Kino: „Violette“

Klug, traurig und intensiv: Regisseur Martin Provost portraitiert in „Violette“ eine Schriftstellerin, die ihrer Zeit einen schmerzlichen Schritt voraus war.

Nach manchen Frauen drehen sich die Menschen um, weil sie so schön sind. Nach anderen, weil sie so häßlich sind!“ sagt Violette (Emmanuelle Devos) – und es ist klar, dass sie sich eindeutig zu den letzteren zählt. Zahlreiche Enttäuschungen haben sie bitter gemacht, die äußerlich ganz patent ihr Leben auf den Schwarzmärkten des besetzen Frankreich meistert. Ihr Leben ändert sich, als sie die Schriftstellerin Simone de Beavoir (Sandrine Kiberlain) kennenlernt. Diese ermutigt Violette ihr Leben in Worte zu fassen – und sie findet Worte wie noch keine zuvor: Als eine der ersten Frauen in Europa schreibt sie offen über ihre Ängste, ihre sexuellen Wünsche und Erfahrungen und über das traumatische Erlebnis einer Abtreibung. Die intellektuellen Zirkel um Jean Genet, Satre und Camus sind begeistert – doch das kann ihre verzweifelte Suche nach Zuneigung nicht beenden.

 

Glücklicherweise war es nicht Hollywood, der diese vergessene Pionierin der emanzipierten Literatur entdeckte und den üblichen „mutiges Entlein wird zum stolzen Schwan-Film“ daraus machte. Stattdessen nahm sie der französische Regisseur Martin Provost der gebeutelten Seele an, der schon der Malerin Séraphine Louis ein stimmungsvolles Portrait gewidmet hatte.

Durch seine formal strenge, aber immer mit spürbarer Zärtlichkeit gehandhabten Inszenierung wird „Violette“ ein spannender, kluger und oft auch immens trauriger Film, der trotz einer Laufzeit von über zwei Stunden immer stärker wirkt, je länger er dauert.

Nicht zuletzt deshalb, weil er sich immer mehr als Doppelportrait von Violette und Simone erweist – zwei unterschiedliche Frauen, die einander als Spiegelbild brauchen. Die eine kleidet sich in kämpferische Kühle, die andere in zunehmend verzweifeltes Selbstmitleid. Während Beauvoir sich immer wieder präzise in den Zeitgeist einzuklinken versteht und so ein Erfolgsbuch nach dem anderen herausbringt ist Leduc ihrem Publikum stets einen kleinen, schmerzhaften Schritt voraus.

WERTUNG: 2

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