Kino: „May, die dritte Frau“

Wie ein Liebesbrief an die Großmutter zu einem Kinoerfolg (und zu einem Skandal) wurde. Zur Wiederaufnahme der Vorstellungen im „Filmhauskino“ präsentierte Regisseurin Ash Mayfair ihren Spielfilm „May, die dritte Frau“.

Grandiose Berge, weite Seen, üppiges Grün – gleich zu Beginn von „May, die dritte Frau“ empfängt uns die prachtvolle Landschaft Vietnams, als wir mit der Titelheldin (gespielt von Nguyen Phuong Tra My) einer ungewissen Zukunft entgegenfahren. Es ist das ausgehende 19. Jahrhundert und May ist auf dem Weg zu ihrem Ehemann, dem reichen Seidenbauern Hung. Sie hat den Mann nie gesehen, der dort mit seinen ersten beiden Ehefrauen auf sie wartet. Von Liebe ist keine Rede. Frauen sind hier vor allem Handelsware. Ihre einzige Aufgabe: Kinder gebären, wenn möglich Söhne.

Der Film fokussiert sich meist auf die Beziehung zwischen den drei Frauen: Vor allem die jüngere Xuan (Mai Thu Huong) ist es, die May inspiriert – denn sie hat einen Weg gefunden, wie sie die recht freudlosen Bettstunden mit dem Ehemann erotisch aufladen kann. Doch dieser Weg ist nicht ohne Gefahr…

Regisseurin Ash Mayfair – die nach der Vorstellung live aus den USA zugeschaltet wird – entwickelte die Geschichte aus den Lebenserinnerungen ihrer eigenen Großmutter: „Ich wollte ihr damit eine Art Liebesbrief schreiben“, sagt sie. „Ich finde diese Frauen waren sehr mutig. Es wäre leicht, sie als Opfer zu zeigen – aber für mich sind sie Heldinnen!“ Eine erste Version des Films entstand als Abschlussarbeit an der New Yorker Filmhochschule – mit dieser gelang es ihr Förderung für die Umsetzung als richtigen Spielfilm zu bekommen: Etwa 900 000 Dollar, ein echtes Schnäppchen für einen Film, der im Ausland in historischen Kostümen und Kulissen gedreht wird.

„Zur Vorbereitung lebten die Darstellerinnen und ich einige Wochen auf der Farm in der vietnamesischen Provinz“, erzählt Mayfair. „Wir hatten nur ein sehr kurzes Drehbuch dabei und viele Szenen entstanden durch Improvisation.“

Das fertige Werk bildet dann auch eine gelungene Mischung aus historisch-akkurater Familienbiografie, spontanem Spiel und eigenen Erfahrungen von Mayfair, die sie in die Vergangenheit projezierte.

Auf Filmfestivals weltweit, aber vor allem in ihrer vietnamesischen Heimat traf der Film einen Nerv: „Die Kinos waren rappelvoll“, erinnert sich Ash Mayfair. „Bei der Premiere waren es vor allem ältere Damen in Rollstühlen.“ In nur vier Tagen wurde „May, die dritte Frau“ zur erfolgreichsten vietnamesischen Kinoproduktion der letzten Jahre. Dann zog der Verleih den Stecker und den Film zurück: Konservative Kräfte hatten gegen den Film opponiert, weil er angeblich pornografische Elemente enthielt.

Davon kann keine Rede sein. Der fast komplett von Frauen entworfene und gedrehte Film behandelt zwar das Thema Sexualität, stellt es aber nie voyeuristisch aus, sondern richtet in allegorischen Bildern (wie der Fahrt des Flusses durch die Höhle) den Blick nach innen.

„Dafür, dass ich den Film eigentlich nur für meine Großmutter machen wollte, war ich sehr überrascht von seiner Wirkung“, meint Mayfair. „Ich habe dadurch erst begriffen, welch wichtiges Werkzeug wir Filmemacherinnen haben, um andere Menschen zu inspirieren, über das zu reden, was ihnen wichtig ist.“

Die Großmutter hat den Film übrigens gesehen.

Sie fand ihn toll. Vor allem die schönen Kostüme.

WERTUNG 3
(Weil für mich schon die meisten westlichen Menschen ziemlich gleich aussehen. In diesem Film wusste ich nie, wer wer ist. Die sehen alle aus wie Björk. Sogar die Männer.
Für Leute die weniger propagnosisch und am Thema interessiert sind aber eine vorbehaltlose Empfehlung).

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