Kino: „Addams Family“

Die Addams Family und der Fluch der dritten Dimension: Die Neurverfilmung der beliebten Grusel-Familie geht optisch zurück zu den Wurzeln – und inhaltlich ins Leere.

„Da-da-da-DAMM, schnipp, schnipp“ – ein halbes Dutzend Mal muss Butler Lurch ansetzen, bevor er die berühmte Titelmelodie der „Addams Family“ korrekt in die Orgeltasten haut. Die Szene steht symptomatisch für diesen Film, der vieles versucht und oft daneben haut.

Dabei ist die Grundidee durchaus vielversprechend: Nach diversen Real-Verfilmungen wird die Sippe optisch hier wieder dem originalen Look der Comics von Charles Addams angenähert, der mit seinen Zeitungscomics in den 1930ern einen Vorläufer der „Simpons“ schuf: Der amerikanische Familienkult, gewendet ins rabenschwarze. Schön auch, dass die Geschichte noch mal von vorn beginnt: Von einem wütenden Mob aus ihrer Heimat vertrieben ziehen Gomez und Morticia Addams mit ihren Kindern an einen möglichst schrecklichen Ort – New Jersey – wo sie glücklich leben, bis eine TV-Moderatorin mit Trump-Frisur versucht, aus dem Städtchen ein blitzsauberes Plastik-Paradies zu machen. Da stört die Gruselvilla auf dem Hügel natürlich und bald stehen wieder Menschen mit Fackeln vor der Tür.

Und nicht nur mit Fackeln, sondern auch mit riesigen Katapulten. Denn dies ist ein 3D-Film und deshalb fliegt einem alle drei Minuten irgendein Effekt um die Ohren. Dafür bleiben die Charaktere auf der Strecke. Denn die Regisseure Conrad Vernon und Greg Tiernan („Sausage Party“) packen so viele Action-Elemente, Figuren und Nebenhandlungen in ihre schmalen 87 Minuten, dass für nichts wirklich Zeit bleibt. Als Kinderfilm ist das zu sprunghaft und als Satire viel zu bieder: Die Moral „Wir können uns alle lieb haben, auch wenn wir anders sind“ ist erstens erlogen (weil wenn sie stimmen würde, gäbe es keinen Trump und keine AfD) und passt zweitens nicht zur Addams Family.

Eines schafft der Film aber: Er macht richtig Lust auf ein Wiedersehen mit den brilliant besetzten Real-Filmen aus den 90ern. Jene Addams Family hätte mit diesen weich gespühlten Nachfahren kurzen Prozess gemacht.

WERTUNG: 4

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