Kino: „Die Kandidaten“

„Wahlkampf ist ein Knochenjob“ – Der Fürther Regisseur Michael Schwarz stellte seinen Dokumentarfilm „Die Kandidaten“ im Babylon vor.

Wie passend: In den 80er Jahren sah Michael Schwarz im Fürther Babylon Kino seinen ersten Film. Nun kehrt er als Regisseur in seine Heimatstadt zurück, um seinen ersten eigenen Kino-Dokumentarfilm zu präsentieren. „Die Kandidaten“ porträtiert sechs rheinländische Jung-Politiker, die sich 2017 für den Bundestag bewarben und begleitet sie beim Klinkenputzen, Plakate-Kleben und Reden halten.
„Man hört viel von Politikverdrossenheit“, erzählt Schwarz. „Deswegen wollte ich herausfinden, was gerade junge Menschen dazu bringt, sich für eine Partei zu engagieren – auch wenn sie selbst nicht wirklich Chancen haben ihr Direkt-Mandat zu erringen.“
Wie etwa der erst 19-jährige Max Keck, der für die Linke antritt oder die Studentin Misbah Kahn, die im GRÜNEN-T-Shirt geduldig auf der Straße steht um Radfahrern Flickzeug mit Parteiwerbung anzubieten.

Dabei war es Schwarz wichtig, das ganze politische Spektrum abzubilden: „Wir haben uns vor dem Start natürlich überlegt, ob wir die AfD mit reinehmen“, sagt Schwarz, der selbst nicht mit den Zielen dieser Partei übereinstimmt. „Aber sie spielt jetzt eine Rolle, deswegen wollten wir sie weder auslassen, noch übermäßig in den Mittelpunkt stellen.“
Und tatsächlich gelingt im das Kunststück alle Kandidaten sehr fair und neutral darzustellen. Was auch daran liegt, dass in dem Film nicht die politischen Inhalte im Mittelpunkt stehen, sondern die konkrete Arbeit im Wahlkampf: „Ich wusste schon vorher, dass das ein Knochenjob ist“, meint Schwarz. „Aber jetzt habe ich noch größeren Respekt vor dieser Arbeit. Manche dieser jungen Leute machen bis zu 20 Termine am Tag – und das alles in ihrer Freizeit!“
Dabei legten Schwarz und sein Team einen ähnlichen Enthusiasmus an den Tag wie die Jungpolitiker: 80 Stunden Material wurden gedreht, 8 Monate lang geschnitten. Dann wurde der Film in eigener Regie in die Kinos gebracht – ohne Verleih: „Wir haben mit jedem Kino einzeln telefoniert und gefragt, ob wir ihn zeigen können. Reich wird man dabei nicht!“ Aber man erlebt einiges – so wurde Michael Schwarz sogar nach Indien eingeladen: „Das Kolkata International Film Festival – das drittgrößte Asiens – machte ein Programm mit deutschen Filmen und wollte unseren dabei haben, also durfte ich eine Woche in Kalkutta sein! Das war schon wunderbar!“

WERTUNG: 2

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