Serie: „LOST“

(Spoiler-freier Teil)

Ein Flugzeug stürzt auf einer paradiesischen Insel ab.
Die Überlebenden müssen sich nicht nur mit dem Versorgen ihrer Wunden und drängen Fragen  (Wo gibt es Wasser? Nahrung?) beschäftigen – sondern sehr bald auch mit Geheimnissen. Denn auf der Insel geschehen merkwürdige Dinge…

Vielmehr darf man inhaltlich auch schon gar nicht sagen, denn Lost punktet ab der ersten Folge mit seinen smart aufgebauten Rätseln.
Zudem überzeugt die Serie mit dem wunderbaren Insel-Schauplatz und ihrer ungewöhnlichen Erzählstruktur: In jeder Folge erleben wir neben dem Geschehen auf der Insel auch die Vorgeschichten der einzelnen Charaktere in Rückblenden. Das sorgt für viele Aha-Effekte und dafür, dass einem das ganze Ensemble schnell ans Herz wächst.

Dabei ist es besonders erstaunlich, wie unterschiedlich und differenziert die Charaktere sind. Normalerweise hab ich ein Problem mit mehr als vier Hauptfiguren – hier sind’s über ein Dutzend, doch jede wird wunderbar ausgearbeitet und von einem bis in die Nebenrollen perfekten Ensemble umgesetzt.

Insgesammt hab ich jetzt zwei Jahre – mit einer langen Unterbrechung – mit „Lost“ verbracht und auch wenn es teilweise gesuckt hat (dazu mehr im Spoiler-Teil) war es eine tolle Erfahrung.
Jeder, der Rätsel liebt sollte hier unbedingt reingucken! Was Geheimnisse angeht ist „Lost“ unvergleichlich stark (beim auflösen dagegen nicht unbedingt).

Zum Reinschmecken gibt’s hier eine sehr gute Zusammenfassung der ersten drei Staffeln.
(Keine Sorge, sie ist erstaunlicherweise spoilerfrei 🙂 )

WERTUNG: 1

Nun noch ein kurzer Rückblick auf die einzelnen Seasons
(Spoiler Teil)
Staffel Eins:
Die Landung auf der Insel. Sehr starke Season. Die Geheimnisse werden mustergültig aufgebaut und die Charaktere entwickeln sich deutlich. Viele Rückblick-Geschichten behandeln spannende moralische Fragen – und alles sieht top aus. Highlight: „Walkabout“ – wer nach dieser Folge nicht Fan ist kann es gleich lassen.

Staffel Zwei:
Der Bunker: Ganz schwacher Start. (Hier hab ich meine lange Pause eingelegt). Das Tastendrücken im Bunker laaaangweilt, genauso wie die zweite Gruppe der Überlebenden. Zudem beginnen die Rückblenden sich etwas abzunutzen. Jedesmal wenn Jacks oder Johns Vater auftauchen muss ich gegens Gähnen kämpfen. Das alles ändert sich als gegen Schluss Michael Emerson als Benjamin Linus auftaucht. Er hielt mich anderthalb Staffeln lang in der Waage ob er nun der Teufel in Person oder ein ganz armes Würmchen ist. Super Leistung!

Staffel Drei:
Die Anderen – Eine durchwachsene Season. Etwas viel Gefangengenommen-werden und ausbrechen auf der Insel und die Rückblenden werden deutlich schwächer („Wie Jack sein Tatoo bekam“ „Wie Sajid zum 52. Mal zum Mörder wieder Willen wurde). Auf der Haben Seite stehen wieder tolle Performances. Neben Emerson ist es auch Elizabeth Mitchell als Juliet Burke die den anderen ein geheimnisvolles Gesicht geben. Auch Sympath Desmond kommt hier gut zum Zuge und das Finale unter Wasser ist eine starke Überleitung zu

Staffel Vier
Das Schiff – Für mich die stärkste Season. Die Macher schmeissen die Rückblenden endlich über Bord und probieren etwas neues aus, was für viele Überraschungs-Momente sorgt. Zudem ist die Season kürzer und sehr konzentriert. Das Verhältnis von Geheimnissen, Auflösungen und Action ist so ausgewogen wie nie zuvor, das Ziel aller Figuren ungewohnt klar. Zudem kommen mit Geisterseher Miles und Physiker Farraday zwei supercoole neue Hauptpersonen dazu.

Staffel Fünf
Die Zeitreisen. Hm. Naja. Diese Season definiert den Begriff „retardierendes Element“ neu indem sie die Handlung um 30 Jahre zurückversetzt und alles stark ausbremst. Die Dharma-Intiative langweilt tierisch – da ist es diesmal die Nicht-Insel-Handlung welche die Spannung hält.

Staffel Sechs
Das Finale. Jetzt geht’s ans auflösen. Hier schwächelt „Lost“ wohl etwas. Verglichen mit den vielen schönen Fan-Theorien („Die Insel ist ein Raumschiff“, „Die Insel ist das Fegefeuer“, „Die Insel ist im inneren eines kryogenisch gefrorenen Eisbären“) ist das was hier präsentiert wird erschreckend banal: Der Kampf gut gegen böse (oder vielmehr total-böse gegen auch-nicht-ganz-sauber) ausgetragen durch zwei Repräsentanten, die sich im Matsch prügeln. Dazu käsige Rückblenden in die Zeit der Römer, die wirklich wie billigste Fantasy aussehen. Zum Glück ist das aber nicht alles: Die Handlung in der alternativen Realität, in der der Absturz nicht stattfindet, ist brilliant und auch die letzte Folge „The End“ in Spielfilmlänge ist wirklich episch. Wie hier der Abschied von den Charakteren zelebriert ist anrührend, bewegend und dem Anspruch der Serie würdig. Sicher, es werden nicht alle Fragen beantwortet – aber die wichtigen. Und es bleibt ein gutes Gefühl an einer ganz ungewöhnlichen Reise teilgenommen zu haben.

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