Kino: „Lotti oder der etwas andere Heimatfilm“

Plötzlich Filmstar: Der Fürther Schauspieler Thomas Rohmer wurde nach 30 Jahren auf der Bühne für’s Kino entdeckt. Und zum Publikumsliebling in einer sehr ungewöhnlichen Filmproduktion.

Eigentlich ist Thomas Rohmer durch und durch Theatermacher. Seit 30 Jahren ist er mit seinen „Theatergastspielen Fürth“ im ganzen deutschsprachigen Raum unterwegs. Und ursprünglich wollte er dieses Jubiläum auch auf der Bühne feiern. „Aber Corona funkte dazwischen – 150 Vorstellungen sind mir in diesem Jahr ausgefallen“, erzählt er uns mit großem Bedauern beim Gespräch im Fürther Cineplex.

Doch Rohmer hatte Glück im Unglück: Denn letztes Jahr übernahm er sponten eine Rolle in dem Spielfilm „Lotti oder der etwas andere Heimatfilm“. Sein erstes Mal vor Filmkameras. Und das in einem ganz besonderen Film: „Der Regisseur Hans-Günther Bücking stammt aus dem kleinen Ort Bleicherode in Thüringen – und wurde auf einem Fest vom Bürgermeister gefragt, ob er auch mal einen Film in der Stadt drehen könne“, erzählt Rohmer. „Er sagte zu – unter der Bedingung, dass der ganze Ort mitspielt.“

So kam es, dass der komplette Film in echten Läden, Kneipen und Häusern vor Ort gedreht und durchgehend mit Laien besetzt wurde. Bis auf drei Profi-Schauspielerinnen: Haupdarstellerin Marion Mitterhammer, Kabarettist Bruno Jonas und eben Thomas Rohmer.

„Ich habe den Regisseur auf einem Festival getroffen und er hat sofort gesagt, dass er für mich eine Rolle schreiben will. Das hat mich natürlich sehr gefreut, da ich ja nicht wie der typische Filmstar aussehe“, lacht Rohmer. „Aber als ich das Skript las, hätte ich beinahe doch abgesagt!“

Denn die Geschichte handelt von einer alternden Pornodarstellerin, die in ihre Heimat Bleicherode zurückkommt, um sich mit ihrer Tochter auszusöhnen. Und Rohmers Rolle entpuppte sich als die eines fränkischen Pornoproduzenten. „Ich dachte erst, dass kann ich nicht bringen – aber dann habe ich verstanden, dass es diese Figur ist, die Herz und Humor in den Film bringt.“

So lies er sich auf das Abenteuer Filmdreh ein: „Das ist ganz anders als im Theater. Eine Szene, in der Marion und ich Tee trinken haben wir einen ganz Tag lang gedreht – ich hätte mich fast übergeben nach 40 Tassen…“

Doch die Mühe lohnte sich: Der Film wurde erstaunlich charmant und Rohmers Figur zum absoluten Sympathieträger: „Ich durfte mich in das goldene Buch der Stadt eintragen und habe wirklich eine Fanbase in Bleicherode“, freut er sich. Die Rolle brachte ihm auch weitere Film- und TV-Engagements ein, die ihn über die Corona-Zeit brachten. Und letztlich rettete der Film auch sein Theater-Jubiläum: „Nächstes Jahr werde ich als Pater Brown in Bleicherode auf der Bühne stehen – obwohl der Ort gar kein Theater hat! Sie räumen extra die Kirche für mich frei! Das wäre in Fürth wohl undenkbar!“

WERTUNG: 2

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