Kino „Homo Communis“

Überleben in der Welt von morgen: In ihrem Dokumentarfilm „Homo Communis“ stellt Regisseurin Carmen Eckhardt moderne Formen des gemeinsamen Lebens und Arbeitens vor.

„Mir macht es einfach Spaß, Dinge zu probieren, von denen die anderen Leute sagen: Das geht nicht oder ist verboten“, erzählt ein junger Mann, der sich in der Wuppertaler „Utopiastadt“ engagiert. Einem Verbund ganz unterschiedlicher Menschen, die hier gemeinsam Ideen für eine bessere Zukunft ausprobieren.

Ein Motto, das auch für Regisseurin Carmen Eckhardt gilt. Unabhängig von TV-Sendern und Fördergeldern – finanziert durch Crowdfunding – reiste sie mit einem Mini-Team bestehend aus Kameramann Gerardo Milsztein und dem Nürnberger Tontechniker Robert Kellner durch die Welt um Initiativen zu portraitieren, in denen ein neues Miteinander gelebt wird. Davon gibt es erstaunlich viele: „Wir haben über 100 anrecherchiert“; erzählt Eckhard. „40 haben wir uns angeschaut und bei 20 gedreht. Im Film zeigen wir schließlich acht.“

Die Kooperative „Cecosesola“ in Venezuela etwa, die in gemeinschaftlicher Arbeit von der Hebamme bis zum Sarg alles bereit hat – und nebenbei noch Lebensmittel für hunderttausende Menschen in dem von Armut geplagten Land produziert. Oder die Aktivistinnen, die im Hambacher Forst seit 10 Jahren für den Erhalt des Waldes demonstrieren.

Alle haben gemeinsam, dass sie versuchen hierarchische Strukturen zu vermeiden und alles demokratisch zu entscheiden: Bei Cecosesola mussten alle aktiven 1300 Mitglieder gefragt werden, ob sie das Drehteam filmen lassen.

„Das ist natürlich super anstrengend“, meint Eckhardt. „Aber es ist notwendig. Für das Leben in einer Gesellschaft nach dem Kollaps. Und dass der kommt, wird immer wahrscheinlicher.“

Ein bischen fühlt sich ihr Film deshalb an wie eine reale Version von Isaac Asimovs „Foundation“-Romanen: Der Zusammenbruch der alten Welt ist nicht mehr aufzuhalten. Statt immer verzweifelter am Erhalt des Status Quo zu arbeiten, sollte der Blick deshalb in die Zukunft, die Zeit nach dem Kapitalismus gerichtet werden: „Die Zukunft gehört nicht mehr den großen Konzernen und dem weltweiten Wettstreit – sondern lokalen Gemeinschaften, die für das Gemeinwohl zusammenarbeiten.“

Ob das funktionieren kann?

„Der Schlüssel ist, dass wir lernen, unsere Konflikte zu bearbeiten ohne dass die Beziehungen darunter leiden“, ist Eckhardt überzeugt. „Das geht vor allem durch achtsame Kommunikation“.
Dafür liefert ihr Film viele eindringliche und inspirierende Beispiele, wobei ich persönlich finde, dass die Auswahl etwas vielfältiger sein könnte: Es werden nur ökologisch oder sozial motivierte Gruppen vorgestellt, keine mit religiösen Hintergründen. Dabei haben doch seit den ersten Mönchen solche Gruppen immer eine wichtige Rolle im Ausprobieren neuer Gemeinschaften gespielt.

WERTUNG: 2

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