Gelesen: „Das Jesus-Video“ von Andreas Eschbach

„Gibt es ein Video von Jesus Christus?“ – die Frage, die der Roman auf seinem Klappentext stellt lässt eine recht trashige Erzählung vermuten. Womöglich eine Handvoll Jungspunde, die in den 80ern (der Ära des Videos) in die Jesuszeit reisen um dort Aufnahmen des Heilands zu machen?

Umso positiver hat es mich dann überrascht, dass der Roman von Andreas Eschbach sehr logisch und ’seriös‘ daherkommt: Bei einer Ausgrabung werden Anzeichen dafür gefunden, dass es tatsächlich Bewegtbild-Dokumente von Christus gibt. Eine bunte Mannschaft von Menschen – darunter auch ein SF-Schriftsteller, der als Experte für Zeitreisen dazugenommen wird – entwickelt Theorien und Herangehensweisen: Ist das ganze nur ein Scherz oder besteht tatsächlich die Möglichkeit? Und wenn ja – was würde man mit diesem Video anfangen? Ein spannender Wettlauf zwischen Kirche, Kapital und einer handvoll idealistischer Jungforscher (also doch 🙂 ) beginnt…

Das Buch hat mich ab etwa Seite 70 sehr gut und spannend unterhalten. Die Seiten vorher zieht es sich etwas, da wirklich jedes Kapitel mit dem gleichen Cliffhanger endet: „Wir haben ETWAS im Sand gefunden. Etwas UNGLAUBLICHES.Aber wir sagen nicht WAS.“ Nun, das Buch heißt „Jesus-Video“, ich hab schon so ’nen Verdacht was es ist… gähn. Auch dass Autor Eschbach uns in dieser Phase digitales Video, Email oder USB-Sticks ausführlich als unglaubliche Zukunftstechnologien beschreibt und bestaunen lässt, war wohl schon 1998 als das Buch erschien etwas Retro. Dafür gibt’s mitten in einer Wüste Handynetz. SF!

Ansonsten stimmt hier aber alles,  Charaktere, Spannung und auch der Umgang mit dem Glauben. Eschbach zeigt hier viele Facetten des Un/Glaubens und lässt sich auf das Mysterium einer Offenbarung ein. Außer den tiefreligiösen Christen (oder sonstigen Fundamentalisten) dürften alle, unabhängig ob gläubig oder nicht, das Buch lesen können ohne sich beleidigt zu fühlen.  Zum Finale der Geschichte schreib ich unten noch was in einem kurzen Spoiler-Teil.

Fazit: Ein toller Schmöcker, der überraschend sachlich daherkommt und neben spannnender Handlung auch noch einige Denkansätze zum Thema Glauben und Offenbarung liefert.

MAJOR SPOILER ALERT

Und nun wie versprochen noch ein paar Gedanken zum Ende der Geschichte:

Eschbach lässt seine Personen das Jesus-Video tatsächlich finden und sehen. Und macht dann etwas, was ich sehr klug finde. Er schildert zwar den Film, legt den Schwerpunkt aber auf die Reaktionen derer, die ihn sehen: Manche sind begeistert, entflammt, gläubig – andere halten es für Humbug und leben ihr Leben weiter. Genauso eben wie es Menschen mit den schriftlichen Offenbarungen aller Religionen bisher auch gemacht haben. Logisch. Fair. Klug. Und eine kleine Pointe gibt’s dann auch noch.

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