Projekt 42 – Teil 18: Wissenschaft essen Angst auf

Es gibt ja keine Zufälle bei Projekt 42.
Und so geschah es, dass genau in der Zen-Woche zum Thema „Die Angst wahrnehmen“ bei uns im Haus Rauchmelder installiert wurden. Das sind gesetzlich vorgeschriebene  Geräte, die bei Rauch laut Piepsen. Angeblich rettet das Leben. Ich mag sie trotzdem nicht.
Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht erfreut bin Geräte im Haus zu haben, die ungefragt irgendwelche Daten nach draußen schicken, ist das Ding ziemlich widersinnig: Wenn es wirklich in der Wohnung anfängt zu brennen ist doch das letzte was ich brauche ein schriller 90dB-Alarmton, der den Puls noch weiter hochtreibt! Viel sinnvoller wäre doch ein sanftes „gung“ oder eine Stimme die ruhig sagt „Vorsicht: Rauchentwicklung.“

Ähnlich verhält es sich mit der Angst.
Sie ist im Grunde sehr sinnvoll. Sie warnt uns davor den knurrenden Säbelzahntiger auf den Kopf zu tätscheln oder mal aus Spaß in einen Abgrund zu springen. Aber die Art wie sie das tut, scheint mir höchst ungeeignet. Was nützt erhöhtes Adrenalin im Zahnarzt-Stuhl oder zitternde Hände bei öffentlichen Auftritten?
Cool wäre es also, wenn man die Angst neu konfigurieren könnte, so dass sie zwar ihre Warn-Funktion behält, aber eben vom lauten Piepen zur freundlichen Ansage wechselt.
Wie kann das gehen? Zuerst einmal nehme ich mir vor, dass nächste mal, wenn der Körper das Programm „fear.exe“ startet genau aufzupassen, was eigentlich passiert.

Die Gelegenheit ergibt sich in der Nacht auf Donnerstag, als ich mit Magengrimmen wach werde. Es ist (glücklicherweise) keine Säbelzahntiger-kommt-um-die-Ecke-Todesangst – eher ein leicht nervöses Lampenfieber bezüglich eines neuen Projekts das nächste Woche beginnt – aber es reicht um mir den Schlaf zu rauben. Und für ein Experiment!

Nach und nach, wo im Körper die Angst körperliche Symptome zeigt und versuche sie von 0 (gar keine) bis 5 (sehr stark) zu bewerten: Der Ursprung im Magen ist die 5 – darüber im Lungenbereich: 0. Wieder darüber am Herz: 4. Schultern, Oberarme: 0 … und so weiter. Dabei fällt mir auf, dass die Angst immer kleiner wird, je mehr ich sie  freundlich-interessiert beobachte: Wissenschaft essen Angst auf! Also schnell weiter: Im Gehirn: 0 (Erstaunlich!) von da aus von unten wieder hoch Richtung Magen. Und als ich bei „Angst im Arsch: 0“ ankomme, muss ich so lachen, dass sich auch der Magen wieder beruhigt und ich gut weiterschlafen kann.

Was bedeutet das? Ich vermute, dass es ähnlich wie beim Experiment mit dem „Hässliche Graffiti schön finden“ (was mir mit der Zeit übrigens immer besser gelingt und viel Spaß macht!) viel mehr Möglichkeiten gibt, die Reaktionen des Körpers und des Geistes zu kontrollieren, als einen das jahrelange Gewohnheit glauben macht.

> 19 Meister Takuan und die Deutsche Bahn

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