Kino: „Mama Mia 2“

Reif für die Insel? Und für eine Extraportion Bubblegum-Pop? Das neue ABBA-Musical „Mama Mia 2“ bietet Sonne, Strand und Ohrwürmer satt. Aber macht es auch Spaß?

Die schlechte Nachricht zuerst: Meryl Streep ist tot. Zumindest ihre Filmfigur Donna hat seit dem ersten „Mama Mia“-Film von 2008 das zeitliche gesegnet. Nun liegt es an ihrer Tochter Sophie (Amanda Seyfried) das Hotel auf der griechischen Insel Kalokairi zu neuem Glanz zu führen. Dabei helfen ihr der charmante Mexikaner Fernando (Andy Garcia) und Sam (Pierce Brosnan), einer ihrer drei Väter. Die beiden anderen (Stellan Skarsgard und Collin Firth) stecken noch auf der Fähre fest. Wieso das drei sind? Das wird in ausführlichen Rückblenden ins Jahr 1979 erzählt. Hier kommt die junge Donna (Lily James) zu ihrem ersten Besuch auf die Insel – und erlebt dort sommerleichte Liebesabenteuer mit Sam (Jeremy Irvine), Harry (Hugh Skinner) und Bill (Josh Dylan).

Dabei haben die Schauspieler sichtlich Spaß die jungen Versionen der Stars zu geben. Regisseur und Autor Ol Parker legt ihnen dazu witzige Dialoge in den Mund und lustige Slapstick-Hürden in den Weg.

Dennoch bleibt die „Handlung“ stets nur ein Vorwand, um möglichst schnell zum nächsten ABBA-Song zu gelangen. Gerade am Anfang klappt das sehr gut: Da bricht ein komplettes französisches Restaurant in eine irrwitzige Tanznummer aus. Rollstühle und Fahrräder fangen an sich zum Discobeat zu drehen.

Besonderes Lob verdient auch Pierce Brosnan, der für seine Gesangseinlagen beim ersten „Mama Mia“ die „Goldene Himbeere“ als schlechtester Schauspieler bekam: „Ich hab nur gelesen, dass ich mit Meryl Streep auf einer griechischen Insel drehen darf und sofort zugesagt“, erinnert er sich. „Erst später habe ich gemerkt, dass es ein Musical ist“. Diesmal gehört seine mit brüchiger Stimme vorgetragene Nummer zu den emotionalen Höhepunkten des Films.

So weit, so gut. Doch je länger das ganze dauert, desto ermüdender wird es. Der Story fehlt es schlicht an Substanz. Und bei der Masse der Songs merkt man, dass auch die schwedischen Ohrwurm-Könige Björn Ulvaeus und Benny Andersson nur mit Wasser kochen: Auf die Dauer klingt das alles doch ziemlich gleich. Gab es 1979 nicht auch die Ramones? Frank Zappa? Pink Floyd? Naja.

So bleibt unterm Strich ein Film, für den das gleiche gilt, was Kollegin Inge Rauh vor zehn Jahren über den ersten Teil schrieb: „Bitte alle mitklatschen und danach einen Uzo bestellen“. Nur sollte man diesmal besser die Reihenfolge umkehren.

WERTUNG: 3

 

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