Kino: „Das Mädchen aus dem Norden“

Rassismus auf Schwedisch: Der Film „Das Mädchen aus dem Norden“ erzählt von einem schwierigen Weg einer jungen Frau aus dem Volk der Sami.

Rentiere, hohe Berge, klare Seen. Der Norden Schwedens wirkt wie ein Bilderbuch-Idyll, komplettiert durch die in blauen Trachten gewandeten Ureinwohner – die Sami. Diese, bei uns oft als Lappländer bezeichneten, Menschen bewahren noch heute eine uralte, nomadische Kultur. Sehr zur Freude der zahlreichen Touristen, sehr zum Ärger der Seniorin Elle Marja (Maj Doris Rimpi).

Sie ist selbst Samin, lies das Leben in der Natur aber schon als junges Mädchen weit hinter sich. Aus gutem Grund. Denn um 1920 herrschte ein offener Rassismus: Die Schweden betrachteten die Sami als Untermenschen auf der Stufe von Tieren. Auf der Schule, welche die 14-jährige Elle Marja (Lena Cecilia Sparrok) besuchte gehören Prügelstrafen zum pädagogischen Standard. Mit aller Kraft versucht das Mädchen auszubrechen und seinen Traum zu verwirklichen: Eine Lehrerin zu werden – als Schwedin unter Schweden.

Das Mädchen aus dem Norden“ ist ein bitteres Stück Erinnerungsarbeit über ein Stück Geschichte, das man in Schweden gerne verschweigen würde: Das Land war 1921 trauriger Vorreiter auf dem Gebiet einer „Rassenlehre“ und die Sami ihr liebstes Forschungsobjekt. Es ist das große Verdienst von Regisseurin Amanda Kernell, diese Geschichte ans Licht zu bringen und in starke Bilder zu übersetzen. Kernell selbst hat eine schwedische Mutter und einen samischen Vater und führte in der Vorbereitung des Films unzählige Gespräche mit Sami um festzustellen, dass die alten Wunden noch immer unverheilt sind: „Noch immer gibt es blutige Konflikte um das Land, die Selbstmordrate unter den Sami ist erschreckend hoch“, sagt sie. Noch immer steht die Frage im Raum, ob man die eigene Identität bewahren oder aufgeben soll – und beides hat einen hohen Preis.

Umso wichtiger, dass sie mit Elle Marja eine starke Frauenperson in den Mittelpunkt stellt, die unerschrocken ihren Weg geht. Herausragend auch die Arbeit der jungen Hauptdarstellerin, die den gesamten Film, auch über einige zähe Stellen, mit bewundernswerter Souveränität trägt.

WERTUNG: 2

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s