Gesehen: „#Female Pleasure“

Können Sie sich eine Welt vorstellen, die nach 2000 Jahre alten Regeln und Tabus lebt? In der eine Hälfte der Menschen die andere nach belieben unterdrückt, missbraucht oder verstümmelt? Nein? Dann sehen sie aus dem Fenster.

Es ist unsere moderne Welt des 21. Jahrhunderts in der Frauen auf allen Kontinenten als Menschen zweiter Klasse behandelt werden und deren Sexualität vom alten Patriarchat wahlweise tabuisiert, verteufelt oder zu Werbezwecken missbraucht wird.

In ihrem Film „#Female Pleasure“ portraitiert die Schweizer Dokumentarfilmerin Barbara Miller fünf Frauen, die mutig gegen ein solches System angehen. Einige davon erlebten die sexuelle Unterdrückung in ihren religiösen Gemeinschaften, wie die ehemalige Nonne Doris Wagner oder Deborah Feldman, die mit dem Roman „Unorthodox“ ihren Ausbruch aus dem chassidischen Judentum schilderte. Aber es braucht gar keine archaische Religionsgemeinschaft: Selbst im säkularen Japan herrscht die Angst vor der Weiblichkeit.

Als die Bildhauerin und Mangaka Rokudenashiko einen 3-D-Scan ihrer Vagina macht, um daraus ein Boot zu bauen, findet sie sich plötzlich vor Gericht wieder und muss sich gegen „Obzönität“ verteidigen – während draußen gleichzeitig die Männer zum Shinto-Fest der Fruchtbarkeit Riesenpenisse durch die Straßen tragen.

#Female Pleasure“ erweist sich dabei in jeder Minute als kluger Dokumentarfilm: Die fünf Protagonistinnen sind mit Bedacht und Geschick ausgewählt. Obwohl nie irgend jemand die Schuld zugeschoben wird, schafft der Film ein Gefühl der Beklemmung angesichts von solcher Ungerechtigkeit – um schließlich doch einen Funken der Hoffnung auszusenden: Wo immer mutige Frauen (und Männer!) sich auf Werte wie Liebe und Respekt besinnen besteht noch Hoffnung für die Zukunft. Ein starkes, topaktuelles Stück Kino.

WERTUNG: 1

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