Kino: „Hannes“

Einmal nicht der Eberhofer: Mit „Hannes“ wurde der bisher persönlichste Roman von Rita Falk verfilmt. Zur Franken-Premiere kam die Starautorin ins Cinecitta.

Die Freunde Hannes (Johannes Nussbaum) und Moritz (Leonard Schleicher) düsen im schönsten Sonnenschein mit ihren alten Motorrädern über malerische Bergpässe. Sie lachen, sie machen Quatsch – bis Hannes plötzlich die Kontrolle über seine Maschine verliert und in den Abgrund schlittert.

Er überlebt, liegt aber im Koma. Moritz, der sich am Unfall seines Freundes mitschuldig fühlt, beschließt alles zu tun, um Hannes zurück ins Leben zu bringen. Er übernachtet bei ihm, führt für ihn Tagebuch und übernimmt schließlich sogar Hannes Arbeit in einer psychiatrischen Einrichtung, damit dieser nicht den Job verliert. Fast unmerklich lernt er dabei sein eigenes Leben zu leben und zu gestalten…

Auf den ersten Blick fällt es gar nicht auf, dass dieser nachdenkliche Film über das Erwachsenwerden und das Loslassen aus der selben Feder stammt, wie die derb-fröhlichen Provinz-Krimis um Dorfpolizist Franz Eberhofer.

‚„Hannes“ ist sicher ein besonderes und mein persönlichstes Buch, weil es auf einer wahren Geschichte beruht“, verrät Autorin Rita Falk dann auch. „Mit 30 kam eine gute Freundin von mir bei einem Verkehrsunfall ums Leben – aber anders als Moritz hatte ich nicht die Möglichkeit, mich wirklich von ihr zu verabschieden. Deshalb habe ich diese Trauer in diesem Roman verarbeitet.“

Und bei genauerem Hinsehen entdeckt man auch in ‚Hannes‘ die Markenzeichen der Autorin: Die Liebe zur Heimat, das detailgetreue Erzählen und vor allem die Art einen ganzen Mini-Kosmos von Figuren aufzuspannen, die dem Publikum schnell ans Herz wachsen. Um das als Film umzusetzen brauchte es einen passenden Regisseur, der das Gefühl hinter dem Buch verstand:

„Es geht da immer um Vertrauen“, meint Falk. „Ich möchte nicht, dass meine Figuren in Filmen falsch dargestellt werden – aber ich will auch nicht jedem Tag am Drehort auftauchen und nachgucken ob alles passt. Deswegen freue ich mich, wenn ich Menschen gefunden habe, denen ich vertrauen kann: Wie dem Team der Eberhofer-Filme oder jetzt Hans Steinblicher.“

Der Schweizer Regisseur überzeugte Falk vor allem durch seinen Film „Eine unerhörte Frau“, in dem es um den Umgang mit einer schweren Krankheit ging. Er war von dem Stoff sofort begeistert: „Ich habe den Roman gelesen und er traf mich ins Herz! Er hat eine Gravitation, die mich anzog. Es ist eine Geschichte die vom Verlust erzählt und wie man damit umgeht und das kenne ich natürlich. Während der Dreharbeiten starben meine Eltern und der Film half mir weil er zeigt: Man muss nicht depressiv werden, sondern kann am Verlust auch wachsen.“

Gedreht wurde „Hannes“ schon vor der Pandemie, wurde aber bis jetzt zurückgehalten, um ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Denn obwohl Rita Falk mit ihren Eberhofer-Büchern regelmäßig Bestseller liefert blieb der Roman „Hannes“ eher ein Geheimtipp: „Es ist mir aber wichtig, auch solche Bücher zu schreiben“, sagt Falk. „Da lasse ich mir auch vom Erfolg nichts vorschreiben. Ich will genau die Bücher machen, an denen ich selber Spaß habe – und am Ende ist ja auch keines nur lustig oder nur traurig, sondern hoffentlich eine gute Mischung.“

Die gute Mischung zwischen Falk und Steinbichler soll übrigens auch weitere Früchte tragen: „Wir haben Ideen, die sich sehr ähnlich sind und werden uns Anfang des nächsten Jahres zusammensetzen und über ein neues Projekt beraten“, verrät Falk.


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