Gelesen: „Franken – eine deutsche Literaturlandschaft“ von Hermann Glaser

Zeit, mal wieder das lokalpatriotische Fähnchen zu schwenken und ein Buch über die Literatur aus der Heimat vorzustellen: „Franken – eine deutsche Literaturlandschaft“ will den Bogen schlagen von Walther von der Vogelweide (vermutlich ein Franke, schon weil er so gerne mumpflert auf einem Steine saz) bis zu den frängischen Dichdern und Dengern von heute.

Der Autor dieses großen Unterfangens gehört dabei selbst in diese Liste: Hermann Glaser gilt nicht nur als „Erfinder“ der Nürnberger Kulturläden, sondern ist auch ein Autor der sich selbst in vielen Texten vor allem zur Kulturgeschichte Deutschlands profiliert geäußert hat.

Doch bedauerlicherweise erweist sich das dicke, hochglänzende Buch aus dem Schrenk-Verlag bald als Mogelpackung: Von den knapp 600 Seiten erzählen die ersten 350 eine ganze normale deutsche Literaturgeschichte. Verständlich, kompakt, schön bebildert und teilweise (Biedermeier und Zeit zwischen den Weltkriegen) mit viel Feuer für die Freiheit der Literatur geschrieben – aber sonst auch nicht wesentlich anders als vergleichbare Bücher.

Wo bleibt Franken?

Es kommt auf den letzten 250 Seiten ziemlich dahergequetscht daher. Zudem wiederholt sich hier einiges, was schon im ersten Teil, in Bildtexten oder im Glosar drin war. Entweder hat der Verlag hier schlecht lektoriert oder sie haben nicht damit gerechnet, dass jemand das Buch wirklich von vorne bis hinten liest.

Auch diesem Teil merkt man deutlich die highbrow – Haltung des Autors an. Der Fokus liegt auf den philosophischen und schulisch verwerteten Schriftstellern. Wer Unterhaltung oder Kinderbücher schreibt hat es dagegen schwer.

Zum Vergleich: Der Schwabe Hegel (der acht Jahre in Nürnberg lebte) bekommt sechs Seiten. Ein urfränkischer Erfolgsautor wie Fitzgerald Kusz immerhin eine. „Sams“-Autor Paul Maar bringt es auf eine Bildunterschrift. Mit einem Foto und 20 kurzen Zeilen zu Nora Gomringer ist die rege Slam-Community bereits komplett abgehakt. Die unglaublich produktive fränkische Lokalkrimi-Szene kommt erst gar nicht vor.

Aber vielleicht ist das besser als öffentlich abgewatscht zu werden? So vermerkt das Buch beim fleißigen „Spezi“-Klaus Schamberger ein „Dialektgenre, das sich überholt hat“ und eine „durch ihre Häufigkeit sich abnutzende Präsenz“.
Nett is des nett.

Fazit: Von diesem Buch hatte ich mir viel mehr erwartet. Klar ist – gerade bei der Moderne – jede Auswahl immer subjektiv. Aber wenn man die deutsche Literaturgeschichte gekürzt oder weggelassen hätte, dann wäre doch viel Platz für eine richtige Würdigung der Fränkischen Literaturleistungen geblieben. So bleibt das ein Buch das immer noch geschrieben werden kann.

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