Gesehen: „Der andere Liebhaber“

Gruselig, geheimnisvoll, sexy: In „Der andere Liebhaber“ lässt sich eine Frau auf ein doppeltes Spiel ein – mit zwei Varianten des selben Mannes.

Reglos, wie ein Ausstellungsstück, sitzt die junge Chloé Fortin (Marine Vacth) in einem Museum. Die Ausstellung, die sie bewacht, heißt „Body & Blood“ – Blut und Körper. Und auch ihr eigener Körper macht der 25-jährigen Probleme. Unerklärliche Magenschmerzen treiben sie zum Psychologen Paul Meyer (Jérémie Renier). Der ist ein netter Kerl, kann gut zuhören und wird schließlich ihr Liebhaber. Aber er ist auch ein Mann mit dunklen Geheimnissen. Und dann trifft Chloé Louis Delord (ebenfalls Jérémie Renier). Der sieht aus wie Paul – ist aber in seinem Wesen das genaue Gegenteil, grob und bestimmend. Beide Männer faszinieren Chloé und so lässt sie sich auf ein doppeltes Spiel ein…

Mit seiner ruhigen, aber alptraumhaften Stimmung und seinem körperbezogenen Grusel wirkt „Der andere Liebhaber“ über weite Strecken wie ein Film von David Cronenberg. Es ist aber Francois Ozon – seit Jahrzehnten ein Garant für elegantes und kluges Kino – der hier die Zuschauer vor Spannung an den Rand der Sitze treibt. Dabei kommt das Grauen vor allem aus der Ungewissheit: Welche Geheimnisse verbergen Paul und Louis? Ist das ganze eine SM-Fantasie Chloés? Gibt es ein geheimes Komplott gegen sie? Oder wird sie schlicht wahnsinnig?

Das Design spiegelt das Doppelgänger-Motiv auf vielfältigen Ebenen: Von den zahlreichen Spiegeln bis hin zu Elvis – einem Zwilling – im Soundtrack. Und dann ist da natürlich noch der Sex. Die zahlreichen erotischen Begegnungen brachten dem Film den Vorwurf der Pornografie ein. Doch die kühl beobachteten Szenen dienen hier vor allem dazu, die Charaktere besser zu verstehen. Da ihre Seelen verborgen sind, machen sich die Körper nackt. Sicher kein guter Film für ein erstes Date – aber ein Muss für alle Freunde intelligenter und erwachsener Psycho-Thriller im Stile von „Die Unzertrennlichen“ oder „Rosemarys Baby“.

WERTUNG: 1

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