Kino „Vielen Dank für nichts“

„Könnt ihr auch noch was anderes als sabbern?“, fragt der junge Valentin (Joel Basman) seine behinderten Mitbewohner Lukas (Nikki Rappl) und Titus (Bastian Wurbs). Nach einem Sportunfall kann Valentin seine Beine nicht mehr bewegen — und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, steckt ihn seine Mutter auch noch in ein integratives Theaterprojekt („Hamlet Handicap“) mit geistig und körperlich Behinderten.

Doch nicht zuletzt dank der bezaubernden Betreuerin Mira (Anna Unterberger) findet Valentin dann doch Gefallen an seiner ungewohnten Umgebung und entdeckt, dass seine neuen Freunde weder doof noch harmlos sind: Da die Welt sie ohnehin nicht ernst nimmt, scheint sich das Rollstuhl-Trio alles erlauben zu können — vielleicht sogar ein Verbrechen?

Die beiden Regisseure Oliver Paulus und Stefan Hillebrand hatten die Nase voll von Profi-Schauspielern, die in geleckten Produktionen den Autisten oder Stotterer mimen. Stattdessen holten sie „echte Behinderte“ in ihr Team. Die spielen nicht nur Hauptrollen, sondern arbeiteten auch am Drehbuch mit und unterzogen die Geschichte einem „Realitäts-Check“.

Diese Umkehrung der üblichen Perspektive funktioniert am besten in den frechen Szenen, in denen die Rollstuhlfahrer ihre Grenzen austesten, etwa indem sie Passanten absichtlich in die Hacken fahren oder in die Schweiz reisen, um dort eine Waffe zu klauen (weil jeder Schweizer eine Waffe im Schrank hat) — während Rodrigo González von der Band Die Ärzte „Der Spast ist krass!“ singt.

Dennoch ist „Vielen Dank für nichts“ keine Schenkelklopfer-Komödie geworden. Momente der Ohnmacht und des Zorns kommen ebenso vor und zeigen, dass das Leben mit Behinderung trotz allem kein Zuckerschlecken ist.

Während die Rollstuhlfahrer also sehr dreidimensional gezeichnet sind, werden die „Nichtbehinderten“ ziemlich klischeehaft dargestellt: Da ist die überforderte Sozialpädagogin, der arrogante Vater, der impulsive Schauspiellehrer. . . Hier verschenkt der Film leider einiges an Potenzial, er bleibt aber dennoch sympathisch und sehenswert

WERTUNG: 3

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