Kino: „Parchim International“

Der Traum von China in Mecklenburg-Vorpommern: „Parchim International“ erzählt die irrwitzige, aber wahre Geschichte eines Großprojekts in der Ostdeutschen Provinz.

Jonathan Pang hat eine Vision: Der chinesische Geschäftsmann träumt von einer großen Freihandelszone im Herzen Europas, mit Läden, Kasinos und Tausenden von Arbeitsplätzen. Einen Standort hat er sich auch schon ausgesucht: Das kleine Städtchen Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Denn das verfügt über eine kuriose Erbschaft: Ein altes Rollfeld aus den Tagen der Wehrmacht. Dass die Startbahn löchrig und der Tower nur ein quietschender Container auf Stelzen ist stört Pang nicht – er kauft das Stück Land für schlappe 30 Millionen Euro. Und kurz darauf weht die chinesische Flagge über dem malerischen Städtchen Ostdeutschland.

Parchim International“ ist stellenweise so absurd, dass man glaubt es mit einer Satire im Stile von Martin Sonneborn zu tun zu haben. Aber weit gefehlt – das alles ist echt. Vier Jahre lang begleiteten die Dokumentarfilmer Stefan Eberlein und Manuel Fenn den umtriebigen Chinesen bei seinen Reisen zwischen Peking und Parchim. Wir sehen ihn Teetrinken mit möglichen Investoren in China, beim englischen Radebrechen mit der deutschen Feuerwehr und immer in der Konfrontation mit der bitteren Realität. Denn das deutsche Recht und die Lokalpolitik interessieren sich weit weniger für seine großen Ideen, als für exakte Pläne und die Einhaltung von Vorschriften. Statt das Gebäude gebaut werden, werden deshalb erstmal Bäume gefällt, weil die der potentiellen Einflugschneise im Weg stehen würden. Doch das geflügelte Helmut-Schmidt-Wort „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“ scheint auf chinesisch nicht zu existieren: Trotz aller Rückschläge hält Pang an seinem Traum fest. Und es ist das große Verdienst dieses Films uns diesen Mann immer näher zu bringen: Erscheint er am Anfang noch als die Personifikation des fremden Kapitalisten, der eine halbe Region aufkauft, so wird er im Laufe der Jahre immer mehr zur tragischen Don Quixote-Figur, deren Schicksal nun auf Gedeih und Verderb mit Parchim verbunden ist. Eine ungewöhnliche und sehr sehenswerte Dokumentation.

WERTUNG: 2

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