David Bowie zum lesen „Helden“ und „Bowie – ein Meisterwerk“

Die Melodien von „Blackstar“ und „Lazarus“ (und die beeindruckenden Videos dazu) gehen mir seit einiger Zeit nicht mehr aus dem Kopf. Bowie rult auch nach dem Tod.

Zeit etwas mehr über ihn zu erfahren. Am Kiosk kaufte ich mir „Bowie – Ein Meisterwerk“, eine 130+ Seiten-Postille, die mit schönen Bildern einen Abriss über seine gesamte Karriere gibt.

 

Nun, vielleicht hätte ich doch zum 2.- Euro teureren Bowie-Spezial vom deutschen Rolling Stone greifen sollen, denn das „Meisterwerk“ wirkt über weite Strecken wie von einem Übersetzungsprogramm ins Deutsche übertragen. Ständig stören Grammatik-Fehler und Bandwurmsätze den Lesefluss, ab und zu fehlen gar Passagen oder die Aussagen sind schlicht Quatsch – etwa dass das Cover der 72er LP „Ziggy Stardust“ im Jahr 2012 in London aufgenommen worden sei.
Interessant bleibt das Heft dennoch, wegen des Gesamtüberblicks, der Fotos und der vielen Statements von Musikern, die von ihm beeinflusst wurden: „Bevor ich David Bowie sah war ich ein ganz normaler gestörter, aufsässiger Teenager aus dem mittleren Westen – dann hat er mein Leben verändert“, schreibt beispielsweise Madonna.

Ein ganz anderes Kaliber ist da schon das schmale Buch „Helden – David Bowie und Berlin“ von Tobias Rüther, das sich ganz mit Bowies Aufenthalt in der damals noch geteilten Stadt beschäftigt. Von 1976 bis 1978 lebte Bowie dort in selbstverordneter „Normalheit“ in einem stinknormalen Wohnhaus in einer WG mit Iggy Pop, wo beide versuchten ihre Drogensucht zu überwinden – und nebenbei geniale Platten zu machen.

Rüther sieht diese Phase (und die Zeit kurz davor und danach) mit dem Blick eines Menschen der zwar Fan ist, aber kein blinder Verehrer. Mit liebevoller Ironie beschreibt er Bowies Experimente als Maler mit Künstlerbärtchen („soll wohl nach Montmarte aussehen“), sein Filmprojekt „Just a Gigolo“ („pappt so viele Klischees aneinander, dass es fast schon wieder originell ist“) und seinen Versuch sesshaft zu werden: „Er malt, klebt Polaroids seiner Bilder in Fotoalben, hört Vivaldi dabei und schaut abends Nachrichten im Fernsehen.“

Natürlich gibt’s auch einen großen Einblick in die Produktion der beiden wegweisenden Alben „Low“ und „Heroes“ mit Brian Eno und Toni Visconti im Hansa-Studio. Über das Experimentieren mit den neuen Synthesizern und die „Oblique Strategies“-Karten mit denen Eno den kreativen Prozess befeuerte.

Sehr schön auch, dass Rüther immer wieder in die Gegenwart blickt und zeigt, wie wenig von den Spuren Bowies im aktuellen Berlin zu finden ist: „In Bowies Wohnung ist 30 Jahre später eine Zahnarztpraxis untergebracht“, statt auf die Mauer blickt man im Studio, wo er „Heroes“ schrieb nun auf eine Hausmauer.

Ein elegant geschriebenes Werk mit vielen passenden Fotos, das Wert darauf legt, die Wahrheit von den Bowie-Legenden zu trennen, wofür Rüther auch oft seine Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit der Zeitzeugen mitangibt. Schade, dass Rüthers ’nur‘ über Berlin geschrieben hat. Eine komplette Biographie in dieser Qualität wäre eine große Bereicherung!

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