KINO: „Christo – Walking on Water“

Der verhüllte Reichstag, ein Vorhang zwischen zwei Bergen in den Rocky Mountains oder über 7000 Tore im Central Park von New York: Immer wieder verwirklichten Christo und seine Frau und Partnerin Jeanne-Claude monumentale Werke.

Als Jeanne-Claude 2009 starb zog Christo sich zurück – viele dachten für immer.

Doch im stillen arbeitete der greise Meister daran, ein Projekt zu verwirklichen, das er und Jean-Claude bereits 1970 geplant hatten: Die „Floating Piers“ – mit buntem Stoff überzogene Pontons, die einem ermöglichen auf einem See kilometerweit „auf dem Wasser zu gehen“.

Dokumentarfilmer Andrey Paounov begleitete Christo bei der Realisierung dieses Projekts im Jahr 2016 – und blättert die Chronik einer Katastrophe auf: Die kleine italienische Stadt Sulzano kann Christo nicht mal ein funktionierendes Mikrofon stellen, geschweige denn den Ansturm von 50 000 Besuchern pro Tag organisieren. Die Bürokratie und das Wetter am Iseosee erschweren die Lage weiter. Und der Meister selbst ist mit seiner cholerischen Art keine Hilfe: Er flucht, schimpft und feuert auch schon mal spontan Mitarbeiter, wenn etwas nicht nach seinem Willen geht…

 

 

Christo – Walking on water“ ist definitv keine Lobhudelei. Mit wackeliger Handkamera folgen die Filmemacher Christo auf Schritt und Tritt durch die Niederungen des Kunstbetriebs. Wir sehen, wie er für potentielle Geldgeber dünn in die Handykameras lächelt, als Stärkung ein Ei ausschlürft oder sich die Wimpern von Faktotum Vladimir Yavachev mit der Schere stutzen lässt.

Über seine künstlerische Arbeit erfahren wir dagegen fast nichts. Es gibt keine Interviews und sein bisheriges Schaffen wird in einer spröden Texttafel zusammengefasst: „Christo und Jeanne-Claude realisierten 23 Werke“. Das ist zu dünn!

Sehenswert machen den Film aber die Einblicke in die haptische Arbeit hinter den Kulissen: Wie mittels Hubschraubern und hunderten von Helfern der See innerhalb weniger Tage in ein Kunstwerk verwandelt wird, ist visuell berauschend. Dazu passt die von Perkussion getriebene Filmmusik, die das mechanische des Arbeitsprozesses elegant in den Zauber des fertigen Werkes überleitet.

WERTUNG: 4

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