What’s so bad about waving at a train? – In Memoriam John Singleton

Diese Woche starb der amerikanische Regisseur John Singleton. Bekannt wurde er 1991 mit „Boyz in the hood“.

Ich traf ihn ein paar Jahre danach in Berlin auf einer Pressekonferenz anlässlich seines Films „Rosewood Burning“. An den Film kann ich mich kaum erinnern. An die Pressekonferenz dafür umso mehr.

Normalerweise sind Berlinale-Pressekonferenzen erstaunlich fade Angelegenheiten: Die Stars versuchen Werbung für ihre Filme zu machen, die Reporter versuchen schlüpfrige Details über das Liebesleben der Stars zu erfahren. Ums Kino geht es dabei am wenigsten.

Nichts davon hier! Diese Pressekonferenz war ein Kampf! Die europäischen Kritiker (darunter auch ich), hassten „Rosewood Burning“. Wir sahen es als typischen Macho-Rachewestern voller Klischees, nur dass diesmal ein Schwarzer die Rolle des Helden spielte.

Singleton, ein tougher Typ mit einem großem Herz, verstand gar nicht, warum niemand seinen Film liebte und nahm tapfer den Kampf gegen einen kompletten Raum voller feindlicher Leute auf.

Ein tragischer Kampf, weil beide Seiten es aus ihrer Sicht gut meinten:
Wir hatten „Boyz…“ geliebt und wollten, dass er weiter ehrliche, persönliche Filme im Sinne eines europäischen Auteurs drehte (gerne auch schwarzweiß und mit rückwärtslaufender Musik oder so).

Singleton war der Ansicht, dass er einen absolut ehrlichen und persönlichen Film gedreht hatte – im Rahmen des amerikanischen Genre-Kinos.

Die Positionen waren unversöhnlich. Beide Seiten konnten sich nicht verstehen. Besonders ein Kollege hakte immer wieder wegen der Klischees nach: „Am Ende fährt ein Zug ab und die Leute winken ihm nach! So fad'“

Das war der Moment in dem Singleton tief Luft holte, die Arme in die Luft riss und aus tiefer Seele folgenden Satz sagte:

„What’s so bad about waving at a train?“
(Was ist so schlimm daran, einem Zug nachzuwinken?)

Darauf gab es damals keine Antwort und ich weiß auch heute keine.
Aber ich habe diese Worte bis heute nicht vergessen.

John Singleton machte weiter Filme, die Genres bedienten und deren Grenzen ein wenig erweiterten. Am 17. April 2019 hatte er einen Schlaganfall. Zwölf Tage später wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt.

Singelton starb mit nur 51 Jahren.

Und ich stehe da und winke seinem Zug nach.

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