Gesehen: „Die Einsiedler“

Lahmarschiger Kunst-Schmunst über maulfaule Bergtypen.

Irgendwann hab ich Schattenspiele auf der Leinwand gemacht.

Wertung: 5

Und für Freunde der ausführlichen Kritik hier noch mein Zeitungstext:

Grüezi Tristesse: Der Film „Die Einsiedler“ erzählt von den Sorgen Südtiroler Bergbauern fernab aller „Heidi“-Klischees.

Bergbauerin Marianne Egger (Ingrid Burkhard) ist keine Frau der großen Worte: „Vom Reden wird die Hütten ned warm!“ mahnt sie ihren Sohn Albert (Andreas Lust). Denn auf ihrem abgelegenem Hof muss sie fast alles selber machen, seit Albert unten im Tal arbeitet und ihr Mann Rudl (Peter Mitterrutzner) sich den Fuß gebrochen hat: Holzhacken, das lecke Dach flicken, sich um Schafe, Ziegen und Hund kümmern, die hier durch den Matsch stapfen.

Doch auch auf der unteren Seite des selbstgebauten Lifts der Eggers herrscht keine Fröhlichkeit: Im Steinbruch in dem Albert schafft besteht der größte Spaß darin, Witze über Ausländer zu machen oder dem als homosexuell verdächtigen Kollegen auf den Rucksack zu pinkeln. Und wenn es darum geht die süße Kantinenkraft Paola (Orsi Tóth) anzusprechen hilft dem Mittdreißiger die von der Mutter gelernte Schweigsamkeit auch nicht gerade weiter. Als es dann auch noch zu einem Todesfall kommt wird die Last die auf die Personen drückt fast nicht mehr auszuhalten…

Regisseur Ronny Trocker, der selbst in einem Bergdorf in den italienischen Alpen aufwuchs, legt mit „Die Einsiedler“ seinen ersten Spielfilm vor, mit dem er das zerbrechliche innere, seiner nach außen hin rauen und Wettergegerbten Protagonisten zeigen will. Er zieht das Publikum mit den Mitteln des Kunstkinos auf Gedeih und Verderb in diese Welt: Extrem lange Einstellungen, in denen extrem wenig passiert. Gewollte Unschärfen. Keine Musik. Sicher weit ehrlicher als „Heidi“ – aber auch reichlich trist.

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