Kino: „Gaza Surf Club“

Wellenreiten im Gefängnis: Der Dokumentarfilm „Gaza Surf Club“ portraitiert die Surfer-Szene auf dem Gazastreifen zwischen Israel und Ägypten.

Ich hätte im Krieg lieber meine Kinder verloren, als mein Surfbrett – denn Kinder kann ich neue machen“, sagt Abu Jayab. Der 42-jährige ist der Mentor der jungen Surf-Szene in Gaza – der zentralen Stadt des zu Palästina gehörenden Küstenstreifens, dessen Grenzen zu Lande und zu Wasser vom israelischen Militär kontrolliert werden. Hier die Materialen für ein Surfboard zu bekommen ist fast aussichtslos – deshalb hüten die jungen Männer ihre Boards wie einen Schatz. Manche teilten sich ein Brett über zehn Jahre lang. Der 23-jährige Ibrahim träumt davon nach Hawaii zu reisen und die Methoden der Herstellung von Brettern zu lernen und nach Hause zu bringen. Doch die Sorgen der Jungs sind nichts gegen die der 15-jährigen Sabah, die gerade vom geliebten Schwimmen und Surfen Abschied nehmen muss. Denn in ihrem Alter hält die religiöse Gemeinschaft sie für heiratsfähig und schreibt ihr ein Kopftuch zwingend vor: „Einmal habe ich versucht damit zu schwimmen und es hätte mich fast erstickt.“

Der deutsche Dokumentarfilmer Philip Gnadt zeigt in „Gaza Surf Club“ drei Generationen von Menschen in Gaza, denen das Meer zum Ort der Selbstfindung und der Freiheit wird – auch wenn diese bereits sechs Meilen hinter dem Strand an einer Front israelischer Militärschiffe endet. Obwohl der Film keine Kriegsbilder zeigt sieht man die Folgen von Krieg und Umzingelung überall: Rostige Panzerketten, zerbombte Häuser und ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Besonders effektiv nutzt der Film den Kontrast zum Sehnsuchtsort Hawaii, den Ibrahim schließlich wirklich besucht. Hier sind die Menschen offen, das Meer blau, während daheim selbst die Wellen grau sind und religiöse Dogmen jeden Schritt bestimmen.

WERTUNG: 3

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