Kino: „Für Sama“

Kinder brauchen einen Platz zu spielen. Für die Kinder im Süden der umkämpften Stadt Aleppo ist das ein ausgebombter Bus, der von ihnen und den Eltern liebevoll bemalt wird – während ein paar Meter weiter schon wieder neue Granaten ihr Zerstörungswerk anrichten.

Oder da ist der Baum, den Arzt Hamza in seinem Garten pflanzt. Und wieder pflanzt, nachdem er weggebombt wurde. Es sind solche Szenen einer geradezu sturen Menschlichkeit, die Waad al-Kateab’s Dokumentation „Für Sama“ so besonders machen.

Die Studentin der Wirtschaftswissenschaften griff zur Kamera, um die Proteste gegen das Assad-Regime zu dokumentieren – dass daraus ein Langzeit-Film über einen schier endlosen Krieg werden sollte, konnte sie nicht ahnen.

Auch nicht, dass mitten drin ihre Tochter Sama zur Welt kommen und die Eltern vor eine schwere Frage stellen würde: Sollen wir aus Liebe zu unserem Kind die Heimat verlassen – oder sollen wir unsere Mission weiterführen?

Denn Waad und Hamza betreiben ein provisorisches Krankenhaus, dass ein Fels im Meer der Zerstörung wird: 700 Operationen in 20 Tagen sind die Regel. Am Ende werden hier fast 6000 Leute gerettet: „Leider waren es nicht mehr“, bedauert Hamza.

„Für Sama“ ist ein harter Brocken. Waad al-Kateab und ihre Familie rennen mit wackeliger Handkamera durch die Straßen. Blut und Tote sind allgegenwärtig. Wir sehen nicht die ‚heroische‘ Seite des Krieges mit ihren Panzern und Gewehren, wir sehen wie Kinder sterben. „Zeit für Gefühle haben wir nicht“, meint Waad einmal und bittet ihre Tochter damit auch um Verzeihung, sie an diesem unmöglichen Ort aufwachsen zu lassen.

Aus dem Material von vier Jahren montierten Waad al-Kateab und der englische Dokuemtarfilmer Edward Watts diesen eindringlichen Film. Die Komponistin Nainita Desai schuf dazu einen Score, der sich wie eine freundliche Hand auf die Schulter der Protagonistinnen legt.

Der Film ist einerseits ein wichtiges Zeitzeugnis zum Syrienkrieg. Aber er vermittelt darüber hinaus noch eine viel tiefer gehende Botschaft: Er erzählt von der Kraft der Solidarität und davon, wie aus einer Familie eine größere Gemeinschaft erwächst, die im Angesichts des Grauens für das Gute einsteht. Und er weist uns auch auf das große Geschenk hin, dass wir unseren Kindern machen können: Einen dauerhaften Frieden.

WERTUNG: A

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