Kino: „Wohne lieber ungewöhnlich“

Und nun leben alle zusammen: In „Wohne lieber ungewöhnlich“ organisieren sieben Kinder eine Wohngemeinschaft der ganz besonderen Art.

Mit der Familie ist das eine schwierige Sache. Der junge Bastien (Teilo Azais) hat neben sechs Halbschwestern und Brüdern mindestens ebensoviele Erziehungsberechtigte: Das Ergebnis unzähliger, sich überschneidender, Ehen und Scheidungen. Mit den wechselnden Beziehungen der Erwachsenen wird der Alltag der Kids stressig und turbulent: Mal übernachten die Kinder bei Oma, mal bei Mama, mal beim Ex. Eine Heimat ensteht so nicht – auch weil die Eltern beruflich nicht vor Ort sind, sondern in London, Afrika oder in den virtuellen Welten des Internets.

Bastien hat dieses Wandervogel-Dasein satt und kapert mit seinen Halbgeschwistern die große Wohnung einer verstorbenen Oma mitten in Paris. Von nun an soll dieser Ort das ruhige Zentrum sein, an dem die Kinder zusammen wohnen wollen. Den Erwachsenen legen sie einen Plan vor, nach welchem diese den Haushalts- und Besuchsdienst zu versehen haben. Natürlich sind nicht alle Eltern von dieser Revolution der Verhältnisse begeistert…

 

In „Wohne lieber ungewöhnlich“ stellt Regisseur Gabriel Julien-Laferrière das gängige Bild von Erziehung auf den Kopf: Hier sind es die Erwachsenen, die Schwierigkeiten haben, sich im Leben zurecht zu finden. Sie brauchen das Engagement, die Kreativität und die Anleitung der nächsten Generation, um ihrem Leben Struktur und Sinn zu geben.

Zum Glück erzählt der Film das alles mit viel Leichtigkeit, Humor und Tempo. Dabei wirkt er selbst wie ein Patchwork: Statt einer Hauptperson zu folgen springt die Geschichte zwischen den fast 20 Charakteren hin und her. Dass das nicht für Verwirrung sorgt, ist den durchweg brillianten Schauspielern (darunter auch Gérard Depardieus Tochter Julie) zu verdanken, die es schaffen ihre Figuren in sehr kurzer Zeit auf den Punkt zu bringen.

Klar, dass bei einem so großen Ensemble die Charaktere eher skizzenhaft bleiben, dennoch sorgt diese Vielzahl an Figuren auch dafür, dass ein ebenso abwechslungsreiches wie unterhaltsames Abbild der Gesellschaft entsteht.

Letztlich ist der Film eine gelungene Komödie, die aber nie vergisst, dass sie von Menschen erzählt, die auf der Suche nach Sinn und Gemeinschaft sind. So gesehen ist die WG weit mehr als nur ein paar Räume in Paris – sie ist ein hoffnungsvoller Gegenentwurf zur anonymen, globalisierten Welt von heute.

WERTUNG: 3

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