem Hausbrand wird eine völlig verkohlte Leiche gefunden. Hauptverdächtiger ist der farbige Fußballstar des Dorfvereins Buengo – „Der Fuß Gottes“ (Castro Dokyi Affum). Doch Eberhofer glaubt nicht an die Schuld des Angolaners – seine Spur führt ihn statt dessen zu einem umstrittenen Neubaugebiet am Rande des Dorfes…

Und endet auch schon fast dort, denn plötzlich fällt Eberhofer auf offener Straße um: Eine Folge seiner schlechten Ernährung. Die vegane Diät von Oma will dem Leberkäs-Junkie nicht so recht schmecken. Und dann ist da auch noch die stets prekäre Beziehung zu seiner Susi (Lisa Maria Potthoff), die nach der Geburt des Sohnes Paul vollends in die Brüche zu gehen droht. Die Szenen mit dem Baby gehören dann zu den komödiantischen Highlights des Films: Wenn Eberhofer den Bub mit in die Pathologie nimmt oder selbst einen Ausflug ins Kugelbad unternimmt bleibt kaum ein Auge trocken.

Inszeniert ist das von Stammregisseur Ed Herzog mit gewohnt gutem Timing und dem richtigen Gespür dafür, wann Schluss mit Lustig sein muss. Auch die Besetzung ist bis in die kleinsten Nebenrollen wieder großartig. Naja – mit einer Ausnahme: Klaus Augenthaler als Trainer des Dorfvereins zu besetzen klingt witzig, scheitert aber daran, dass bei ihm jeder Satz wie abgelesen wirkt. Da merkt man erst, was der Rest der Schauspieler leistet, diese „ganz natürlichen“ Typen derart glaubhaft zum Leben zu erwecken.

WERTUNG: 2

Kino: „Die 3 !!!“

Als die „Drei ???“ 1964 das Licht der Welt erblickten, war political correctness noch nicht erfunden und so versäumte man es den drei Jugendbuch- und Hörspieldetektiven ein Alibi-Mädchen an die Seite zu stellen.

Ein Fehler, den man beim Franckh-Kosmos Verlag 2006 erkannte und mit den „Drei !!!“ ein Mädelstrio nach genau dem gleichen Muster auf den Markt warf. Über 70 Fälle haben die Girls seitdem gelöst. Da wurde es natürlich höchste Zeit für einen Film. Immerhin haben die Jungs schon zwei. Und sogar TKKG hat einen!

Unter der Regie von Viviane Andereggen betreten also die sportliche Franzi (Alexandra Petzschmann), die schlaue Kim (Lillie Marie Lacher) und die modebewusste Marie (Paula Renzler) die Bühne. Und bekommen es mit dem Phantom der Oper zu tun. Denn in dem alten Theater, in dem sie unter der Leitung des seltsamen Herrn Wilhelms (Jürgen Vogel) für ein Stück proben, spukt es. Natürlich glauben die drei nicht an Geister und machen sich auf die Spurensuche…

„Die !!!“ pfeift auf eine Einleitung – die drei Hauptfiguren werden als bekannt vorausgesetzt. Macht nichts – ihre Charaktere beschränken sich ohnehin auf das Adjektiv vor dem Namen. Die Inszenierung schwankt zwischen Musical und James Bond: Unsere Heldinnen singen, tanzen, entschärfen Bomben und foltern sogar Verdächtige. Für Erwachsene erträglich wird die Sache durch den überkandibelt aufspielenden Jürgen Vogel und das liebevolle Set-Design, dass jedes Bild mit interessantem Krimskrams vollstopft. Ansonsten aber nur für die Zielgruppe der 7 bis 13-jährigen sehenswert.

WERTUNG: 4