KINO: „Ayka“

Es begann mit einer Zeitungsmeldung: „Im Jahr 2010 blieben in Moskauer Kliniken 248 Kinder zurück, die von Müttern aus Kirgisistan verlassen wurden“. Der russische Regisseur Sergey Dvortsevoy („Tulpan“) las das und war entsetzt: „Was kann eine Mutter dazu bewegen, ihr Kind in einem fremden Land zurückzulassen?“. Er machte sich auf die Spurensuche. Was er herausgefunden hat, präsentiert er in einem Spielfilm, der über weite Strecken wie eine Dokumentation wirkt: Mit lockerer Handkamera verfolgt er die junge Ayka (Samal Yeslyamova) durch die verschneiten Straßen Moskaus. Die Frau ist gerade aus einer Geburtsklinik geflüchtet und hat ihr Kind zurückgelassen. Statt ins Wochenbett geht es für Ayka an die Arbeit. Hühner rupfen in einem dunklem Keller. Schnee schippen. Eine Tierarzt-Praxis putzen. Bald beginnt sie zu bluten und die aufs Stillen vorbereiteten Brüste beginnen zu schmerzen. Zudem sieht sie sich überall mit Zeichen von Mütterlichkeit konfrontiert: Die säugende Dackelhündin in der Tierarztpraxis oder die Putzfrau, die sich für ihren kranken Sohn abarbeitet. Und als ob das noch nicht reichen würde, wird sie gleich zweifach verfolgt: Von der korrupten Polizei, die illegale Einwanderer jagt und von Kredit-Gangstern, denen sie Geld schuldet. Denn eigentlich hatte Ayka einen ganz anderen Traum…

Ayka“ ist ein rohes, heftiges Stück Kino. Die Hauptdarstellerin geht in diesen fast zwei Stunden körperlich und seelisch durch die Hölle – und wurde damit für den Preis als beste Schauspielerin in Cannes ausgezeichnet. Für Regisseur Dvortsevoy steht sie damit stellvertretend für viele starke Frauen, die vor fast unlösbaren moralischen Entscheidungen stehen. Leider ist das ganze auch ziemlich redundant. Gut gefallen hat mir der namenlose Gangster, der Ayka ständig mit Hollywood-artigen Drohungen aufwartet – und dabei ein Gesicht macht als würde er das Mädchen am liebsten adoptieren und beschützen. Sonst aber eher depro.
WERTUNG: 4

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s