Kino: „Ausgrissn – In Lederhosn nach Las Vegas“

Auf der Suche nach Freiheit: Im Film „Ausgrissn“ fahren zwei junge Männer aus Niederbayern mit Mopeds nach Las Vegas. Im Cinecitta erzählten sie von ihrer Reise.

„Beratungsresistent“ ist ein Wort, das gern verwendet wird, wenn man Leuten nicht direkt sagen will, dass sie immer ihren Dickkopf durchsetzen müssen. Vermutlich haben es Julian und Thomas Wittmann oft gehört, seit sie an einem feucht-fröhlichen Abend folgendes Projekt ausheckten: Sie fahren gemeinsam von Niederbayern nach Las Vegas. Über 4000 Kilometer auf historischen Zündapp-Mopeds, die es gerade mal auf 50 Stundenkilometer bringen. In Lederhosen. Das Ergebnis wollten sie als Film festhalten. „Alle sagten ihr habt ja voll den Schlag“, erzählen die beiden im Cinecitta. „Denn Reise-Dokus sind zwar populär, aber meist werden sie von hübschen jungen Pärchen gedreht. Nicht von Leuten wie uns.“ Doch das konnte die zwei nicht aufhalten. Schließlich hatten sie nebenbei noch eine wichtige Frage zu klären: „Was ist Freiheit?“ Wenns darauf eine Antwort gibt, dann sicher in den Weiten des wilden Westens.

Und so schipperten sie per Lastkahn nach New York. Von dort ging’s über die Country-Hochburgen Tennessees immer weiter westwärts. Begleitet wurden sie von einem dreiköpfigen Drehteam: „Kameramann, Tonmann und Asssistent – die fuhren in einem klapprigen Minibus hinter uns her, der ihnen gleichzeitig als Büro und als Arbeitsplatz diente. Wir hätten mit ihnen nicht tauschen wollen“, erzählen die Wittmanns.

Auf ihrer Reise treffen die beiden allerhand seltsame Typen: Einen abgehalfterten Malboro-Mann-Darsteller, einen Ex-Soldaten, der sie mit auf den Schießstand nimmt, einen „Hillbilly“, der als Selbstversorger mitten im nirgendwo lebt oder einen Country-Musikproduzenten, der sie gleich zu einer Session einlädt. Es scheint, dass im Westen überwiegend alte Männer unterwegs sind. Oder dass die Frauen dort vielleicht nichts mit zwei Jungs zu tun haben wollen, die es klasse finden, drei Monate lang die gleiche Lederhose zu tragen: „Das ist praktisch, weil man sich so gut die Hände daran abwischen kann.“

Ins Cinecitta bringen sie dann aber tatsächlich eine Frau mit: Schauspielerin Stephanie Liebl, die in dem Film eine bayerische Kellnerin darstellt. Denn das Roadmovie hat auch einen Spielfilm-Teil: Darin versuchen die Wittmanns ihren fertigen Film daheim in der Dorfwirtschaft zu zeigen, was zu Neid und Ärger bei den Einheimischen führt. Kabarettistin Monika Gruber, welche die Brüder über ein paar Ecken kennen lernten, spielt in dieser Geschichte eine freundliche Putzfrau, die sie wieder aufbaut.

„Jeder der aus der Filmbranche kommt hat uns gesagt: Fiktion und Realität in einem Film, das klappt nicht“, erinnern sich die Wittmanns. Und tatsächlich kann der Spielfilmteil, obwohl sorgfältig gemacht, nicht mit dem skurilen Charme der Amerika-Fahrt mithalten.

Von der brachten die beiden schließlich über 500 Stunden Film mit, die in einem langen Prozess auf Spielfilmlänge heruntergekürzt wurden. Das Fazit der beiden: „Wir hätten es uns aufregender vorgestellt“.

Dabei mangelt es wahrlich nicht an spannenden oder gar gruseligen Momenten: Wenn Julian versucht innerhalb von einer Stunde zwei Kilo Steak zu essen oder wenn die beiden von einem dubiosen Hells-Angels-Duo mitgenommen werden, das ihnen frei von der Leber weg erzählt, dass sie bereits Menschen auf dem Gewissen haben. Da müssen sogar die Wittmanns im Rückblick zugeben: „Manchmal wär es nicht schlecht gewesen, wenn wir etwas mehr gesunden Menschenverstand mitgenommen hätten.“

WERTUNG: 3

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