Project 42 – Teil 14: Suite für eine Hand

< 13 Das Auge des Buddha

Seit etwa zwanzig Minuten beobachte ich nun schon meine linke Hand.
Das hat einen tieferen Sinn.
Den Hörsinn. Denn um den geht es in dieser dritten Zen Woche.
Und hier werde ich versuchen ein weiteres der großen Menschheitsrätsel zu lösen!

Die berühmte Frage von Zen-Meister Hakuin

„Zwei Hände machen ein Geräusch –
welches Geräusch macht eine Hand?“

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Für Fortgeschrittene: Welches Geräusch macht das Foto einer Hand?

Empirisch gesehen ist das voll easy: Mit einer Hand kann ich schnippen, mich an den Nägeln kratzen, die Finger übereinanderreiben, in die Handfläche klappen oder mit den Knöcheln knacken (letzteres geht nicht immer). Zudem kann ich die Hand je nach Position zum Ohr als Schallschutz oder Schallverstärker für andere Klangquellen nehmen.

Doch ich glaube, alles das ist nicht gemeint.
Spannend wird es vielmehr dann, wenn ich selber mal nix mache mit der Hand.
Welchen Klang macht sie dann?

Das ist gar nicht so leicht zu beobachten, denn meistens macht die Hand irgendwas!
Aber ich werde ihr schon auf die Schliche kommen!Deswegen belauere ich die Hand nun schon eine ganze Zeit. Ich hab mich schlafen gestellt, aber in Wirklichkeit hör ich genau zu, ob sie etwas macht. Nach geraumer Zeit vermeine ich sogar etwas wahrzunehmen – eine Art Puls-Geräusch.
Nun ist es aber bei „Klängen“ aus dem eigenen Körper oft schwer zu sagen, ob sie eher ein Geräusch oder ein Gefühl sind.

Wenn ich jetzt ein Mikro-Mikro in Nano-Größe hätte, dann könnte ich das in die Blutbahn schießen und all die irren Betriebsgeräusche aufnehmen, die der Körper so macht: Den Puls, die kleinen Bewegungen der Gelenke der ruhenden Hand, das rauschen des Blutes.

Umgekehrt: Wenn ich ein kosmisches Makro-Mikro hätte, dann könnte ich hören, ob die Hand Teil einer großen, universellen Melodie ist (etwas wie der Musik der Ainur aus der Tolkien sein Mittelerde entstehen lies) oder die eine Note aus der laut Spider Barbour das ganze Universum besteht.

„Wir sind alle die gleiche Note -aber in unterschiedlichen Oktaven.
Richtig – wir sind 4.928 Oktaven unterhalb der großen Note.“

Frank Zappa, Civilization Phaze III – A different octave

Ist meine Hand also ein paar Oktaven höher – oder tiefer – gestimmt als mein Ohr?

Wie auch immer: Innerhalb meiner menschlichen Wahrnehmung komme ich nach intensiver Beobachtung zu den Schluss, dass meine Hand geräuschtechnisch nur eines ausstrahlt: Eine geradezu majestätische Ruhe.

Und dafür bin ich ihr dankbar.

> 15 Der Zen-Hase

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