Archiv der Kategorie: Film

Kino: „Destination Wedding“

Abneigung auf den ersten Blick: In „Destination Wedding“ werden Winona Ryder und Keanu Reeves zu Schicksalsgefährten wider Willen.

Manchmal braucht es nicht viel, damit zwei Menschen merken, dass sie tief im inneren perfekt zueinander passen – oder eben nicht! Bei Lindsay (Winona Ryder) und Frank (Keanu Reeves) ist es Abneigung auf den ersten Blick, als sie am Flughafen zufällig nebeneinander stehen. Kein Wunder: Er ist ein grummeliger Typ mit Zauselbart, der die ganze Welt doof findet und in seiner Freizeit blöde Geräusche mit seinem Mund macht. Sie eine Dame, die am liebsten pausenlos über sich selbst und ihre Probleme redet und ihrer einzigen Liebe nachtrauert. Zu allem Unglück stellen sie bald fest, dass sie beide das gleiche Ziel haben: Die Hochzeit von Franks Bruder, der auch Lindsay’s Ex ist. Und da diese irgendwo auf einem Kaff in den kalifornischen Bergen gefeiert wird – und alle anderen Beteiligten noch widerlicher sind – können die beiden einander nicht ausweichen…

Man spürt, welchen Film Regisseur Victor Levin hier im Kopf hatte: Eine Negativ-Version von „Before Sunrise“ mit langen Dialogen, gemischt mit einem witzigen Geschlechter-Kampf in der Hepburn/Tracy-Tradition. Im Prinzip eine gute Idee. Und mit Reeves und Ryder hat man zwei Stars im Petto, die gerade beide ein Comeback erleben (Er mit der „John Wick“-Reihe, Sie mit „Stranger Things“). Das Problem: Zwischen den beiden funkt es gar nicht: Ryder grimassiert pausenlos rum und Reeves schaut zu wie aus Holz geschnitzt. Dass sie sich mit rund 50 Jahren noch um ihre Mutterkomplexe und die erste Liebe Sorgen machen wirkt auch nicht gerade reif.

Fazit: Solange noch irgend etwas anderes im Kino (oder in der Welt) angeboten wird, sollte man nicht 86 Minuten seines Lebens damit verschwenden, Frank und Lyndsay beim Streiten, Fernsehschauen und einer der dämlichsten Sex-Szenen der Filmgeschichte zuzusehen.
WERTUNG: 6

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Kino: „Mama Mia 2“

Reif für die Insel? Und für eine Extraportion Bubblegum-Pop? Das neue ABBA-Musical „Mama Mia 2“ bietet Sonne, Strand und Ohrwürmer satt. Aber macht es auch Spaß?

Die schlechte Nachricht zuerst: Meryl Streep ist tot. Zumindest ihre Filmfigur Donna hat seit dem ersten „Mama Mia“-Film von 2008 das zeitliche gesegnet. Nun liegt es an ihrer Tochter Sophie (Amanda Seyfried) das Hotel auf der griechischen Insel Kalokairi zu neuem Glanz zu führen. Dabei helfen ihr der charmante Mexikaner Fernando (Andy Garcia) und Sam (Pierce Brosnan), einer ihrer drei Väter. Die beiden anderen (Stellan Skarsgard und Collin Firth) stecken noch auf der Fähre fest. Wieso das drei sind? Das wird in ausführlichen Rückblenden ins Jahr 1979 erzählt. Hier kommt die junge Donna (Lily James) zu ihrem ersten Besuch auf die Insel – und erlebt dort sommerleichte Liebesabenteuer mit Sam (Jeremy Irvine), Harry (Hugh Skinner) und Bill (Josh Dylan).

Dabei haben die Schauspieler sichtlich Spaß die jungen Versionen der Stars zu geben. Regisseur und Autor Ol Parker legt ihnen dazu witzige Dialoge in den Mund und lustige Slapstick-Hürden in den Weg.

Dennoch bleibt die „Handlung“ stets nur ein Vorwand, um möglichst schnell zum nächsten ABBA-Song zu gelangen. Gerade am Anfang klappt das sehr gut: Da bricht ein komplettes französisches Restaurant in eine irrwitzige Tanznummer aus. Rollstühle und Fahrräder fangen an sich zum Discobeat zu drehen.

Besonderes Lob verdient auch Pierce Brosnan, der für seine Gesangseinlagen beim ersten „Mama Mia“ die „Goldene Himbeere“ als schlechtester Schauspieler bekam: „Ich hab nur gelesen, dass ich mit Meryl Streep auf einer griechischen Insel drehen darf und sofort zugesagt“, erinnert er sich. „Erst später habe ich gemerkt, dass es ein Musical ist“. Diesmal gehört seine mit brüchiger Stimme vorgetragene Nummer zu den emotionalen Höhepunkten des Films.

So weit, so gut. Doch je länger das ganze dauert, desto ermüdender wird es. Der Story fehlt es schlicht an Substanz. Und bei der Masse der Songs merkt man, dass auch die schwedischen Ohrwurm-Könige Björn Ulvaeus und Benny Andersson nur mit Wasser kochen: Auf die Dauer klingt das alles doch ziemlich gleich. Gab es 1979 nicht auch die Ramones? Frank Zappa? Pink Floyd? Naja.

So bleibt unterm Strich ein Film, für den das gleiche gilt, was Kollegin Inge Rauh vor zehn Jahren über den ersten Teil schrieb: „Bitte alle mitklatschen und danach einen Uzo bestellen“. Nur sollte man diesmal besser die Reihenfolge umkehren.

WERTUNG: 3

 

Gesehen: Zentralflughafen THF

Berliner Architekturdenkmal, Freizeitpark und größte Flüchtlingsunterkunft Deutschlands: Ein Jahr lang dokumentierte Karim Aïnouz das Leben im „Zentralflughafen THF“.

Die Mutter aller Flughäfen“, nannte Stararchitekt Norman Forster den in den 30er Jahren entstandenen Airport Tempelhof, der 2008 stillgelegt und zu einem Park umgewandelt wurde. Immer wieder taucht sein imposante Halbrund als Kulisse in Hollywoodfilmen (etwa im letzten Teil der „Panem“-Reihe) auf. Seit 2015 dient es auch als Unterkunft für Flüchtlinge, die größte in Deutschland. Der in Berlin lebende brasilianisch-algerische Regisseur Karim Aïnouz, war fasziniert von diesem Ort: „Hier speigeln sich die vielschichtigen Widersprüche Deutschlands und Wandlungen Berlins wieder.“

Ein Jahr lang begleitete er die Menschen, die den Tempelhof bevölkern: Den Imker, der auf dem ehemaligen Rollfeld seine Bienen pflegt ebenso wie den Nachtwachdienst, der abends die freilaufenden Füchse zählt. Und natürlich die Geflüchteten. Die leben in Wohnkabinen ohne Dächer mitten in den großen Ladehallen. Ihre Welt ist geprägt von Monotonie, Bürokratie und Arztbesuchen – während nur ein paar Meter weiter die Berliner ihre Auszeit aus ihrem Alltag genießen.

Der Film schafft es die Kontraste von Tempelhof gut einzufangen, was vor allem der exzellenten Kamera-Arbeit von Juaen Sarmiento G. zu verdanken ist: Seine Bilder sind Breitwandgemälde, welche das Innere des Lagers oft wie eine Kunstausstellung wirken lassen – um dann den Betrachter wieder mit der tristen Realität der Geflüchteten zu konfrontieren. Eine Schwäche des Films ist dagegen, dass er nicht wirklich eine Hauptperson hat, die den Zuschauern ans Herz wächst. Erst beim Schnitt wurde entschieden, dass der 18-jährige Ibrahim Al Hussein zum Mittelpunkt des Films wird, doch dessen Erzählungen aus Syrien (über Bildern des leeren Rollfeld) öffnen den Fokus nur noch weiter. Hier wäre weniger mehr gewesen. Dennoch ein spannender Versuch, ein Gelände in seiner Ganzheit zu erfassen.

WERTUNG: 3

 

Kino: „Die Frau, die vorausgeht“

Western mal anders: Der „Die Frau, die vorausgeht“ erzählt von der ungewöhnlichen Freundschaft einer New Yorker Portraitmalerin mit dem Sioux-Häuptling Sitting Bull.

New York, 1890: Inspiriert von den Wild-West-Bildern des Malers George Catlin beschließt die junge Witwe Catherine Weldon (Jessica Chastain) in das Reservat der Sioux-Indianer in North Dakota zu reisen, um ein Portrait des berühmten Häuptlings Sitting Bull (Michael Greyeyes) zu malen. Doch schon auf der Zugreise muss sie feststellen, dass ihre romantischen Vorstellungen von der Freiheit im Westen nicht der Wirklichkeit entsprechen. Der Regierungsbeamte Silas Groves (Sam Rockwell als witziger Westentaschen-Eastwood) macht ihr unmissverständlich klar, dass sie nicht erwünscht ist. Denn gerade befinden sich die Indianer in harten Verhandlungen um ihr Land mit der US-Regierung. Catherine wird mitten hineingeworfen in diese Auseinandersetzung und erkennt erschreckt, dass es auf beiden Seiten Kräfte gibt, die auf einen Krieg zusteuern. Doch so leicht lässt sie sich nicht einschüchtern und steht schließlich wirklich dem legendären Häuptling gegenüber… der ganz anders ist, als sie erwartet hat.

Kein Zweifel – diese Geschichte, die lose auf der Biografie der Malerin Carolin Weldon beruht, hat enormes Potential: Ein Western mit einer Frau in der Hauptrolle. Der sich für die Rechte von Minderheiten einsetzt. Inszeniert von einer britischen Regisseurin (Sussanna White). Und das in einem Jahr, in dem so offen wie nie darüber nachgedacht wird, die Macht der weißen, alten Männer Hollywoods neu zu verteilen. Allein der Titel wirkt da schon wie ein Versprechen: Jetzt gehen die Frauen mal voraus und machen es besser.

Tun sie aber leider nicht. Denn das Ding erweist sich als ziemliche Gurke.

An den Darstellern liegt es nicht: Jessica Chastain trifft genau die richtige Mischung zwischen Mut und Verletzlichkeit, Michael Greyeyes vermittelt durch sein subtiles Spiel mehr Weisheit, als ihm das Drehbuch in den Mund legt und Sam Rockwell ist gut wie immer. Solange ihnen die Kamera ruhig zuschaut lugt er hervor, der große, der wichtige Film, der „Die Frau, die vorausgeht“ hätte sein können.

Doch dann kommt schon wieder der nächste hektische Schnitt, die nächste überflüssige Zeitlupe, die nächste Ladung kitschige Musiksauce und jedes Gefühl von Erhabenheit ist futsch. Und dann die Dialoge! „Ich hatte beim betreten des Lagers ein ungutes Gefühl“. Das ist etwas, dass man in den Augen einer Figur sehen sollte – und nicht von ihr erzählt bekommen will.

Unterm Strich bleibt „Die Frau, die vorausgeht“ ein geschwätziges Melodram. Eher „Der Buchladen der Florence Green“ im Westen, als „Der mit dem Wolf tanzt“ für Frauen. Schade.

WERTUNG: 5

Kino: „Muhi“

Aufwachsen bei den „Feinden“: Der Dokumentarfilm „Muhi“ beschreibt das ungewöhnliche Leben eines palästinensischen Jungens in Israel.

Warum habe ich keine Arme mehr?“, fragt der vierjährige Muhi.

Weil Gott es so wollte“, antwortet sein fürsorglicher Großvater Abu Naim.

Dann ist Gott ein Unmensch“, stellt Muhi sachlich fest.

Sag das nicht, das ist Sünde“, antwortet der Großvater. Denn was soll er auch sonst sagen? Dass Muhi als Säugling an einer seltenen Immunkrankheit litt, für die es in seiner Heimat im Gaza-Streifen keine Heilung gab? Dass die Familie ihn unter Schwierigkeiten in ein Krankenhaus in Israel brachte, wo ihm zur Rettung des Lebens Arme und Beine amputiert wurden? Und dass er an diesem Ort sein weiteres Leben verbringen muss?

Denn nach Hause kann Muhi nicht – im Gaza-Streifen gibt es nicht die nötige medizinische Versorgung. Aber normal in Israel leben dürfen das Kind und der Mann aus Palästina auch nicht: Ihre Aufenthaltsgenehmigung bezieht sich allein auf das Gebiet des Krankenhauses. Besuche vom Rest der Familie sind schwierig, da beide Seiten bürokratische Hürden in den Weg legen.

So richten sich Muhi und Abu allein in dieser seltsamen Welt ein. Das Krankenhaus wird zu ihrer Heimat. Muhi wächst scheinbar gleichberechtigt in zwei Kulturen auf: Mit Gebeten zu Elohim und Allah, er spricht arabisch und hebräisch. Dass da ein Krieg herrscht soll Muhi nicht erfahren. Aber die Schrecken des Konfliktes holen auch die beiden schließlich ein…

 

Vier Jahre lang begleiteten die Dokumentarfilmer Rina Castelnuovo-Hollander und Tamir Elterman ihre außergewöhnlichen Protagnisten durch ihr unfreiwilliges Exil. Der Israel-Palästina-Konflikt bleibt dabei im Hintergrund – im Mittelpunkt stehen die Menschen, die der Film stets hautnah begleitet.

Dabei gibt es keine Interviews, sondern nur Beobachtungen. Ein bischen schade, weil man so nicht erfährt, was die Menschen denken und fühlen. Andererseits scheint das auch keine Kultur zu sein, in der groß Selbstreflexion betrieben oder über Gefühle geredet wird. Insofern ist zuschauen vielleicht wirklich die beste Methode.

So entsteht ein sehr intimes Portrait – das trotz der düsteren Thematik auch Mut macht: Begleitet von der einfühlsamen Musik von Ran Bagno erleben wir, wie ein Kleinkind trotz Handicap und geradezu absurder Lebensumstände zu einem lebensfrohen Jungen heranwächst.

WERTUNG: 2

Neuer eigener Film: „Die 47 – die Story eines idealen Hauses“

Die Biografie eines Hauses:  Fünf Jahre lang begleiteten Catharina und ich ein ganz besonderes Bauprojekt mit der Kamera. Die Wohnbaugenossenschaft „Ideal“ schuf nach dem Krieg bezahlbaren Wohnraum für die Nürnberger – nun wurde ihr geschichtsträchtiges erstes Haus durch einen Neubau ersetzt.

Ein Film aus unserer Reihe der Stadtteilbiografien von Muggenhof .

Kino: „Wohne lieber ungewöhnlich“

Und nun leben alle zusammen: In „Wohne lieber ungewöhnlich“ organisieren sieben Kinder eine Wohngemeinschaft der ganz besonderen Art.

Mit der Familie ist das eine schwierige Sache. Der junge Bastien (Teilo Azais) hat neben sechs Halbschwestern und Brüdern mindestens ebensoviele Erziehungsberechtigte: Das Ergebnis unzähliger, sich überschneidender, Ehen und Scheidungen. Mit den wechselnden Beziehungen der Erwachsenen wird der Alltag der Kids stressig und turbulent: Mal übernachten die Kinder bei Oma, mal bei Mama, mal beim Ex. Eine Heimat ensteht so nicht – auch weil die Eltern beruflich nicht vor Ort sind, sondern in London, Afrika oder in den virtuellen Welten des Internets.

Bastien hat dieses Wandervogel-Dasein satt und kapert mit seinen Halbgeschwistern die große Wohnung einer verstorbenen Oma mitten in Paris. Von nun an soll dieser Ort das ruhige Zentrum sein, an dem die Kinder zusammen wohnen wollen. Den Erwachsenen legen sie einen Plan vor, nach welchem diese den Haushalts- und Besuchsdienst zu versehen haben. Natürlich sind nicht alle Eltern von dieser Revolution der Verhältnisse begeistert…

 

In „Wohne lieber ungewöhnlich“ stellt Regisseur Gabriel Julien-Laferrière das gängige Bild von Erziehung auf den Kopf: Hier sind es die Erwachsenen, die Schwierigkeiten haben, sich im Leben zurecht zu finden. Sie brauchen das Engagement, die Kreativität und die Anleitung der nächsten Generation, um ihrem Leben Struktur und Sinn zu geben.

Zum Glück erzählt der Film das alles mit viel Leichtigkeit, Humor und Tempo. Dabei wirkt er selbst wie ein Patchwork: Statt einer Hauptperson zu folgen springt die Geschichte zwischen den fast 20 Charakteren hin und her. Dass das nicht für Verwirrung sorgt, ist den durchweg brillianten Schauspielern (darunter auch Gérard Depardieus Tochter Julie) zu verdanken, die es schaffen ihre Figuren in sehr kurzer Zeit auf den Punkt zu bringen.

Klar, dass bei einem so großen Ensemble die Charaktere eher skizzenhaft bleiben, dennoch sorgt diese Vielzahl an Figuren auch dafür, dass ein ebenso abwechslungsreiches wie unterhaltsames Abbild der Gesellschaft entsteht.

Letztlich ist der Film eine gelungene Komödie, die aber nie vergisst, dass sie von Menschen erzählt, die auf der Suche nach Sinn und Gemeinschaft sind. So gesehen ist die WG weit mehr als nur ein paar Räume in Paris – sie ist ein hoffnungsvoller Gegenentwurf zur anonymen, globalisierten Welt von heute.

WERTUNG: 3

Gesehen: „Obama – the final year“

Wie sieht es hinter den Kulissen des Weißen Hauses wirklich aus?
Der Dokumentarfilm „Obama – the final year“ folgte dem außenpolitischen Team des Präsidenten durch die letzten zwölf Monate – und hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck von ihrer Leistung.

Es sind etwa 20 Leute, die Barack Obamas engsten Beraterstab bildeten und seine Außenpolitik mitgestalteten. Die Doku folgt ihnen über 12 Monate in über 20 Länder – meist zu solchen mit akutellen Konflikten wie Nigeria, oder solchen die früher Außeinandersetzungen mit der USA hatten, wie Laos.

Dabei gelingt es dem Film gut, die Hektik dieser düsenden Diplomaten einzufangen: Während man noch in Paris verhandelt müssen schon Reden für den Jemen geschrieben werden, im schmelzenden Eis des Nordpols macht man sich bereits wieder Sorgen um den Konflikt in Syrien.

Es liegt in der Natur der Sache, dass das für den Zuschauer oft unübersichtlich wird, da nicht alle Brennpunkte erklärt werden – aber man bekommt einen guten Eindruck von der Fülle der Aufgaben und Probleme von Obamas Helfern – und auch wie diese im Verlauf des Films immer sprachloser werden, als sich herauskristallisiert, dass sein Nachfolger wohl nicht Hillary Clinton heißen wird.

Was das Team angeht hinterlässt die Doku einen zwiespältigen Eindruck bei mir: So werden die Obama-Helfer durchaus als Menschen dargestellt, die gutes wollen (Klimaschutz, internationale Zusammenarbeit, Frieden) – aber wenig davon erreichen. Außer Reden scheinen sie nicht viel zu tun. Zudem wirken sie auf mich oft sehr Oberlehrerhaft: Sie düsen von Land zu Land um den Leuten dort aufs Brot zu schmieren was sie falsch machen und stellen sich oft als Menschen dar, die sich selbst für viel gescheiter halten, als den Rest der Welt.

Vielleicht sah das amerikanische Volk das ja auch so und wählte deshalb einen Nachfolger, der bisher nicht den Eindruck machte zu gescheit zu sein.

Insgesammt etwas erhellend, etwas verwirrend und ziemlich ernüchternd.

WERTUNG: 2

Gesehen: „Stranger Things 2“

Juhu! Knapp 9 Stunden Stranger Things 2 sind geguckt – und es hat wieder richtig Spaß gemacht! Ein Wort vorweg: Der Text enthält ein paar Spoiler zu Season 1 – aber die sollte man ohnehin gesehen haben, bevor man das hier guckt, da Staffel 2 eine direkte Fortsetzung ist. (Ganz abgesehen davon, dass auch S1 richtig gute Unterhaltung ist).

 

Die Story:
Ziemlich genau ein Jahr nach den Ereignissen von Season One haben die Helden von Hawkins noch immer mit den Nachwirkungen des Kampfes gegen den Demogorgon zu kämpfen. Mike vermisst Eleven und Will wird von Visionen geplagt. Und auch wenn die erste Schlacht geschlagen wurde: Das Tor zur anderen Seite ist noch immer offen – und neues Unheil braut sich dort zusammen.

Die Stimmung:
ST 2 macht genau da weiter, wo ST 1 aufgehört hat – aber dankenswerterweise mit deutlich höherem Budget. Das bedeutet es gibt mehr Action, mehr Aufnahmen der Stadt in den 80ern und mehr Monster. Das Herz von ST bleiben aber weiterhin die intelligenten und glaubwürdigen Charaktere. Und es kommen neue witzige Personen hinzu, wie der von Sean Astin gespielte Elektronik-Fachhändler Bob und der Verschwörungstheoretiker Murray (Brett Gelman). Zudem verlässt die Handlung erstmals Hawkins und zeigt uns andere Aspekte der Welt.

Der Stil:
Im Gegensatz zur Season 1 wird nun nicht mehr versucht, die 80er auch stilistisch zu imitieren. Die Kamera bewegt sich nun wesentlich agiler und die Reihen der Monster werden durch digitale Kreaturen verstärkt. Mir gefällt das, da die Serie dadurch dynamischer wird und ihren ganz eigenen Stil entwickelt, statt Vorbilder zu imitieren. Und 80er Flair gibt es nach wie vor genug – zum Glück nun ohne nervige Stroboskop-Blitze und mit weit weniger „Buh“-Momenten mit lauten Sounds.

Hinter den Kulissen:
Zusätzlich zur Serie bietet Netflix die Doku-Serie „Beyond Stranger Things“ an, die man sich aber erst nach Abschluss der Staffel ansehen sollte, da gleich zu Beginn das Ende gezeigt und diskutiert wird. Hier wird in gemütlicher und entpannter Runde über die Dreharbeiten geplaudert. Dabei zeigt sich, welcher Geist am Set herrschte: Professionalität, Respekt und jede Menge Spaß! Sehr cool.

Fazit:
ST2 bessert in der Form nach, bleibt sich aber inhaltlich absolut treu. Nach wie vor ist es eine Serie, die mit tollen Monstern und Geheimnissen auftrumpft, aber auf einem anderen Level auch viel darüber erzählt, wie Menschen unterschiedlicher Generationen mit Problemen und einander umgehen. Ein absoluter Hit!