KINO: „Free Solo“

Nicht mehr allein auf dem Berg: Der Oscar-prämierte Dokumentarfilm „Free Solo“ begleitet Extrem-Kletterer Alex Honnold auf der schwersten Reise seines Lebens.

Es beginnt, wie Kletterfilme eben beginnen: Mit einem jungen Kerl, der für’s Bergsteigen brennt und mit dem Gipfel, den er unbedingt bezwingen will. In diesem Fall sind das der 30-jährige Alex Honnold, Spezialist für Solo-Touren ohne Seil und „El Capitan“ im Yosemite National Park. Praktisch eine 900 Meter hohe, senkrechte Granitwand ohne nennenswerte Haltegriffe.

Akribisch bereitet Honnold sich auf die fast unmögliche Besteigung vor: In Begleitung vom Kletter-Kollegen Tommy Caldwell erprobt er die schwiergsten Stellen und stählt seinen Geist für den Aufstieg ohne Seil. Doch dann passiert etwas, womit Honnold nicht gerechnet hat: Eine Frau tritt in sein Leben. Und die stellt ihm die schwierigste aller Fragen: Warum?

Das ist dann auch der Punkt an dem „Free Solo“ von Jimmy Chin und Elizabeth Chai Vasarhelyi die gewohnte Dramaturgie des Bergfilms verlässt und Honnold auf eine ganz andere Reise begleitet: Nach neun Jahren im Wohnmobil geht er plötzlich ein Haus kaufen. Er lernt anders zu essen, als direkt mit dem Bratenwender aus der Pfanne. Und er geht sogar zum Gehirn-Scan. Denn langsam wachsen in ihm die Zweifel: Die meisten Solo-Free-Climber stürzen irgendwann in den Tod. Ist seine Furchtlosigkeit am Berg vielleicht krankhaft? Leidet er – wie sein Vater – am Asperger-Syndrom? Geht er allein auf Bergtouren, weil er einfach unfähig ist, sich mit Menschen zu verbinden?

Je mehr er sich auf solche Fragen einlässt, desto geringer wird sein Fokus – und er beginnt Fehltritte zu machen…

 

Den Filmemacherinnen gelingt hier eine erstaunliche Gratwanderung: Einerseits zeigen sie viel Respekt für die sportliche Leistung Honnolds und feiern die El-Cap-Besteigung in atemberaubenden Bildern und mit einem prächtigen Score von Komponist Marco Beltrami. Andererseits heben sie ihren Protagonisten nie auf ein Podest, sondern zeigen ihn als schwierigen Menschen, der seiner Umwelt viel abverlangt. Gerade im Kontrast zu seinem Begleiter Caldwell, einem umgänglichen Familienmenschen, entsteht ein spannendes Portrait eines in vieler Hinsicht extremen Lebens.
WERTUNG: 2

PETER ROMIR

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