Gesehen: „Nanouk“

Als wir Nanouk (Mikhail Aprosimov) und Sedna (Feodosia Ivanova) das erste mal begegnen, scheinen die beiden die einzigen Menschen auf der Welt zu sein. Irgendwo im Nordsibirischen Jakutien wohnen sie in ihrer Jurte aus Rentierfellen und pflegen die Traditionen längst verschwundener Vorfahren: Eisfischen, Jagd mit Holzfallen, Erzählen von Geistergeschichten.

Doch ihr einsames Leben wird schwerer: Bei Nanouk beginnt die Demenz und Sedna vermisst ihre Tochter Ága, die in der Stadt ihr Glück suchte. Schließlich tröpfeln Stück für Stück andere Figuren in den Film: Der junge Mann (Sergey Egorov), der eine Nachricht von Ága bringt, ein leutseliger LKW-Fahrer und immer wieder Rentiere – obwohl diese hier eigentlich schon verschwunden sind. Oder ist es nur ein Traum von Nanouk?

Der bulgarische Regisseur Milko Lazarov legt mit „Nanouk“ ist einen äußerst gemächlichen Film vor. Die Kamera saugt sich fest an den Texturen eines Gewandes, der Fellwand der Jurte oder den Weiten der Steppe. Und verweilt dort auch gern noch mal gefühlte Ewigkeiten, während sich die Figuren längst aus dem Bild bewegt haben. (Die Jurte ist übrigens stets perfekt ausgeleuchtet und das kleine Radio spielt stets punktgenau Mahler-Sinfonien, wenn Dramatik gebraucht wird.) Das kann man je nach eigenem Temperament meditativ-ruhig oder gewollt bedeutungsschwanger finden. Ich tendiere zu letzterem.

WERTUNG: 4

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