Kino: „Leberkäs-Junkie“

Und ewig frotzeln die Niederkaltenbacher: Die Reihe um Dorfpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) ist auch in der sechsten Folge weiter auf Erfolgskurs. Waren die Provinzkrimis nach den Romanen von Rita Falk am Anfang nur südlich des Weißwurstäquators Kino-Hits, so lacht inzwischen ganz Deutschland über die skurilen, manchmal ekligen und doch stets irgendwo liebenswerten Bayern. Man merkt einfach, dass sich hier über die Jahre ein Team zusammengefunden hat, das diese Filme mit Herzblut macht.

 

Und „Leberkäs-Junkie“ bietet erneut all das, was die Reihe groß gemacht hat: Staubtrockenen Humor, Schauspieler mit Mut zur Hässlichkeit und einen genauen Blick auf das Leben in der Provinz. Und nicht zu vergessen: Jene überraschenden Momente, wenn die eigentlich als Karikaturen angelegten Figuren plötzlich über ihre Klischeehaftigkeit hinauswachsen und einem unerwartet nah gehen. Etwa, wenn Eberhofer und sein Vater (Eisi Gulp) sich über die verstorbene Mutter unterhalten oder wenn ganz nebenbei Themen wie Fremdenfeindlichkeit oder Homophobie eingestreut werden.

Wer also die Reihe bisher mochte, kann auch beim „Leberkäs-Junkie“ beherzt zugreifen. Für Einsteiger ist die Folge dagegen weniger geeignet, da es diesmal vor allem um die behutsame Weiterentwicklung des bekannten Figurenensembles geht. Der Mordfall ist eher Nebensache: Bei einem Hausbrand wird eine völlig verkohlte Leiche gefunden. Hauptverdächtiger ist der farbige Fußballstar des Dorfvereins Buengo – „Der Fuß Gottes“ (Castro Dokyi Affum). Doch Eberhofer glaubt nicht an die Schuld des Angolaners – seine Spur führt ihn statt dessen zu einem umstrittenen Neubaugebiet am Rande des Dorfes…

Und endet auch schon fast dort, denn plötzlich fällt Eberhofer auf offener Straße um: Eine Folge seiner schlechten Ernährung. Die vegane Diät von Oma will dem Leberkäs-Junkie nicht so recht schmecken. Und dann ist da auch noch die stets prekäre Beziehung zu seiner Susi (Lisa Maria Potthoff), die nach der Geburt des Sohnes Paul vollends in die Brüche zu gehen droht. Die Szenen mit dem Baby gehören dann zu den komödiantischen Highlights des Films: Wenn Eberhofer den Bub mit in die Pathologie nimmt oder selbst einen Ausflug ins Kugelbad unternimmt bleibt kaum ein Auge trocken.

Inszeniert ist das von Stammregisseur Ed Herzog mit gewohnt gutem Timing und dem richtigen Gespür dafür, wann Schluss mit Lustig sein muss. Auch die Besetzung ist bis in die kleinsten Nebenrollen wieder großartig. Naja – mit einer Ausnahme: Klaus Augenthaler als Trainer des Dorfvereins zu besetzen klingt witzig, scheitert aber daran, dass bei ihm jeder Satz wie abgelesen wirkt. Da merkt man erst, was der Rest der Schauspieler leistet, diese „ganz natürlichen“ Typen derart glaubhaft zum Leben zu erwecken.

WERTUNG: 2

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