KINO: „Trautmann“

Deutsch-Englische Freundschaft: Marcus H. Rosenmüller verfilmte das Leben von Bert Trautmann, der vom Kriegsgefangenen zum Star-Torhüter von Manchester City wurde.

Die Geschichte dieses Films beginnt in Nürnberg: 2008 lernten sich auf der Gala der Deutschen Akademie für Fußballkultur der Regisseur Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot“) und Preisträger Bernd Trautmann kennen. Rosenmüller war fasziniert von der Lebensgeschichte des Torhüters: Als Kriegsgefangener war er nach England gekommen und hatte sich in zäher Hingabe das Vertrauen der Engländer erspielt – und schließlich 500 Spiele als Torwart für Manchester City bestritten. Eines davon mit gebrochenem Genick… „Das musste ich erzählen!“, wusste Rosenmüller.

Eine Woche lang sprach er mit Trautmann und verdichtete dessen Erinnerungen in ein Drehbuch. Im Film ist es nun David Kross, der den jungen Soldaten spielt, der sich nach den traumatischen Erfahrungen des Krieges in einem englischen Gefangenen-Lager wiederfindet. Deutschland hat gerade kapituliert und zwischen den Insassen kochen die Spannungen, da einige Altnazis den Traum von der Herrenrasse nicht aufgegeben haben. Und auch die Briten lassen die Deutschen deutlich spüren, was sie von ihnen halten: Trautmanns Hauptjob ist das Auskratzen der Latrine. Erleichterung bietet allein das Fußballspiel und bald fallen Trautmanns Torhüter-Qualitäten dem Trainer des Lokalvereins Jack Friar (John Henshaw) auf. Auch seiner Tochter Margaret (Freya Mayor) gefällt der junge Mann. Aber einem „Kraut“ und Ex-Wehrmachtler kann man doch nicht trauen – oder?

Für Rosenmüller, eigentlich einem Spezialisten für bayerische Stoffe, war es der erste Dreh mit britischen Darstellern: „Ich war sehr aufgeregt, weil ich nicht wusste wie sie auf mich reagieren. Gerade bei Gary Lewis, von dem ich ein großer Fan bin. Aber er umarmte mich gleich und sagte: ‚Wir müssen diesen Film machen! Gegen Brexit! Gegen Trump!'“

Da war es dann auch Ehrensache, dass in diesem Film alles historisch korrekt ist: Vom lokalen Dialekt (der leider erst in der zweisprachigen DVD-Fassung zu hören sein wird) bis hin zur Rekonstruktion der Fußball-Spiele: „Wir wussten sogar ob mit dem Außenrist gespielt wurde“, so Rosenmüller. Mit digitalen Tricks und durch Aufnahmen in alten Stadien Europas wurden auch die inzwischen abgerissenen Arenen von Manchester und Wembley wiederbelebt.

Im Gegensatz zum „Wunder von Bern“ bläst Rosenmüllers Film aber den Fußball nie zum Symbol für die Lage der Nation auf. Es darf ein Spiel bleiben. Wenn auch ein ernstes: In einer starken Szene lassen Trautmann und sein Rivale ein Elfmeter-Schießen im Regen darüber entscheiden, wem Margarets Liebe gehören soll.

„Trautmann“ erzählt eine sehr persönliche Geschichte der zögernden Annäherung und schließlich Freundschaft von Deutschen und Briten. Dabei punktet der unaufgeregte Film vor allem mit den intimen Momenten: Wenn Trautmann und Margaret einen Vogel fangen oder er sich mit Jack um eine Zigarettenschachtel balgt. „So wollte Trautmann auch in Erinnerung bleiben“, sagt Rosenmüller. „Nicht als der Torwart mit dem gebrochenen Genick, sondern als einer, der sich für die Völkerverständigung eingesetzt hat.“

WERTUNG: 3

2 Kommentare zu „KINO: „Trautmann“

    1. Hallo Wanderlustig,
      Danke fürs Feedback. Es ist definitiv ein Rosenmüller-Film. Natürlich kommt viel Fußball drinn vor, aber es ist nicht die Hauptsache, sondern wie der Typ sich in der neuen Umgebung zurecht findet.

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