Gesehen: „Call me by your Name“

Ein Sommer in Italien: Der für vier Oscars nominierte Film „Call me by your name“ ist eine sonnige Ode an die Liebe und die Jugend.

Es sind die frühen 80er Jahre in Italien. Die Menschen fahren Rad und Motorroller, hören Synthie-Pop und rauchen ununterbrochen. Für den 17-jährigen Elio Perlman (Timothée Chalamet), einen ruhigen Jungen, der am liebsten in der elterlichen Villa sitzt und Musik transkribiert, wird dieser Sommer aber zu etwas ganz besonderem. Denn jedes Jahr zieht über die Sommermonate ein Student ein, der Elios Vater (Michael Stuhlbarg) bei seiner archäologischen Arbeit hilft. Und das ist diesmal Jahr der 24-jährige Oliver (Arnie Hammer), der in vielem so ist, wie Elio gern sein würde: kontaktfreudig, sportlich und schlauer als alle anderen. Lange bleibt in der Schwebe was sich zwischen den beiden entspinnen wird: Eine Rivalität? Eine Freundschaft? Oder gar eine Liebe? Denn obwohl sich Elio gerne mit Mädchen trifft, geht von dem Neuankömmling eine mächtige Anziehungskraft auf ihn aus – die möglicherweise nicht nur einseitig ist…

Mit „Call me by your name“ legt der italienische Regisseur Luca Guadagnino („A bigger splash“) einen Film vor, der das Flair der 80er Jahre in vielen liebevollen Details wiederauferstehen lässt und der mit seinen sonnendurchfluteten Bildern idyllischer Landschaften zum Träumen einlädt. Ungewöhnlich ist, dass im Mittelpunkt der Romanze zwei junge Männer stehen – ohne dass der Film deswegen als „Coming Out“-Geschichte zu verstehen ist. Denn im Mittelpunkt steht hier nicht eine homosexuelle Selbstfindung, sondern die Liebe und die Kraft der Jugend an sich. Hier wandelt der Film geschickt auf einem schmalen Grat zwischen Sensibilität und Intimität, was nur deshalb funktioniert, weil alle handelnden Personen außergewöhnlich intelligent, kultiviert und sensibel agieren.

Das liegt sicher auch am Drehbuch von James Ivory („Was vom Tage übrigblieb“) – ein Experte für gehobenes Gefühlskino, der hier den 2007 erschienenen Roman „Ruf mich bei Deinem Namen“ von André Aciman adaptierte.

Heraus kommt eine sinnliche Beschwörung der Jugend und eine enge Verbindung von Landschaft und Schicksalen, die an Bernardo Bertolluccis „Gefühl und Verführung“, Jaques Rivettes „Schöne Querulantin“ oder die Filme von Éric Rohmer denken lassen. Nicht zu unrecht: Guadagnino bezeichnet die diese Meister des intelligenten europäischen Beziehungs-Kinos als seine cineastischen Väter – und widmet ihnen „Call me by your name“.

So entsteht ein kluger und leidenschaftlicher Film über die Liebe und das Leben, der für vier Oscars – bester Film, bestes Drehbuch, bester Hauptdarsteller (Chalamet) und bester Titelsong – nominiert wurde.

WERTUNG: 2

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