Gesehen: „Mary Poppins Rückkehr“

Marry Poppins kehrt zurück: Nach 54 Jahren wagt sich Walt Disney an eine Neubelebung ihres Musical-Klassikers. Und trifft dabei einige gewagte Entscheidungen.

London, 1930 – Die Weltwirtschaftskrise hat die Hauptstadt des britischen Empires fest im Griff. Auch die ehemals gut situierte Familie Banks muss um ihr Haus bangen. Denn seit seine Frau gestorben ist und ihn mit drei Kindern zurückließ, wächst Michael Banks (Ben Wishaw) alles über den Kopf. Nur fünf Tage bleiben ihm und seiner Schwester Jane (Emily Mortimer) ein wertvolles altes Dokument aufzutreiben, um das Haus behalten zu können – eine fast unmögliche Mission. Bis in einem Sturm eine alte (oder besser: ewig junge) Bekannte hereingeschwebt kommt: Mary Poppins (Emily Blunt), die vor 25 Jahren ihr Kindermädchen gewesen war. Und schon bald hält wieder zauberhafte Magie im Hause Banks Einzug – doch selbst die würde ohne die tatkräftige Hilfe des Lampenanzünders Jack (Lin-Manuel Miranda) wohl nicht ausreichen, um die Familie vor dem geldgierigen Bankier Wilkins (Colin Firth) zu retten…

Zuerst einmal Hut ab vor den Entscheidern bei Disney, dass sie ihren allseits beliebten Klassiker von 1964 nicht einfach als zeitgenössisches Remake („Mary Poppins in New York“ oder dergleichen) verwursten. Statt dessen legen sich Regisseur Rob Marshall und sein Team mächtig ins Zeug, die Ästhetik einer längst vergangenen Kino-Ära heraufzubeschwören. Mit Erfolg: Wären da nicht das krispe Cinemascope-Bild und das satte Sound-Design könnte man fast meinen hier wären alten Filmrollen entdeckt worden, die über ein halbes Jahrhundert verschollen gewesen waren.

Die Zeichentrick-Sequenzen sind von Hand gemalt und auch die Special-Effekts wirken stets so, als hätte man sie auch in den 50ern so machen können. Zudem wird sehr viel getanzt und gesungen. Ob das beim heutigen Publikum ankommt? Die Schauspieler jedenfalls agieren mit viel Spielfreude. Emily Blunt spielt ihre Mary Poppins strenger und unnahbahrer als einst Julie Andrews und bleibt damit näher an den Romanvorlagen von P.L. Travers. Colin Firth scheint glücklich zu sein, endlich mal den Bösewicht zu geben und Lin-Manuel Miranda stiehlt als Sänger und Tänzer allen die Show.

Komponist Marc Shaiman (der mit dem „South Park“-Film eine Oscar-gekrönte Parodie klassischer Musicals ablieferte) trifft mit seinen Songs genau das Zeitkolorit, schafft es aber leider nicht einen Ohrwurm wie „Chim-Chim-Cheree“ oder „Supercalifragilisticexpialigetisch“ abzuliefern. Gewürzt wird das ganze noch mit kurzen Gastauftritten von Stars wie Meryl Streep oder Dick van Dyke (der bereits im Original dabei war). Auch Ur-Mary-Poppins Julie Andrews wurde für ein Cameo angefragt – sagte aber ab. An ihrer Stelle taucht eine andere magische Disney-Dame auf. Doch mehr soll nicht verraten werden. Insgesamt eine gelungene Fortsetzung, die auch ohne Kenntnis des Originals Freude macht – sofern man klassische Musicals mag.

WERTUNG: 3

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