KINO: „The Hate U Give“

Der steinige Weg zur Gleichberechtigung: „The Hate U Give“ zeigt das Leben einer jungen Afro-Amerikanerin zwischen Rassismus und Anpassung.

Mit Schuluniform und beherrschter Miene schreitet Starr Carter (Amandala Stenberg) durch die Gänge der Privatschule. Niemand ihrer weißen Klassenkameraden soll sie für ein Mädchen aus dem Ghetto halten. Schließlich haben ihre Eltern sie extra hierher geschickt um den Teufelskreis aus Armut und Kriminalität zu brechen, in dem sie selbst in ihrer Jugend gefangen waren. Denn auf den Straßen ihres Viertels herrschen noch immer die Drogendealer und manche Party endet mit Schüssen.

Und obwohl die Carters längst in der Mittelschicht angekommen sind und in einem netten Haus wohnen ist die Familie von Gleichberechtigung noch weit entfernt: „Wenn ein Cop euch anhält, dann legt die Hände aufs Armaturen-Brett, damit er sehen kann, dass ihr unbewaffnet seit“, schärft der Vater Starr und ihren Brüdern immer wieder ein.

Wie recht er hat merkt Starr, als sie eines Nachts zusammen mit ihrem Sandkasten-Kumpel Khalil (Algee Smith) von einer Streife angehalten wird – prompt eskaliert die Situation und Khalil liegt blutend auf der Straße. Ein Fall von Polizisten-Willkür oder Notwehr? Nur Starr könnte das aufklären. Aber sie zögert – aus zwei Gründen: Sie möchte ihr Highschool-Leben nicht noch komplizierter machen und sich nicht den Zorn der Gangs zuziehen. Denn Khalil war kein unbeschriebenes Blatt…

„The Hate U Give“ beruht auf dem autobiografischen Roman von Angie Thomas. Er zeigt uns keine abgefuckte Ghetto-Welt, sondern eine liebevolle Familie, die droht zwischen den unterschiedlichen Anforderungen zerrieben zu werden.

Mit der jungen Amandala Stenberg hat der Film ein starkes Zentrum. Sie macht Starr Carter zu einer glaubwürdigen und vielschichtigen jungen Frau, die abwägen muss, was ihr wichtiger ist: Ihre eigene Sicherheit, ihre Freunde oder die Werte der Ehre, von denen ihr Vater immer redet. Dabei liefert der Film keine einfachen Antworten, sondern stellt komplexe moralische Fragen. Dabei kommen die Sichtweisen unterschiedlichster Menschen zur Sprache: Der Cops, der Bürgerrechts-Aktivisten, aber auch der weißen Mitschüler, die sich gern mit Pro-Gleichberechtigungs-Sprüchen hinter Hashtags schmücken – aber auch ungern etwas von ihren Privilegien abgeben wollen.

Bei allem inhaltlichem Tiefgang ist „The Hate U Give“ dennoch kein schwerer Film: Er fließt leicht dahin wie ein Musikvideo, ist exzellent fotografiert und in seiner humanistischen Grundhaltung sehr berührend und ermutigend. Go, see it!
WERTUNG: 1

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