Gesehen: „Cahier Africain“

Von Schrecken und Hoffnung: Die mit dem Deutschen Menschenrechtsfilmpreis ausgezeichnete Langzeitdokumentation „Cahier Africain“ begleitet die Opfer eines Krieges von 2002 – direkt in den nächsten Konflikt.

Von außen ist das „Cahier Africain“ ein ganz normales Schulheft mit bunten Rennautos vorne drauf. Doch innen ist es ein mutiges Dokument: Die Bewohner von Bangui, Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, haben darin festgehalten, was Ihnen die Soldaten des Kongolesen Jean-Pierre Bemba im Krieg 2002 angetan haben. Es soll als Beweisstück für seine Kriegsverbrechen im Prozess in Den Haag dienen und symbolisiert somit Erinnerungen an die Schrecken des Krieges und Hoffnung auf Gerechtigkeit gleichzeitig.

2008 lernt die preisgekrönte Dokumentarfilmerin Heidi Specogna das Heft kennen und beschließt einige der darin abgebildeten Personen zu begleiten: Da ist die durch eine Kniewunde schwer verletzte Arlette oder alleinerziehende Mutter Amzine und ihre Tochter Fane – die damals bei einer Vergewaltigung durch die Soldaten gezeugt wurde: „Wie soll ich ihr jemals etwas von ihrem Vater erzählen?“

So beginnt „Cahier Africain“ als eine Dokumentation darüber, wie sich die Opfer des Krieges von 2002 solidiarisieren und gespannt darauf warten, wie der Internationale Gerichtshof über Bemba urteilen wird. Doch das Verfahren zieht sich in die Länge und als Specogna wieder nach Afrika kommt, findet sie eine veränderte Situation vor: Bewaffnete Milizen stürzen das Land in neue Kämpfe. Diesmal verläuft die Front zwischen Christen und Muslimen, doch in ihren Taten sind beide Seiten kaum unterscheidbar: Gebäude werden gesprengt und geplündert, Erwachsene und Kinder verletzt und getötet. Das färbt auch auf den Film ab: Statt ruhiger Spurensuche in wohl komponierten Bildern sind wir nun plötzlich mit der Handkamera im Kugelhagel, neben Panzern der Friedenstruppen und bei der Identifizierung von frischen Leichen – und schließlich beim Massenexodus der Menschen Banguis auf übervollen Lastwagen..

Cahier Africain“ bekam beim diesjährigen Deutschen Menschenrechtsfilmpreis in Nürnberg den ersten Preis – zurecht. Denn das über eine Zeit von acht Jahren entstandene Werk ist mit seiner Sympathie zwar ganz nah bei den portraitierten Personen – lässt aber auch möglichst viele Menschen zu Wort kommen und nimmt keine Einzelperspektive ein. Und er lädt auch zum Nachdenken über die Situation in Deutschland ein – wenn man sieht was es wirklich bedeutet, wenn Christen und Muslime anfangen gegeneinander zu kämpfen. Oder welch ein Paradies es sein kann, wenn einfach mal wieder grün im Garten wächst und Ruhe herrscht – trotz des Sturms am Horizont.

WERTUNG: 1

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