Gelesen: Dan Brown „Das verlorene Symbol“

Nachdem mir „Origin“ (2017) so überraschend gut gefallen hat, habe ich nun noch einen zweiten Langdon-Roman von Dan Brown gelesen: „Das verlorene Symbol“ von 2009.

Als Symbolforscher Robert Langdon kurzfristig für einen Vortrag in die amerikanische Hauptstadt Washington geladen wird, ahnt er noch nicht, dass es eine tödliche Falle ist: Ein irrer Typ hat es auf die Geheimnisse der Freimaurer abgesehen (welche diese Stadt wesentlich prägten und prägen) und braucht Langdon um sie zu entschlüsseln. Und geht dabei buchstäblich über Leichen…

Ich bin froh, dass ich „Origin“ zuerst gelesen habe. Denn wenn ich mit „Lost Symbol“ angefangen hätte, hätte ich vermutlich zu keinem zweiten Dan Brown Buch gegriffen. Kein Zweifel – auch dies ist wieder ein pageturner, bei dem man ständig wissen will, wie es weitergeht und bei dem man en passant etwas über Architektur und seltsame Kunstwerke (wie die Rätsel-Skulputur „Kryptos“ im Hof der CIA) erfährt.

Aber im ganzen läuft hier das Räderwerk wesentlich unrunder als bei „Origin“. Dort waren die wissenschaftlichen und Kunst-beschreibenden Passagen sehr organisch in die Handlung eingewoben. Im „Symbol“ dagegen gibt es tatsächlich Stellen wo es heißt: „Langdon erinnerte sich an eine Vorlesung…“ oder „Catherine erinnerte sich an ein Experiment…“ – und dann wird die eigentliche Geschichte für zehn Seiten unterbrochen, um das zu beschreiben.

Auch der Bösewicht ist nicht so stark. In „Origin“ war es ein gequälter Admiral, dessen Motive und Werdegang sehr nachvollziehbar waren. Hier ist es ein tätowierter Hollywood-Schurke mit Folterkammer und einer supergeheimen Herkunft, die schon zur Hälfte des Buches verraten wird.
Ebenfalls seltsam: Nach dem traumatischen Endkampf und diversen Nahtoderlebnissen sind unsere Helden nicht etwa geschockt, sondern gehen erst mal auf Sightsseeing-Tour durch Washington und diskutieren über Bibel-Übersetzungen. Ein großes Geheimnis zum Schluss gibt es auch nicht, statt dessen geht die Sonne über dem Obelisken der „National Mall im Herzen der Nation“ auf. Ein Ende, dass vermutlich nur patriotische Amerikaner als befriedigend empfinden.

Das klingt jetzt etwas hart, als wäre das Buch eine Gurke. Das ist es aber nur im Vergleich mit dem superb fließenden „Origin“. Auch „Symbol“ hat sehr, sehr gute Stellen – etwa die Verfolgunsjagd durch das absolute Dunkel des „Noetischen“ Labors oder die Entschlüsselungs-Sequenzen mit der Pyramide.

Einen Dan-Brown werde ich sicher noch lesen und dann entscheiden, ob ich ihn generell cool finde oder nur „Origin“ sehr mochte.

P.S.: Verschöwerungstheoretiker glauben, dass „Symbol“ bisher nicht verfilmt wurde, weil es um die Freimaurer in Amerika geht. Doch erstens werden diese sehr positiv dargestellt und zweitens passieren einfach die besten Sachen dieser Story in stockfinsteren Räumen. Es wird viel in dunklen Gängen geschlichen und auf kleine Pyramiden geguckt – was alles nicht sehr filmisch ist. (und zudem auch an den Nicolas Cage Film „National Treasure“ erinnert).

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