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Kino: „Die Frau, die vorausgeht“

Western mal anders: Der „Die Frau, die vorausgeht“ erzählt von der ungewöhnlichen Freundschaft einer New Yorker Portraitmalerin mit dem Sioux-Häuptling Sitting Bull.

New York, 1890: Inspiriert von den Wild-West-Bildern des Malers George Catlin beschließt die junge Witwe Catherine Weldon (Jessica Chastain) in das Reservat der Sioux-Indianer in North Dakota zu reisen, um ein Portrait des berühmten Häuptlings Sitting Bull (Michael Greyeyes) zu malen. Doch schon auf der Zugreise muss sie feststellen, dass ihre romantischen Vorstellungen von der Freiheit im Westen nicht der Wirklichkeit entsprechen. Der Regierungsbeamte Silas Groves (Sam Rockwell als witziger Westentaschen-Eastwood) macht ihr unmissverständlich klar, dass sie nicht erwünscht ist. Denn gerade befinden sich die Indianer in harten Verhandlungen um ihr Land mit der US-Regierung. Catherine wird mitten hineingeworfen in diese Auseinandersetzung und erkennt erschreckt, dass es auf beiden Seiten Kräfte gibt, die auf einen Krieg zusteuern. Doch so leicht lässt sie sich nicht einschüchtern und steht schließlich wirklich dem legendären Häuptling gegenüber… der ganz anders ist, als sie erwartet hat.

Kein Zweifel – diese Geschichte, die lose auf der Biografie der Malerin Carolin Weldon beruht, hat enormes Potential: Ein Western mit einer Frau in der Hauptrolle. Der sich für die Rechte von Minderheiten einsetzt. Inszeniert von einer britischen Regisseurin (Sussanna White). Und das in einem Jahr, in dem so offen wie nie darüber nachgedacht wird, die Macht der weißen, alten Männer Hollywoods neu zu verteilen. Allein der Titel wirkt da schon wie ein Versprechen: Jetzt gehen die Frauen mal voraus und machen es besser.

Tun sie aber leider nicht. Denn das Ding erweist sich als ziemliche Gurke.

An den Darstellern liegt es nicht: Jessica Chastain trifft genau die richtige Mischung zwischen Mut und Verletzlichkeit, Michael Greyeyes vermittelt durch sein subtiles Spiel mehr Weisheit, als ihm das Drehbuch in den Mund legt und Sam Rockwell ist gut wie immer. Solange ihnen die Kamera ruhig zuschaut lugt er hervor, der große, der wichtige Film, der „Die Frau, die vorausgeht“ hätte sein können.

Doch dann kommt schon wieder der nächste hektische Schnitt, die nächste überflüssige Zeitlupe, die nächste Ladung kitschige Musiksauce und jedes Gefühl von Erhabenheit ist futsch. Und dann die Dialoge! „Ich hatte beim betreten des Lagers ein ungutes Gefühl“. Das ist etwas, dass man in den Augen einer Figur sehen sollte – und nicht von ihr erzählt bekommen will.

Unterm Strich bleibt „Die Frau, die vorausgeht“ ein geschwätziges Melodram. Eher „Der Buchladen der Florence Green“ im Westen, als „Der mit dem Wolf tanzt“ für Frauen. Schade.

WERTUNG: 5

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Kino: „Muhi“

Aufwachsen bei den „Feinden“: Der Dokumentarfilm „Muhi“ beschreibt das ungewöhnliche Leben eines palästinensischen Jungens in Israel.

Warum habe ich keine Arme mehr?“, fragt der vierjährige Muhi.

Weil Gott es so wollte“, antwortet sein fürsorglicher Großvater Abu Naim.

Dann ist Gott ein Unmensch“, stellt Muhi sachlich fest.

Sag das nicht, das ist Sünde“, antwortet der Großvater. Denn was soll er auch sonst sagen? Dass Muhi als Säugling an einer seltenen Immunkrankheit litt, für die es in seiner Heimat im Gaza-Streifen keine Heilung gab? Dass die Familie ihn unter Schwierigkeiten in ein Krankenhaus in Israel brachte, wo ihm zur Rettung des Lebens Arme und Beine amputiert wurden? Und dass er an diesem Ort sein weiteres Leben verbringen muss?

Denn nach Hause kann Muhi nicht – im Gaza-Streifen gibt es nicht die nötige medizinische Versorgung. Aber normal in Israel leben dürfen das Kind und der Mann aus Palästina auch nicht: Ihre Aufenthaltsgenehmigung bezieht sich allein auf das Gebiet des Krankenhauses. Besuche vom Rest der Familie sind schwierig, da beide Seiten bürokratische Hürden in den Weg legen.

So richten sich Muhi und Abu allein in dieser seltsamen Welt ein. Das Krankenhaus wird zu ihrer Heimat. Muhi wächst scheinbar gleichberechtigt in zwei Kulturen auf: Mit Gebeten zu Elohim und Allah, er spricht arabisch und hebräisch. Dass da ein Krieg herrscht soll Muhi nicht erfahren. Aber die Schrecken des Konfliktes holen auch die beiden schließlich ein…

 

Vier Jahre lang begleiteten die Dokumentarfilmer Rina Castelnuovo-Hollander und Tamir Elterman ihre außergewöhnlichen Protagnisten durch ihr unfreiwilliges Exil. Der Israel-Palästina-Konflikt bleibt dabei im Hintergrund – im Mittelpunkt stehen die Menschen, die der Film stets hautnah begleitet.

Dabei gibt es keine Interviews, sondern nur Beobachtungen. Ein bischen schade, weil man so nicht erfährt, was die Menschen denken und fühlen. Andererseits scheint das auch keine Kultur zu sein, in der groß Selbstreflexion betrieben oder über Gefühle geredet wird. Insofern ist zuschauen vielleicht wirklich die beste Methode.

So entsteht ein sehr intimes Portrait – das trotz der düsteren Thematik auch Mut macht: Begleitet von der einfühlsamen Musik von Ran Bagno erleben wir, wie ein Kleinkind trotz Handicap und geradezu absurder Lebensumstände zu einem lebensfrohen Jungen heranwächst.

WERTUNG: 2

Neuer eigener Film: „Die 47 – die Story eines idealen Hauses“

Die Biografie eines Hauses:  Fünf Jahre lang begleiteten Catharina und ich ein ganz besonderes Bauprojekt mit der Kamera. Die Wohnbaugenossenschaft „Ideal“ schuf nach dem Krieg bezahlbaren Wohnraum für die Nürnberger – nun wurde ihr geschichtsträchtiges erstes Haus durch einen Neubau ersetzt.

Ein Film aus unserer Reihe der Stadtteilbiografien von Muggenhof .

Kino: „Wohne lieber ungewöhnlich“

Und nun leben alle zusammen: In „Wohne lieber ungewöhnlich“ organisieren sieben Kinder eine Wohngemeinschaft der ganz besonderen Art.

Mit der Familie ist das eine schwierige Sache. Der junge Bastien (Teilo Azais) hat neben sechs Halbschwestern und Brüdern mindestens ebensoviele Erziehungsberechtigte: Das Ergebnis unzähliger, sich überschneidender, Ehen und Scheidungen. Mit den wechselnden Beziehungen der Erwachsenen wird der Alltag der Kids stressig und turbulent: Mal übernachten die Kinder bei Oma, mal bei Mama, mal beim Ex. Eine Heimat ensteht so nicht – auch weil die Eltern beruflich nicht vor Ort sind, sondern in London, Afrika oder in den virtuellen Welten des Internets.

Bastien hat dieses Wandervogel-Dasein satt und kapert mit seinen Halbgeschwistern die große Wohnung einer verstorbenen Oma mitten in Paris. Von nun an soll dieser Ort das ruhige Zentrum sein, an dem die Kinder zusammen wohnen wollen. Den Erwachsenen legen sie einen Plan vor, nach welchem diese den Haushalts- und Besuchsdienst zu versehen haben. Natürlich sind nicht alle Eltern von dieser Revolution der Verhältnisse begeistert…

 

In „Wohne lieber ungewöhnlich“ stellt Regisseur Gabriel Julien-Laferrière das gängige Bild von Erziehung auf den Kopf: Hier sind es die Erwachsenen, die Schwierigkeiten haben, sich im Leben zurecht zu finden. Sie brauchen das Engagement, die Kreativität und die Anleitung der nächsten Generation, um ihrem Leben Struktur und Sinn zu geben.

Zum Glück erzählt der Film das alles mit viel Leichtigkeit, Humor und Tempo. Dabei wirkt er selbst wie ein Patchwork: Statt einer Hauptperson zu folgen springt die Geschichte zwischen den fast 20 Charakteren hin und her. Dass das nicht für Verwirrung sorgt, ist den durchweg brillianten Schauspielern (darunter auch Gérard Depardieus Tochter Julie) zu verdanken, die es schaffen ihre Figuren in sehr kurzer Zeit auf den Punkt zu bringen.

Klar, dass bei einem so großen Ensemble die Charaktere eher skizzenhaft bleiben, dennoch sorgt diese Vielzahl an Figuren auch dafür, dass ein ebenso abwechslungsreiches wie unterhaltsames Abbild der Gesellschaft entsteht.

Letztlich ist der Film eine gelungene Komödie, die aber nie vergisst, dass sie von Menschen erzählt, die auf der Suche nach Sinn und Gemeinschaft sind. So gesehen ist die WG weit mehr als nur ein paar Räume in Paris – sie ist ein hoffnungsvoller Gegenentwurf zur anonymen, globalisierten Welt von heute.

WERTUNG: 3

Gesehen: „Obama – the final year“

Wie sieht es hinter den Kulissen des Weißen Hauses wirklich aus?
Der Dokumentarfilm „Obama – the final year“ folgte dem außenpolitischen Team des Präsidenten durch die letzten zwölf Monate – und hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck von ihrer Leistung.

Es sind etwa 20 Leute, die Barack Obamas engsten Beraterstab bildeten und seine Außenpolitik mitgestalteten. Die Doku folgt ihnen über 12 Monate in über 20 Länder – meist zu solchen mit akutellen Konflikten wie Nigeria, oder solchen die früher Außeinandersetzungen mit der USA hatten, wie Laos.

Dabei gelingt es dem Film gut, die Hektik dieser düsenden Diplomaten einzufangen: Während man noch in Paris verhandelt müssen schon Reden für den Jemen geschrieben werden, im schmelzenden Eis des Nordpols macht man sich bereits wieder Sorgen um den Konflikt in Syrien.

Es liegt in der Natur der Sache, dass das für den Zuschauer oft unübersichtlich wird, da nicht alle Brennpunkte erklärt werden – aber man bekommt einen guten Eindruck von der Fülle der Aufgaben und Probleme von Obamas Helfern – und auch wie diese im Verlauf des Films immer sprachloser werden, als sich herauskristallisiert, dass sein Nachfolger wohl nicht Hillary Clinton heißen wird.

Was das Team angeht hinterlässt die Doku einen zwiespältigen Eindruck bei mir: So werden die Obama-Helfer durchaus als Menschen dargestellt, die gutes wollen (Klimaschutz, internationale Zusammenarbeit, Frieden) – aber wenig davon erreichen. Außer Reden scheinen sie nicht viel zu tun. Zudem wirken sie auf mich oft sehr Oberlehrerhaft: Sie düsen von Land zu Land um den Leuten dort aufs Brot zu schmieren was sie falsch machen und stellen sich oft als Menschen dar, die sich selbst für viel gescheiter halten, als den Rest der Welt.

Vielleicht sah das amerikanische Volk das ja auch so und wählte deshalb einen Nachfolger, der bisher nicht den Eindruck machte zu gescheit zu sein.

Insgesammt etwas erhellend, etwas verwirrend und ziemlich ernüchternd.

WERTUNG: 2

Gesehen: „Stranger Things 2“

Juhu! Knapp 9 Stunden Stranger Things 2 sind geguckt – und es hat wieder richtig Spaß gemacht! Ein Wort vorweg: Der Text enthält ein paar Spoiler zu Season 1 – aber die sollte man ohnehin gesehen haben, bevor man das hier guckt, da Staffel 2 eine direkte Fortsetzung ist. (Ganz abgesehen davon, dass auch S1 richtig gute Unterhaltung ist).

 

Die Story:
Ziemlich genau ein Jahr nach den Ereignissen von Season One haben die Helden von Hawkins noch immer mit den Nachwirkungen des Kampfes gegen den Demogorgon zu kämpfen. Mike vermisst Eleven und Will wird von Visionen geplagt. Und auch wenn die erste Schlacht geschlagen wurde: Das Tor zur anderen Seite ist noch immer offen – und neues Unheil braut sich dort zusammen.

Die Stimmung:
ST 2 macht genau da weiter, wo ST 1 aufgehört hat – aber dankenswerterweise mit deutlich höherem Budget. Das bedeutet es gibt mehr Action, mehr Aufnahmen der Stadt in den 80ern und mehr Monster. Das Herz von ST bleiben aber weiterhin die intelligenten und glaubwürdigen Charaktere. Und es kommen neue witzige Personen hinzu, wie der von Sean Astin gespielte Elektronik-Fachhändler Bob und der Verschwörungstheoretiker Murray (Brett Gelman). Zudem verlässt die Handlung erstmals Hawkins und zeigt uns andere Aspekte der Welt.

Der Stil:
Im Gegensatz zur Season 1 wird nun nicht mehr versucht, die 80er auch stilistisch zu imitieren. Die Kamera bewegt sich nun wesentlich agiler und die Reihen der Monster werden durch digitale Kreaturen verstärkt. Mir gefällt das, da die Serie dadurch dynamischer wird und ihren ganz eigenen Stil entwickelt, statt Vorbilder zu imitieren. Und 80er Flair gibt es nach wie vor genug – zum Glück nun ohne nervige Stroboskop-Blitze und mit weit weniger „Buh“-Momenten mit lauten Sounds.

Hinter den Kulissen:
Zusätzlich zur Serie bietet Netflix die Doku-Serie „Beyond Stranger Things“ an, die man sich aber erst nach Abschluss der Staffel ansehen sollte, da gleich zu Beginn das Ende gezeigt und diskutiert wird. Hier wird in gemütlicher und entpannter Runde über die Dreharbeiten geplaudert. Dabei zeigt sich, welcher Geist am Set herrschte: Professionalität, Respekt und jede Menge Spaß! Sehr cool.

Fazit:
ST2 bessert in der Form nach, bleibt sich aber inhaltlich absolut treu. Nach wie vor ist es eine Serie, die mit tollen Monstern und Geheimnissen auftrumpft, aber auf einem anderen Level auch viel darüber erzählt, wie Menschen unterschiedlicher Generationen mit Problemen und einander umgehen. Ein absoluter Hit!

Serie: „Stranger Things“

Die für mich bisher beste Entdeckung in der Netflix-Serien-Wühlkiste war eine zurecht hochgelobte Mystery-Serie mit 80er Jahre Flair. Hier mein Eindruck zu

Stranger Things – Staffel 1
(2016)

Story:
1983: In der Kleinstadt Hawkins verschwindet ein kleiner Junge. Seine Familie und seine Freunde machen sich auf die Suche nach ihm und müssen bald entdecken, dass sie es nicht nur mit einer geheimnisvollen Regierungs-Behörde mitten im Wald zu tun haben, sondern möglicherweise sogar mit einem echten Monster…

 

Stimmung:
Stranger Things wirkt wie eine Stephen-King-Verfilmung, die Steven Spielberg in den 80ern gemacht hat – bis hin zum Vorspann mit wummernden Synthies, Neonbuchstaben und griseligem Bild. Dazu passt auch die ruhige Kameraarbeit. Am Anfang wirkt noch alles recht entspannt, wobei sich der Grusel und die Action bis zum Finale aber deutlich steigern.

Schauempfehlung:
„Stranger Things“ erzählt eine durchgehende Geschichte und sollte deshalb komplett und in Reihenfolge geguckt werden. Die ganze Staffel ist mit nur acht Folgen auch kompakt und übersichtlich, wobei mir nur die Kids sofort ans Herz gewachsen sind – bei den Erwachsenen und den Jugendlichen dauerte es etwas.

Positiv:
Das 80er-Jahre Flair ist perfekt getroffen (auch wenn ab und zu ein neuerer Song reingemogelt wird) und die Kids sind die glaubwürdigsten und sympathischten Kinder, die es seit langem im Kino zu sehen gab – super geschrieben, brilliant gespielt. Zudem wirken auch alle Effekte und Kreaturen handgemacht und nicht digital. Sehr cool!

Negativ:
Leider folgt die Serie auch was den Grusel angeht den Methoden der 80er: Immer wieder werden wir durch laute Geräusche erschreckt und dass sich das Monster durch stroboskop-artige Lichter ankündigt wird spätestens im Finale zu einem harten Test für die Sehnerven. Hoffentlich wird das in den nächsten Staffeln etwas zurückgefahren, sonst braucht die Serie eine Epilepsie-Warnung auch für nicht-Epileptiker.

Fazit:
Ein starkter Auftakt mit kleinen Schwächen, der fair (also ohne großen Cliffhanger) endet und dennoch Lust auf mehr macht.

=> Season 2

Im Test: Netflix

Anfang des Jahres hatten wir uns den kostenlosen Probemonat Netflix gegönnt, um „Star Trek: Discovery“ sehen zu können. Hier mein Eindruck:

Die Technik:
Das Auswahlfenster mit der rießigen Werbung oben und den einzelnen Genre-Spalten (z.B. Action, Comödie) ist eher umständlich und unübersichtlich. Zwar kann man auch direkt nach Filmen suchen, kriegt dann aber gleich ein Dutzend ‚ähnliche‘ angezeigt – auch wenn es den gesuchten gar nicht gibt. Hier wären präzisere Einstellungen besser.
Dafür starten die Filme meist sofort und problemlos, nur ab und zu war die Auflösung zu pixelig, was aber durch Neustart zu beheben war.

Die Extras:
Bonus Material wie man es von DVDs kennt gibt es leider nicht. Zu manchen Serien gibt es zwar Making-Of-Serien (!), aber zumindest im Fall von „Discovery“ entpuppte sich die als grauenvolle Talkshow mit pseudolustigem Moderator.

Die Spracheinstellungen:
Jeder Film lässt sich frei nach Untertiteln und gesprochener Sprache konfiguriren, wobei die Auswahl mal größer mal kleiner ist. Deutsche Untertitel sind praktisch immer dabei. Klingonische nur sehr selten. Leider merkt sich Netflix immer die zuletzt genutzte Einstellung – schöner wäre es, am Startbildschirm ein Menü zu haben.

Die Spielfilme:
Die Auswahl ist groß und es werden auch einige Nischen abgedeckt, doch der Schwerpunkt liegt eindeutig auf US-Mainstream. Filmkunst wie Jarmusch oder Fassbinder wird man vergebens suchen und selbst von Clint Eastwood haben sie nur einen einzigen Film („In the Line of Fire“). Dafür gibt es das Gesamtwerk von Terrence Hill und Bud Spencer. Und auch von dem was sie haben, ist die Auswahl oft nicht nachvollziehbar: Von Peter Jackson Mittelerde-Sechsteiler haben sie nur Teil 3 – Battle of the five armies, von „Star Wars“ alles – außer Episode IV! Sehr seltsam.

Die Serien:
Hier spielt Netflix in seiner eigenen Liga mit jeder Menge internationaler Eigenproduktionen. Auch hier herrscht eine gewisse Unübersichtlichkeit. Regelmäßig kommen Serien hinzu oder verschwinden wieder ohne Warnung. Von manchen gibt es ein dutzend Staffeln, von anderen nur eine Auswahl. Auch hier wäre mehr Übersicht gut, ohne auf externe Seiten ausweichen zu müssen.

Der Preis:
Für den Preis der Kinokarte für eine Person kann man in der kleinsten Version ein Monat lang alles gucken war man will. Fair.

Fazit:
Netflix ist aktuell ein bischen wie die Wühlkiste im Kaufhaus: Viel drinn, aber auch viel Kram. Zum reinschnuppern in Serien, die man ohnehin schon immer sehen wollte eignet es sich perfekt und ab und zu stösst man auch auf unerwartete Perlen. Für Filmfans kurzfristig eine gute Ergänzung zur DVD-Sammlung, aber keine langfristige Alternative.

Kino: „Die Vögel singen in Kigala“

Vom Filmemachen in einem verwundeten Land: Die polnische Schauspielerin Jowita Budnik erzählte von den Dreharbeiten zu „Die Vögel singen in Kigala“ in Ruanda.

Die polnische Filmwoche, die dieses Jahr bereits zum 13. Mal in Nürnberg stattfindet, ist bekannt für die ungewöhnlichen, kunstvollen und experimentellen Filme, die dort zu sehen sind. Doch selbst in diesem Rahmen ist „Die Vögel singen in Kigala“ ein Exot. Denn gedreht wurde größtenteils nicht in Polen, sondern im afrikanischen Ruanda. Ein Land, das seit der blutigen Kämpfe zwischen den Stämmen der Tutsi und Hutu tief verwundet ist.

Der Film erzählt davon wie zwei Frauen das Geschehen erleben, zusammen nach Polen flüchten und sich dort mühevoll wieder ihre Leben aufbauen und mit dem Trauma fertig zu werden: Die Tutsi Claudine Mugambira (Eliane Umuhire) und die polnische Ornithologin Anna Keller. Deren Darstellerin Jowita Budnik war im Cinecitta zu Gast und berichtete über die ungewöhnlichen Drehbarbeiten zu diesem Film: „Es ist nicht der erste Film zu dem Thema“, sagt sie. „So gab es beispielsweise ‚Hotel Ruanda‘, aber das war eine Hollywood-Produktion, an der niemand aus Ruanda beteiligt war. Bei uns waren die Schauspieler und das Drehteam aus dem Land. Das machte mir am Anfang Angst, weil ich nicht wusste, wie die Menschen reagieren, wenn sie darauf angesprochen werden.“ Denn die Ereignisse hallen in Ruanda noch immer nach: „Es waren ja keine Soldaten oder Polizisten, welche die Morde begangen haben, sondern ganz normale Nachbarn. Deshalb ist jeder dort betroffen: Als Opfer, Täter oder Nachkomme.“

 

Elf Jahre lang arbeite das polnische Filmemacherpaar Krzystof Krauze und Joanna Kos-Krauze an dem Thema. „Ursprünglich war es als Koproduktion mit US-Geldgebern gedacht – und mit Nick Nolte in der Rolle des Ornithologen. Das hat sich dann zwerschlagen, so dass ich die Rolle bekam.“

Dem Film hat es gut getan: „Bei einem Mann und einer Frau hätte immer die Frage nach einer Liebesgeschichte im Raum gestanden und vom Völkermord abgelenkt“, so Budnik. „Zudem wäre es leicht in Gefahr gelaufen eine altmodische koloniale Sichtweise zu zeigen: Der weiße Mann rettet die schwarze Frau.“

Stattdessen ist „Die Vögel singen in Kigala“ ein sehr kunstvoller und nachdenklicher Film geworden, der mit wenig Dialogen auskommt und das Grauen in ruhigen, symbolischen Bildern einfängt, wobei besonders die Geier, welche Anna Keller in Ruanda ursprünglich studieren wollte zum Zeichen für das Unbeschreibliche werden.

Wichtig ist Budnik auch, dass es kein explizit politischer Film geworden ist: „Es geht um Emotionen und darum, wie Menschen mit Traumata umgehen. Dass haben dann auch die Menschen in Ruanda begriffen und uns Zutritt zu Orten gewährt, die bisher noch kein Drehteam besuchen durfte, wie etwa ein Gefängnis.“

Begeister war sie auch von den Menschen in Ruanda: „Wir wurden sehr, sehr herzlich aufgenommen. Jeder dort ist daran interessiert, dass sich solche Ereignisse nie wiederholen. Inzwischen ist es sogar verboten zu fragen, ob jemand Tutsi oder Hutu ist.“

WERTUNG: 3