Kino: „Die Vögel singen in Kigala“

Vom Filmemachen in einem verwundeten Land: Die polnische Schauspielerin Jowita Budnik erzählte von den Dreharbeiten zu „Die Vögel singen in Kigala“ in Ruanda.

Die polnische Filmwoche, die dieses Jahr bereits zum 13. Mal in Nürnberg stattfindet, ist bekannt für die ungewöhnlichen, kunstvollen und experimentellen Filme, die dort zu sehen sind. Doch selbst in diesem Rahmen ist „Die Vögel singen in Kigala“ ein Exot. Denn gedreht wurde größtenteils nicht in Polen, sondern im afrikanischen Ruanda. Ein Land, das seit der blutigen Kämpfe zwischen den Stämmen der Tutsi und Hutu tief verwundet ist.

Der Film erzählt davon wie zwei Frauen das Geschehen erleben, zusammen nach Polen flüchten und sich dort mühevoll wieder ihre Leben aufbauen und mit dem Trauma fertig zu werden: Die Tutsi Claudine Mugambira (Eliane Umuhire) und die polnische Ornithologin Anna Keller. Deren Darstellerin Jowita Budnik war im Cinecitta zu Gast und berichtete über die ungewöhnlichen Drehbarbeiten zu diesem Film: „Es ist nicht der erste Film zu dem Thema“, sagt sie. „So gab es beispielsweise ‚Hotel Ruanda‘, aber das war eine Hollywood-Produktion, an der niemand aus Ruanda beteiligt war. Bei uns waren die Schauspieler und das Drehteam aus dem Land. Das machte mir am Anfang Angst, weil ich nicht wusste, wie die Menschen reagieren, wenn sie darauf angesprochen werden.“ Denn die Ereignisse hallen in Ruanda noch immer nach: „Es waren ja keine Soldaten oder Polizisten, welche die Morde begangen haben, sondern ganz normale Nachbarn. Deshalb ist jeder dort betroffen: Als Opfer, Täter oder Nachkomme.“

 

Elf Jahre lang arbeite das polnische Filmemacherpaar Krzystof Krauze und Joanna Kos-Krauze an dem Thema. „Ursprünglich war es als Koproduktion mit US-Geldgebern gedacht – und mit Nick Nolte in der Rolle des Ornithologen. Das hat sich dann zwerschlagen, so dass ich die Rolle bekam.“

Dem Film hat es gut getan: „Bei einem Mann und einer Frau hätte immer die Frage nach einer Liebesgeschichte im Raum gestanden und vom Völkermord abgelenkt“, so Budnik. „Zudem wäre es leicht in Gefahr gelaufen eine altmodische koloniale Sichtweise zu zeigen: Der weiße Mann rettet die schwarze Frau.“

Stattdessen ist „Die Vögel singen in Kigala“ ein sehr kunstvoller und nachdenklicher Film geworden, der mit wenig Dialogen auskommt und das Grauen in ruhigen, symbolischen Bildern einfängt, wobei besonders die Geier, welche Anna Keller in Ruanda ursprünglich studieren wollte zum Zeichen für das Unbeschreibliche werden.

Wichtig ist Budnik auch, dass es kein explizit politischer Film geworden ist: „Es geht um Emotionen und darum, wie Menschen mit Traumata umgehen. Dass haben dann auch die Menschen in Ruanda begriffen und uns Zutritt zu Orten gewährt, die bisher noch kein Drehteam besuchen durfte, wie etwa ein Gefängnis.“

Begeister war sie auch von den Menschen in Ruanda: „Wir wurden sehr, sehr herzlich aufgenommen. Jeder dort ist daran interessiert, dass sich solche Ereignisse nie wiederholen. Inzwischen ist es sogar verboten zu fragen, ob jemand Tutsi oder Hutu ist.“

WERTUNG: 3

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